Berlin (dpa) - Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland bringen den organisierten Sport in größte Bedrängnis. Am heutigen Mittwoch konferiert Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder - weitere coronabedingte Einschränkungen werden sehr wahrscheinlich die Folge sein.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, wünscht sich deshalb Entscheidungen mit "Fingerspitzengefühl". In der "nun bevorstehenden schwierigen Phase kann und wird der Sport weiterhin Teil der Lösung und nicht des Problems sein", sagte er.

Andernfalls bestehe "für die so wertvolle Vielfalt von Sportdeutschland die Gefahr, dass über Jahrzehnte aufgebaute Strukturen für die Zukunft erheblichen Schaden nehmen oder komplett verloren gehen". Ein erneuter Stillstand der Ligen wie im Frühjahr - im Profi- und im Amateursport - würde etliche Vereine wegen dann wieder gänzlich fehlender Einnahmen vor unlösbare Probleme stellen. Auch in den Fußball-Bundesligen wächst die Sorge, durch einen möglichen Ausschluss von Zuschauern viele Fans ganz zu verlieren.

"Von den 90.000 Vereinen als einzigartigem 'sozialen Tankstellennetz' in Deutschland bis zum Spitzensport haben alle Verantwortlichen bis heute höchst diszipliniert und vorbildlich bei der Bewältigung der Pandemie gewirkt", sagte Hörmann. Keine der bekannten Infektionsketten sei bislang durch eine Sportveranstaltung ausgelöst.

Das sieht auch Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, so. Bei aller berechtigten Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung könne man festhalten, dass Sportveranstaltungen "unauffällig in Bezug auf Infektionszahlen" gewesen seien, sagte die SPD-Politikerin. "Aber ich sehe auch die Schwierigkeit, Sonderregelungen für den Sport zu rechtfertigen, wenn andere Bereiche möglicherweise wieder mit starken Einschränkungen konfrontiert werden."

Diese Diskussion hatte sich im vergangenen März und April ergeben, als die Fußball-Bundesligen mit aller Macht, aber auch mit großer Sorgfalt und Weitsicht um die Wiederaufnahme des Spielbetriebes gekämpft hatten. Die Sorgen vor den damaligen Geisterspielen waren unberechtigt.

Sollte die Politik die derzeit zulässige Zuschauerkapazität von maximal 20 Prozent verringern oder gar ein vorläufiges Verbot von Sportevents aussprechen, befürchten vor allem die Teamsport-Ligen erhebliche Auswirkungen. "Die Lage ist angespannt. Wenn wir weiter zurückgeworfen werden, sind wir ratlos. Es geht um sehr viel für uns", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga.

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