Magdeburg l Der Boxabend von SES im Maritim-Hotel hätte einen vollen Saal verdient gehabt. Aber aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen waren am Sonnabend keine Zuschauer erlaubt. Was die Kämpfe aber nicht weniger attraktiv machte.

Dass der Hauptkampf um die Deutsche Meisterschaft im Cruisergewicht schon in der vierten Runde vorzeitig beendet sein wird, war drei Runden lang nicht abzusehen. SES-Kämpfer Roman Fress wirkte im Duell mit Erdogan Kadrija aus Hamburg da überraschend lethargisch. „Ich bin schwer in den Kampf reingekommen, hatte auch damit gerechnet, dass mein Gegner mehr Druck macht“, erklärte Fress. In der Pause nach der dritten Runde  tanzte sein Trainer Robert Stieglitz aber vor ihm herum, als würde der am liebsten selbst den Kampf übernehmen. Stieglitz: „Ich war ein bisschen sauer, dass er die ersten Runde nicht wie besprochen losgelegt hat. Aber dafür hat er es dann umso besser gemacht.“ Umso besser war ein krachender Aufwärtshaken, der Kadrija hart am Kinn traf und auf den Ringboden beförderte. Fress: „Das habe ich im Training oft geübt. Deshalb kam der Schlag fast automatisch."

Dzemski verteidigt WM-Titel

Davor verteidigte Tom Dzemski seinen Junioren-WM-Titel der IBF. Der SES-Halbschwergewichtler gewann einstimmig gegen Jihad Nasif aus Berlin. Mit 78:74, 78:74 und 78:74 hatten die Punktrichter sechs der acht Runden für Dzemski gewertet. Der übernahm vom ersten Gong an das Kommando, setzte immer wieder Treffer und variierte dabei clever zwischen Kopf und Körper. „Gut“, „Sauber“, „Ruhig“, „Nachsetzen“ – von seinem Trainer und Papa Dirk kam aus der Ecke auch ordentlich viel Lob. Kontrolliert brachte der 23-Jährige den Kampf dann auch über die Runden. Und dass obwohl er gehandicapt war. „Beim letzten Sparring habe ich mir die Nase angebrochen. Aber groß behindert hat mich das zum Glück nicht“, verrät Dzemski, der mit seiner Leistung zufrieden war. Dzemski: „Das war die erwartet schwere erste Titelverteidigung. Aber es hat Spaß gemacht und ich habe auch alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Dass ich zwei Runden verloren haben soll, wundert mich zwar. Aber das ist letztlich auch egal.“

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Für Jurgen Uldedaj war es eher ein lockerer Abend. Der Cruisergewichtler konnte sich schon vor der 4. Runde die Handschuhe ausziehen lassen, weil sein Gegner Bojan Cestic aus Bosnien-Herzegowina aufgab. „Er hat von mir zwei, drei harte Treffer kassiert. Trotzdem hätte ich natürlich gerne länger geboxt, bin aber froh, überhaupt wieder einen Kampf gehabt zu haben“, sagte Uldedaj, der im Frühjahr eigentlich einen großen Kampf in Australien bestreiten sollte, der dann aber durch Corona ausfiel. So war Uldedaj letztmals im August auf der Seebühne aktiv. „Dass dieses Mal überhaupt keine Zuschauer im Saal waren, ist schon ein komisches Gefühl gewesen. Da fehlt einfach irgendetwas“, sagte Uldedaj.

Klarer Punktsieg für Meinke

Nina Meinke war nach fünf Monaten auch wieder im Ring. Als ihre Gegnerin Angela Cannizzaro bereits nach der ersten Runde ordentlich nach Luft schnappte, schien nur infrage gestellt zu sein, wann die Berlinerin den Kampf im Federgewicht vorzeitig beendet. Doch Cannizzaro erwies sich als zäh und kam über die Runden. Meinke: „Natürlich hätte ich gerne vorzeitig gewonnen. Aber das lässt sich von außen auch immer so leicht sagen. Im Ring selbst sieht das anders aus. Und keiner sollte vergessen, dass wir auch nur im Federgewicht sind.“ Am klaren Punktsieg (80:71, 80:71 und 80:70) gab es aber keinen Zweifel.

In den ersten beiden Kämpfen des Abends ging es schneller. Schwergewichtler Tomas Salek (Tschechien) hatte seinen Gegner Mario Lakatos (Slowakei) mehrmals am Boden und siegte in der 3. Runde vorzeitig. Und Mittelgewichtler Artur Henrik machte gegen den Ungarn Krisztian Santa schon nach zwei Runden Feierabend.