Harzgerode (dpa) - Die Beseitigung der Waldschäden durch Dürre und Borkenkäfer im Ostharz verschlingt Schätzungen zufolge riesige Summen. Die Kosten für Beräumung, Aufarbeitung und Wiederaufforstung belaufen sich allein im sachsen-anhaltischen Teil des Harzes auf 1,5 Milliarden Euro, wie aus Berechnungen von Experten des Arbeitsbündnisses Zukunft Wald hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Der Harz wurde zuletzt stark von extremen Wetterereignissen wie Stürmen und Dürre getroffen. Der Borkenkäfer verursachte bei den geschwächten Fichten ein Massensterben. Die Waldbesitzer stehen jetzt vor großen finanziellen Problemen. "Viele stehen vor dem Konkurs, einige haben auch schon aufgegeben und verkauft", beschrieb Franz Prinz zu Salm-Salm, der Vorsitzende des Waldbesitzerverbands Sachsen-Anhalt, die Situation der privaten Waldbesitzer.

Auch stark getroffene Kommunen wie Harzgerode machen Verluste mit den Aufräumarbeiten im Wald, wie Bürgermeister Marcus Weise (CDU) sagte. Selbst der Landesforstbetrieb, der Sachsen-Anhalts Wälder betreut, muss Kredite aufnehmen, um die Krise zu schultern, wie der Abteilungsleiter für Forst im Umweltministerium, Jörg Martell, sagte.

Wie kommen die immensen Summen im Harz zustande? Neben den Kosten für das Fällen und Wegräumen schädlingsbefallener oder vertrockneter Bäume wurden auch die Kosten für die Wiederaufforstung geschätzt. Eingeflossen sind die bekannten Schäden aus dem vorigen sowie diesem Jahr im kommunalen, landeseigenen sowie privaten Wald, ergänzt durch eine Schätzung für 2020. Errechnet wurde das vom Aktionsbündnis Zukunft Wald, einem Zusammenschluss von Forstexperten, Waldbesitzern und waldnahen Unternehmen im Harz.

Das Problem der Waldbesitzer ist ein Doppeltes: Weil viele Wälder in Mitteleuropa von Schädlingen und Dürre betroffen sind, wird viel mehr Holz eingeschlagen als normal. Das Angebot übersteigt die Nachfrage und die Preise sind im Keller. Während die Forstleute damit beschäftigt sind, die Unmengen an geschädigtem Holz aus dem Wald zu holen, müssen sie planen, wie sie die Flächen wieder bepflanzen.

Unklar ist für viele vor allem, wie sie das bezahlen sollen. "Normalerweise lässt sich das Aufforsten aus den Gewinnen der Holzverkäufe finanzieren", sagte Harzgerodes Bürgermeister Weise. Derzeit koste das Aufräumen pro Kubikmeter Holz im Schnitt zehn Euro mehr als es einbringe. Harzgerode habe Unterstützung aus einem entsprechenden Landesprogramm beantragt, das decke jedoch immer noch nicht die Kosten. Um das Pflanzen neuer Bäume finanzieren zu können, hofft Weise auf zugesagte Hilfen des Bundes.

Das Aktionsbündnis Zukunft Wald hofft, dass Sachsen-Anhalt zumindest teilweise das überschüssige Holz von den Waldbesitzern aufkauft und lagert. Das könnten kleine Waldbesitzer logistisch nicht leisten, hieß es. Das Land könnte hingegen die Stämme gewinnbringend verkaufen, wenn sich der Markt in ein paar Jahren erholt hat.

Der private Waldbesitzerverband pocht ebenfalls auf mehr Engagement des Landes. Schon länger dringt er auf einen Krisenstab, in dem alle beteiligten Ministerien zusammenarbeiten. Zudem müsse mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, forderte Verbandschef zu Salm-Salm. Andere Länder zeigten, dass das gehe.

Beispiel Thüringen: Die Regierung von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) legte ein Nothilfeprogramm auf. Für Aufräumen und Aufforsten sollen in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen Euro fließen.

In Niedersachsen gab es im Sommer 1,5 Millionen Euro Soforthilfen für Waldbesitzer, um die Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. Der Westharz ist Forstexperten zufolge besonders betroffen. Landesweit sind nach Angaben von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) mindestens 20 000 Hektar Wald betroffen. Für das Wiederaufforsten wollen Bund und Land über 116 Millionen Euro ausgeben. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat zugesagt, ein 800 Millionen Euro schweres Programm zur Rettung der Wälder aufzulegen.

Sachsen-Anhalt stellt über zwei Förderprogramme bis 2023 derzeit 12,7 Millionen Euro für Aufräumen sowie Wiederaufforstung zur Verfügung. Wie viel Geld durch das gemeinsame Bund-Länder-Programm zur Wiederaufforstung dazu kommt, war bisher offen. Die CDU im Landtag plädierte dafür, die nötigen Landesmittel in den laufenden Haushaltsverhandlungen einzuplanen, damit die Millionen vom Bund gesichert werden. Klarheit könnten die nächsten Tage bringen, dann will Finanzminister Michael Richter (CDU) einen Etatentwurf vorlegen.