Magdeburg (dpa) - Der 28 Jahre alte Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle ist am Montag vor der geplanten Urteilsverkündung im Landgericht Magdeburg eingetroffen. Das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Naumburg soll um 11.00 Uhr verkündet werden. Es wird mit einer mehrstündigen Urteilsbegründung gerechnet. Das Medien-Interesse im Gericht ist groß. Es finden nicht alle Interessierten Platz im Verhandlungssaal, in einem zusätzlichen Raum wird die Urteilsbegründung als Ton übertragen.

Damit geht gut 14 Monate nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle der Prozess zum Attentat zu Ende. Bundesanwaltschaft und Nebenklage hatten eine lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Die Verteidigung hatte dem in ihrem Plädoyer nicht widersprochen.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. und später in einem Döner-Imbiss Kevin S.. Auf der anschließenden Flucht verletzte er weitere Menschen. Der Prozess läuft seit Juli vor dem OLG Naumburg, aus Platzgründen findet er jedoch in Magdeburg statt. Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungstheorien begründet.

Das Verfahren, das das OLG Naumburg aus Platzgründen in Magdeburg führte, ist einer der größten und meist beachteten Prozesse in der Geschichte Sachsen-Anhalts. 79 Zeugen und 15 Sachverständige befragte die Kammer mit der Vorsitzenden Richterin Ursula Mertens. 45 Überlebende und Hinterbliebene waren als Nebenkläger zugelassen. 23 Anwälte vertraten diese in dem seit Juli laufenden Prozess.