Zwickau (dpa) - 60 Jahre nach dem schwersten Grubenunglück der DDR wühlt die Katastrophe die Stadt Zwickau, betroffene Familien und ehemalige Bergleute noch immer auf. "Das hat nicht nachgelassen", sagte Karl-Heinz Baraniak, Vorsitzender des Steinkohlenbergbauvereins Zwickau, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Am 22. Februar 1960 hatte eine Explosion im VEB Steinkohlenwerk "Karl Marx" die Katastrophe mit 123 Toten ausgelöst.

Noch immer liegen Details der Tragödie im Dunkeln. Offizieller Grund ist eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion, die DDR verwies als Ursache auf ein Erdbeben in Nordafrika. Ein Buch, für das Mitglieder des Steinkohlenbergbauvereins und Vertreter der Stadt eine Vielzahl von Akten untersucht haben, kommt zu einem anderen Schluss. Demnach sei "unsachgemäßer Umgang mit Sprengstoff" der Auslöser gewesen. Der dafür Verantwortliche wurde namentlich nicht benannt.

Wie in jedem Jahr seit 1990 werden die Zwickauer am 22. Februar der Toten des Grubenunglücks gedenken. Nach einem Gedenkgottesdienst in der Moritzkirche werden alle Kirchen der Stadt und der umliegenden Gemeinden ihre Glocken läuten. Bei der stillen Kranzniederlegung auf dem Hauptfriedhof wird es traditionell keine Reden geben.