Sandau l Zwar trennt eine Plexiglaswand Bewohner und Angehörige und man kann sich nicht anfassen und umarmen, aber sehen und miteinander reden. Erst einmal fließen Tränen, Tränen der Freude, sich endlich wieder zu sehen und nicht nur am Telefon zu hören.

Eine aus Kamern stammende Bewohnerin ist die Erste, die ihre von weiter her angereisten Enkelkinder sehen kann – alle sind zu Tränen gerührt und beseelt, sich wiederzusehen. Und der Besuchskalender ist voll.

Besuchskalender ist voll

Wie es überhaupt möglich ist, trotz weiterhin geltenden Verbotes nun doch Besuche zu empfangen, berichtet Einrichtungsleiterin Cerstin Franke: „Das Besuchsverbot hat, auch wenn die Mitarbeiter sich größte Mühe mit der Ablenkungen gegeben und wir beispielsweise auch Video-Telefonate möglich gemacht haben, mehr und mehr an den Nerven gezerrt. Als dann am 20. April mit der Bekanntgabe der vierten Verordnung zur Eindämmung der Covid-19-Ausbreitung klar war, dass das Besuchsverbot noch eine ganze Weile bestehen wird, musste ich mir etwas einfallen lassen. Im Fernsehen sah ich dann von einer Einrichtung, die mit einem ans Haus gestellten Container eine Möglichkeit schaffte. Das geht bei uns nicht.“ Aber dennoch hatte die Leiterin eine gute Idee: Der Saal im Haus, in dem sonst Feiern stattfinden, ist seit März gesperrt und deshalb ungenutzt. In diesem großen Raum kommt man nicht nur über den Flur, sondern auch eine Außentreppe. Besucher gelangen also in den Saal, ohne das Haus über den Eingangsbereich zu betreten. Und die Bewohner laufen oder fahren per Fahrstuhl im Rollstuhl in den Flur vor den Saal. Wo sonst eine große Flügeltür ist, gibt es nun eine große Plexiglaswand. „Die hat binnen 24 Stunden die Havelberger Firma Kiebitzberg gebaut – dafür bin ich sehr dankbar! Das sieht auch gar nicht provisorisch aus. Und mit Stühlen für den Bewohner und die maximal zwei Besucher und Tischen samt Deckchen und Blumen sieht es richtig gemütlich aus“, beschreibt Cerstin Franke den Treffpunkt. Sie hat die Angehörigen telefonisch informiert, dass es nun diese Möglichkeit gibt, „alle haben sich sehr gefreut und haben gleich Termine vereinbart. Der Kalender ist für die kommenden Tage gut gefüllt.“ Zwar könnte man sich auch durch die Glaswand hören, aber für die betagten Bewohner erleichtert ein Mikro die Verständigung, „ich höre ja besser als sonst“, befand eine Bewohnerin.

Cerstin Franke ist glücklich über die Lösung, die sich in ihrem Haus ohne den ganz großen Auswand umsetzen lassen hat. Und sie ist ihren Mitarbeiterinnen dankbar, dass sie den zusätzlichen Aufwand sehr gern in Kauf nehmen, macht es doch Bewohner und Angehörige glücklich.