Silverstone (dpa) - Es ging schnell, und noch schneller und besser als das WM-Auto der vergangenen Saison soll der neue Silberpfeil sein. Ein kurzer Einspieler mit bewegten Bildern der ruhmreichen Vergangenheit, dann rollte der W09 begleitet von einer Lichtershow auf die Bühne.

"Das ist ein sehr spezieller Moment", betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Eine Viertelstunde dauerte die offizielle Präsentation, gravierende Veränderungen waren mit Ausnahmen des vorgeschriebenen Cockpitschutzes Halo (Wolff: "Wenn man mir eine Kettensäge geben würde, würde ich ihn entfernen") und der verbotenen Heckfinne zunächst nicht zu erkennen. Der Formel-1-Wagen in silbergrau ist eine Weiterentwicklung des Weltmeister-Autos von 2017, das Wolff wegen diverser Zickereien auch Diva genannt hatte.

"Wir hoffen, dass wir die guten Charakterzüge der Diva behalten haben", sagte Wolff. "Das ist das Schwester-Auto", betonte Titelverteidiger Lewis Hamilton bei der Präsentation des Nachfolge-Modells. Die erfolgreiche DNA habe man behalten, sagte der 32 Jahre alte Brite und meinte: "Es ist besser als das Auto im vergangenen Jahr in jedem Aspekt."

Was das für die Konkurrenz bedeuten könnte, mag man sich zunächst noch nicht vorstellen. Im vergangenen Jahr hatte Mercedes zwölf der 20 Saisonrennen gewonnen, zum vierten Mal nacheinander die Konstrukteurswertung und auch zum vierten Mal nacheinander die Fahrerwertung. Ob Ferrari mit Sebastian Vettel die silberne Ära beenden kann, wird sich zeigen, sein neuer Wagen sollte auch am Donnerstag noch vorgestellt werden.

Hamilton sollte sein neues Auto am Donnerstag für Filmaufnahmen steuern. Er sehe ihn jetzt auch zum ersten Mal im Ganzen, betonte er. Die Jungfernfahrt blieb seinem Teamkollegen vorgehalten. Am Vormittag hatte Valtteri Bottas einige Kilometer auf dem Kurs in Silverstone abgespult.

Der 28 Jahre alte Finne hatte im vergangenen Jahr als Nachfolger des zurückgetretenen 2016er Weltmeisters Nico Rosberg den dritten WM-Platz hinter Hamilton und Vettel belegt. Er dürfte in diesem Jahr alles daran setzten, nicht nur Vettel, sondern auch seinen Stallrivalen zu attackieren, der mit einem weiteren Titel ebenso wie Vettel zur argentinischen Formel-1-Legende Juan Manuel Fangio aufschließen würde. Er ist mit fünf Titeln hinter Rekordchampion Michael Schumacher (7) der zweiterfolgreichste Pilot in der Historie der Motorsport-Königsklasse.

Und Hamiltons Chancen sind nicht die schlechtesten. Seit der Rückkehr zu den Turbo-Triebwerken der Saison 2014 gewann Mercedes 63 von 79 Rennen. Ferrari holte in der Zeit gerade einmal acht Siege. Hamilton ist mittlerweile Pole-Rekordmann (72) und mit 62 Rennsiegen zweiter hinter Schumacher (91). In der 21 Rennen umfassenden diesjährigen Saison kann und will der Brite seine Bilanz in seinem neuen Silberpfeil weiter aufpolieren.