Halle (dpa/sa) - Wissenschaftler aus dem In- und Ausland diskutieren in Halle über Forschungen zum Thema Holocaust. Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Naziherrschaft in Europa stehe der von den Nationalsozialisten unternommene Versuch einer Vernichtung der europäischen Juden durch Massenmord wie ein Menetekel an der Wand, erklärte Konferenzleiter Werner Nell von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu Beginn der dreitägigen Zusammenkunft am Donnerstag.

"Antisemitismus muss man ernst nehmen, den gibt es, der ist auch verbreitet und ist inzwischen auch wieder salonfähig geworden", sagte der Wissenschaftler. Er sehe mit großer Sorge, dass Antisemismus in der Gesellschaft nicht auf den Widerstand treffe wie es nötig wäre. "Jeder Einzelne muss Stellung beziehen". Dies fange im Elternhaus an, sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft, von Politik und Justiz. Es müsse auch noch mehr dafür getan werden, über Ursachen von Antisemitismus und Rechtsextremismus und deren Gefahren aufzuklären.

Judenfeindlichkeit trete heute in Deutschland und Europa deutlich in Erscheinung, warnte er. Das zeige der Versuch eines 27-Jährigen, am 9. Oktober in Halle ein Blutbad in der Synagoge in Halle anzurichten. Als es ihm nicht gelang, mit Waffengewalt und Sprengstoff in das Gotteshaus einzudringen, in dem sich am Feiertag Jom Kippur etwa 50 Gläubige aufhielten, erschoss er eine unbeteiligte 40 Jahre alte Passantin vor der Synagoge. In einem nahen Kiez-Döner tötete er einen jungen Mann. Der Attentäter befindet sich in Untersuchungshaft. Er hat den Anschlag von Halle gestanden.

Programm der Tagung vom 14. bis 16. November