Halle (dpa/sa) - Die Zahl der Pflegefamilien in Sachsen-Anhalt ist 2019 nahezu stagniert. "Im letzten Jahr konnten nur drei Pflegefamilien im ganzen Land zusätzlich gewonnen werden", sagte die Sprecherin des Landesverwaltungsamts, Gabriele Städter, in Halle. Zum Stichtag am 31. Dezember 2019 gab es insgesamt 1806 Pflegefamilien mit 2566 Pflegekindern im Land. Ein Jahr zuvor waren es 1803 Pflegefamilien, in denen 2535 Pflegekinder lebten. Laut Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern gab es Ende 2019 einen Mehrbedarf von 115 weiteren Pflegefamilien.

"Pflegekinder haben immer einen schweren Rucksack zu tragen", sagte die Vorsitzende des Landesverbands für Pflege- und Adoptiveltern, Kathrin Kube, in Huy. Viele hätten wegen Vernachlässigung und körperlicher oder sexueller Gewalt aus ihren Familien genommen werden müssen. Oft seien die Kinder traumatisiert oder verängstigt. Pflegeeltern seien eine Art ""Medizin" für die oft verletzten Kinderseelen", sagte Kube.

Nach Angaben des Landesverwaltungsamts steigt die Zahl der Pflegekindern seit Jahren fast kontinuierlich. 2014 gab es 2294 Pflegekinder, ein Jahr später bereits 131 mehr. 2016 stieg die Zahl auf 2547 an. 2017 gab es einen Rückgang auf 2453 Pflegekinder im Land. Seit 2010 kamen laut Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern insgesamt mehr als 1000 Pflegefamilien dazu.

Die Situation für Pflegeeltern habe sich in den vergangenen Jahren unter anderem wegen der dynamisch steigenden finanziellen Hilfe für die Pflegefamilien zwar teils verbessert. "Diese Verbesserungen reichen aber bei weitem nicht aus, um neue Pflegefamilien gewinnen zu können", sagte Kube. Es brauche bessere Beratungen, Betreuungen und Qualifizierungsangebote für die Pflegefamilien. "Hier besteht großer Handlungsbedarf seitens der Jugendämter."

Den Angaben zufolge werden Dutzende Pflegeeltern in Sachsen-Anhalt gebraucht und die Lage könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nicht mehr in ihren ursprünglichen Familien leben könnten, reiße nicht ab, wie Kube erklärte. Problematisch sei jedoch, dass die Jugendhilfe der jeweiligen Landkreise die Pflegeeltern unterschiedlich unterstütze. Die Rahmenbedingungen müssten vereinheitlicht werden, hieß es.

"Grundsätzlich können alle zu Pflegeeltern werden, ob Alleinstehende, Menschen in einer Lebenspartnerschaft - auch gleichgeschlechtlich - oder Ehepaare", sagte Kube. Geeignete Auf-Zeit-Eltern zu finden, sei allerdings schwer. Die Pflegeeltern müssten auch verkraften, dass die Kinder möglicherweise wieder in ihre Herkunftsfamilien zurückkommen.

Pflegeeltern werden nach Angaben des Landesverwaltungsamtes auf ihre Aufgaben vorbereitet. Das Land fördert den Angaben nach seit 1993 die sogenannte Pflegeelternschule - später Fachzentrum für Pflegeeltern genannt. Pflegeeltern werden dort mit Hilfe von Seminaren und Beratungsangeboten bei ihren Aufgaben unterstützt.

Fachzentrum für Pflegeeltern Sachsen-Anhalt