Radeberg (dpa) - Nach Feiern ist derzeit niemandem zumute - am Internationalen Tag des Bieres an diesem Donnerstag geht in vielen Brauereien in Deutschland vielmehr die Angst um. Die Corona-Pandemie hat den Bierabsatz in Deutschland förmlich einbrechen lassen. "Die Brauereien haben einen sehr unterschiedlichen Fassbieranteil der zwischen 20 und 100 Prozent liegt. Die kleinen und mittleren Brauereien, die ihren Absatz hauptsächlich über die lokale und regionale Gastronomie erzielen, sind besonders betroffen", sagt die Geschäftsführerin des Sächsischen Brauerbundes, Barbara Sarx-Lohse.

Genaue Zahlen, wie sich die Corona-Krise für die Brauereien seit März ausgewirkt hat, liegen derzeit noch nicht vor. Klar aber ist schon jetzt, dass es auf breiter Front Umsatzeinbrüche geben wird - und das in einer Zeit, wo der Bierkonsum in Deutschland ohnehin rückläufig ist. In Thüringen beispielsweise sank der Bierabsatz von einheimischen Braustätten 2019 unter die Marke von drei Millionen Hektoliter, wie das Landesamt für Statistik am Mittwoch informierte. Das bedeutete einen Tiefstand.

Im Bierland Sachsen, das mit 77 Brauhäusern so viele hat wie kein anderes ostdeutsches Bundesland, befürchtet man angesichts der geschlossenen Gastronomie, der Verschiebung der Fußball-EM, der Absage von Großveranstaltungen und Volksfesten und einer nicht mehr planbaren Biergarten-Saison Schlimmes. "Es ist wichtig, dass es schnelle unbürokratische Hilfe für die Gastronomie und die kleinen Gasthausbrauereien gibt. Nur dann werden viele Gasthäuser nach der Krise wieder öffnen können", bemerkt Sarx-Lohse. "Bislang ist diesbezüglich zu wenig passiert."

"Kurz- und mittelfristig sind sonst zahlreiche Insolvenzen in der Gastronomie und in der Folge auch in der Brauwirtschaft zu erwarten", warnt die Geschäftsführerin. "Viele Betriebe befinden sich am Rande der wirtschaftlichen Belastbarkeit" - zumal auch der Export innerhalb Europas, nach China und in die USA nahezu weggebrochen sei.

Die großen Brauereien verlegen sich derzeit auf Flaschen- und Dosenbier. "Wir verzeichnen im Handel eine Tendenz zu vermehrten Käufen von Radeberger Pilsner-Flaschenware, der wir mit einem gut koordinierten Brau- und Abfüllprozess begegnen und somit ausreichend Ware zur Verfügung stellen können", sagte Pressesprecherin Jana Kreuziger von der Radeberger Pilsner-Brauerei.

Diesen Trend bestätigt auch Ines Zekert, Pressesprecherin von Ur-Krostitzer. "Die Nachfrage nach Ur-Krostitzer hat sich im Handel in den letzten ungewöhnlichen Wochen tatsächlich noch einmal erhöht - wobei diese Absatzsteigerung im Handel nicht das Wegbrechen der Gastronomie kompensieren kann." Kapazitäten, die Flaschenbierabfüllung gegebenenfalls zu erhöhen, sehen die meisten großen Braustätten.

"Unser Ziel ist es, nachhaltigen Schaden von unserem Unternehmen abzuwenden und vor allem Arbeitsplätze zu sichern. Deshalb haben wir innerhalb der gesamten Braugruppe verschiedene Maßnahmen im Einsatz, zum Teil auch mit zeitweiser Kurzarbeit", heißt es aus der Köstritzer Schwarzbierbrauerei sowie der Wernesgrüner Brauerei. Dort hat man zudem noch ein soziales Hilfspaket auf die Beine gestellt.

"Wir helfen, wo wir können und stellen beispielsweise Schutzkittel für Pflegeheime sowie Ethanol zur Herstellung von Desinfektionsmittel zur Verfügung", berichtete Marc Kusche, Geschäftsführer in Wernesgrün.

Sorgen müssen sich Bierliebhaber derzeit nicht machen: Die Produktion läuft weiter, Hamsterkäufe waren bisher nicht zu beobachten. Der Präsident des Sächsischen Brauerbundes, Steffen Dittmar: "Wir können heute keine Prognosen für die Zukunft abgeben. Wir hoffen gemeinsam, dass wir die Pandemie ohne zu großen Schaden für die Menschen und die Wirtschaft überwinden können und wir bald wieder zusammen ein gutes Bier trinken können."

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