Ausnahmetrainer: Der Name FCM ist untrennbar mit dem Namen Heinz Krügel verbunden. Der gebürtige Planitzer kam 1966 von Chemie Halle und schaffte nach dem Sturz in die zweitklassige DDR-Liga prompt den Wiederaufstieg. Zehn Jahre stand er an der Seitenlinie, feierte sein Husarenstück 1974 mit dem Europapokalsieg, als der FCM in Rotterdam das hoch favorisierte Team vom AC Mailand mit 2:0 schlug. Einige Monate zuvor hatte der Club bereits in der ersten Runde in Rotterdam gespielt (gegen Breda) und „Fuchs“ Krügel seinen Schützlingen eingeprägt: „Meine Herren, schauen Sie sich dieses Stadion genau an. Hier wollen wir zum Finale wieder her.“

2008 verstarb Krügel im Alter von 87 Jahren, doch vergessen ist er keineswegs. Erinnert wird an ihn auch durch ein von den Anhängern finanziertes Denkmal vor der MDCC-Arena.

Topspieler: Seine größten Erfolge feierte der Club mit drei DDR-Meisterschaften und sieben FDGB-Pokalerfolgen. Logisch, dass aus dieser Zeit auch die besten Spieler stammen – Namen wie Wolfgang „Paule“ Seguin, Manfred Zapf, Jürgen Pommerenke, Martin Hoffmann, Wolfgang „Maxe“ Steinbach, Jürgen Sparwasser oder Achim Streich sind noch heute jedem Anhänger geläufig. Wobei der 1975 von Hansa Rostock zum Club delegierte Streich nie Meister wurde, dafür immerhin DDR-Rekord-Nationalspieler (102 Einsätze). „Achim war unser erster Ausländer“, meinte Jürgen Sparwasser später einmal.

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Erfolgreichster Akteur des FCM ist indes Hoffmann, wurde der damalige Jungspund doch mit 19 Lenzen im Jahr 1974 EC-Sieger, im Sommer WM-Sechster und zwei Jahre später Olympiasieger. Und noch eine bemerkenswerte Zahl: Abwehr- und Mittelfeld-Kämpfer Seguin bestritt zwischen 1971 und 1979 219 Oberligapartien am Stück – ein Rekord für die Ewigkeit.

50 Jahre 1. FC Magdeburg

1965 gegründet, kann der FCM auf erfolgreiche 50 Jahre zurückblicken. Höhepunkt war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1974.

  • Am 8. Mai 1974 gewann die Mannschaft um Trainer Heinz Krügel den Europapokal der Pokalsieger gegen den AC Mailand.

    Am 8. Mai 1974 gewann die Mannschaft um Trainer Heinz Krügel den Europapokal der Pokalsieger gege...

  • Keine andere DDR-Mannschaft konnte sonst einen europäischen Pokal gewinnen.

    Keine andere DDR-Mannschaft konnte sonst einen europäischen Pokal gewinnen.

  • Großer Empfang für die Europa-Helden und Trainer Heinz Krügel in Magdeburg.

    Großer Empfang für die Europa-Helden und Trainer Heinz Krügel in Magdeburg.

  • Auch in den Jahren nach dem Europapokalsieger spielte der FCM international oben mit. Im November 1974 verlor man im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München nur knapp mit 1:2.

    Auch in den Jahren nach dem Europapokalsieger spielte der FCM international oben mit. Im November...

  • Für Meistertitel reichte es in den 1980er-Jahren nicht mehr. Trotzdem spielte der FCM weiter gut mit und gewann 1983 den FDGB-Pokal. Hier eine Szene mit Joachim Streich im Spiel gegen Wismut Aue. Foto: imago/Kruczynski

    Für Meistertitel reichte es in den 1980er-Jahren nicht mehr. Trotzdem spielte der FCM weiter gut ...

  • Die letzte DDR-Oberliga-Saison beendete der FCM 1991 als 10. und konnte sich damit nicht für die Fußball-Bundesliga qualifizieren. Foto: imago/Rust

    Die letzte DDR-Oberliga-Saison beendete der FCM 1991 als 10. und konnte sich damit nicht für die ...

  • Endlich wieder Grund zum Jubeln gab es im November 2000. Vor 26 000 Zuschauern gewann der viertklassige FCM im DFB-Pokal gegen Bayern München mit 4:2 im Elfmeterschießen. dpa/lah

    Endlich wieder Grund zum Jubeln gab es im November 2000. Vor 26 000 Zuschauern gewann der viertkl...

  • 2006 wurde das historische aber baufällig Ernst-Grube-Stadion durch einen Neubau ersetzt.

    2006 wurde das historische aber baufällig Ernst-Grube-Stadion durch einen Neubau ersetzt.

  • Sogar Fußball-Legende Franz Beckenbauer (rechts) kam zur Eröffnung.

    Sogar Fußball-Legende Franz Beckenbauer (rechts) kam zur Eröffnung.

  • Das Magdeburger Stadion aus der Luft

    Das Magdeburger Stadion aus der Luft

  • 2007 kämpfte der FCM bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga und die Fans versammelten sich auf dem Alten Markt. Foto: Viktoria Kühne

    2007 kämpfte der FCM bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga und die Fa...

  • Doch das entscheidende Spiel gegen den FC St. Pauli ging verloren und der FCM verpasste den Sprung in den Profifußball.

    Doch das entscheidende Spiel gegen den FC St. Pauli ging verloren und der FCM verpasste den Sprun...

  • Zum vorerst letzten Male wurde es im Oktober 2014 richtig hitzig. Nach einem harten Kampf verlor der FCM in der zweiten Runde des DFB-Pokal 2. Runde gegen Bundesligist Bayer Leverkusen mit 6:7 nach Elfmeterschießen.

    Zum vorerst letzten Male wurde es im Oktober 2014 richtig hitzig. Nach einem harten Kampf verlor ...

Wendezeit: Als nach Grenzöffnung eine komplette Mannschaft dem Lockruf des Geldes folgte, ging‘s stetig bergab. In die Zeit fiel auch die bis heute höchste Niederlage, das 0:9 Anfang November 1993 bei Union Berlin, welches Kapitän Frank Siersleben damals so kommentierte: „Lieber einmal 9:0 verlieren als neunmal 1:0.“

Ein dunkles Kapitel stellte kurz nach der Wende 1991 auch die Verpflichtung von Anatoli Demjanenko (32) dar, die spektakulärste Verpflichtung aller Zeiten. Der Mittelfeldstratege wurde zwischen 1979 und 1990 fünfmal sowjetischer Meister mit Dynamo Kiew, hinterließ beim FCM nach lediglich drei Einsätzen aber nur eine exorbitant hohe Telefonrechnung.

Sprüche: Für Furore sorgte vor allem „Maxe“ Steinbach, der immer auf einen Trainerjob gehofft und sich mit Sätzen wie „nach Magdeburg würde ich zur Not auch mit dem Fahrrad zurückkommen“ ins Gespräch gebracht hatte. Legendär auch seine Aussage über Gegner aus alten Oberligazeiten: „Die haben wir früher in Badelatschen weggehauen“.

Krügel lästerte, wenn die Elbestädter während ihrer langen Durststrecke mal wieder in der Provinz antreten mussten, gerne: „Die haben ja nicht einmal einen Bahnhof.“

Auch Andreas Petersen, FCM-Trainer von 2012 und 2014, hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager, schoss aber zuweilen übers Ziel hinaus. Wie 2013 nach dem 3:3 in Plauen über Schiedsrichterin Sandra Blumenthal: „Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen.“