Salzwedel l Die Jungen und Mädchen sind lieb, unauffällig, melden sich im Unterricht besonders oft und übernehmen bereitwillig Aufgaben, zu denen andere keine Lust haben. Dann ist doch eigentlich alles in Ordnung. Lehrer und Erzieher können sich über solche Schützlinge freuen. Das muss eben nicht so sein, berichten Annemarie Schmidt und Doreen Schulz von der Netzwerkstelle Schulerfolg sichern. Nicht selten haben es diese Schüler zu Hause schwer. Weil beispielsweise ihre Eltern Suchtprobleme, psychische oder andere Erkrankungen haben. Die Kinder strengen sich dann an, um zu funktionieren, das Familienleben soll so gut wie möglich laufen, sie können gut organisieren und übernehmen Verantwortung, für die sie noch zu jung sind. Oft benehmen sie sich wie Erwachsene. In Schule, Hort oder anderen Einrichtungen suchen sie Aufmerksamkeit (oder auch nicht), versuchen zu gefallen, Lob und Zuwendung zu bekommen, die es Zuhause nicht gibt.

Für Erzieher und Lehrer sei es schwer, zu erkennen, wann es sich um ein auffälliges und nicht nur ein engagiertes Verhalten handelt. Ein Fachtag am Dienstag, 19. März, in Zichtau beschäftigt sich deshalb mit diesem Thema. Er steht unter dem Titel „Verhaltens(un)auffälligkeiten in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen“ und richtet sich an Schulleiter, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter verschiedenster Einrichtungen bis hin zur Verwaltung. Bei dieser vielschichtigen Problematik gehe es nicht darum, die Eltern in irgendeiner Weise zu verurteilen, sondern Lösungen zu finden, erklärt Doreen Schulz.

Für besondere Lage sensibilisieren

Den Einstieg ins Thema übernimmt Henning Mielke von der Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien. Dann können sich die Teilnehmer an zehn Stationen, bestehend aus den regionalen Beratungsstellen, psychiatrischen Einrichtungen und von Ämtern bei einem sogenannten Speed-Dating kennenlernen und Kontakte knüpfen. Am Nachmittag gibt es fünf Workshops mit Themen rund um die Problematik. Zudem eine Auswertung und eine Abschlussgesprächsrunde. Ziele des Fachtages sind für die besondere Lage von Kindern psychisch kranker Eltern zu sensibilisieren, einen themenbezogenen Austausch unter Fachkräften zu fördern und Netzwerke dahingehend auszubauen. Außerdem sollen Mechanismen der Auffälligkeiten aufgezeigt werden. Die Organisatoren von der Netzwerkstelle und der Awo-Sucht- und Drogenberatung hoffen auf einen regen Erfahrungsaustausch.

Sollte die Schulsozialarbeit nicht mehr gefördert oder in irgendeiner Form weiter finanziert werden, wäre auch die Netzwerkstelle betroffen, sagen die Mitarbeiterinnen. Sie machen sich derzeit große Sorgen darum, dass sie ihre Arbeit im Sinne der Schulsozialarbeit und allem was damit zusammenhängt, nicht mehr weiterführen können. Anmeldungen für den Fachtag nehmen sie bis zum 28. Februar entgegen.