Madrid (dpa) - Vor einem Jahr war er selbst in seiner Heimat Portugal ein Nobody, heute sorgt João Félix in der Fußball-Welt für Furore: Der 19 Jahre alte Stürmer wurde nach nur 26 Erstliga-Einsätzen im Trikot von Benfica Lissabon von Atletico Madrid für geschätzte 127 Millionen Euro verpflichtet.

Halb Madrid war wegen des schmächtigen "Wunderkindes" mit dem treffenden Spitznamen "Furacão (Hurrikan) Félix" aus dem Häuschen. "Zahnspangen-Zauberer" und "Teen-Sensation" wird er auch genannt.

Die Sportzeitung "Marca" bezeichnete den Stürmer mit Zahnspange und Lausbubengesicht als eine "Perle". "Ein Künstler kommt", hieß es auf Seite eins. Das Konkurrenzblatt "AS" schrieb, der junge Mann könne die "eine ganze Epoche bei Atlético prägen". "Das wird der neue (Cristiano) Ronaldo", meinten TV-Kommentatoren und auch Atlético-Fans in einem Café der spanischen Hauptstadt unisono. Teuerer als Ronaldo ist er nun bereits: Der Europameister war 2018 für 117 Millionen Euro von Real Madrid zu Juventus Turin transferiert worden.

João Félix startete auch schneller durch als sein berühmter Landsmann: In 43 Pflichtspielen erzielte er für Benfica 20 Tore. Ronaldo kam bei Sporting Lissabon vor seinem Wechsel zu Manchester United im Sommer 2003 auf fünf Treffer in 31 Begegnungen. Dass sich der Profi, dessen zweiter Nachname der "Glückliche" bedeutet, als Flop erweisen könnte, fürchten in Madrid die Wenigsten.

Dabei tritt der junge Mann, den deutschen Fans vor allem wegen des Dreierpacks beim 4:2-Sieg im Europa-League-Spiel gegen Eintracht Frankfurt kennen, ein schweres Erbe an. Er wird das Trikot mit der Rückennummer "7" tragen, die der scheidende Weltmeister Antoine Griezmann hinterlässt. Er ist zudem der bisher teuerste Transfer des Sommers und auch der teuerste in der Geschichte Atléticos.

Der frühere Atlético-Portugiese Paulo Futre ist überzeugt, dass sein Landsmann mit dem Druck zurechtkommen wird. "Er hat bei Benfica in einer heiklen Situation vor 60 000 Zuschauern gespielt und kein Muffensausen bekommen. Er hat alleine Spiele entschieden. Wieso sollte das jetzt anders sein?". Sein Sohn sei "sehr ruhig und gelassen", versicherte Vater Carlos. Atlético, das dem neuen Star im Team von Trainer Diego Simeone einen Siebenjahres-Vertrag gab, schrieb, João Félix habe eine "große Zukunft" vor sich.

Nach Medienberichten war der Portugiese auch von Topclubs wie Manchester City und Juventus umworben worden. Und pikanterweise auch von Atléticos Stadtrivale Real. Die guten Beziehungen von Atlético-Sportdirektor Andrea Berta zum Spielermanager Jorge Mendes hätten aber den Ausschlag gegeben, berichten spanische Medien.

Neben João Félix sicherten sich die "Colchoneros" zuletzt auch die Dienste des Mexikaners Héctor Herrera und des Brasilianers Felipe Monteiro, die beide vom FC Porto nach Madrid wechseln. Nach dem Weggang von Leistungsträgern wie Griezmann (der vermutlich zum Meister FC Barcelona wechseln wird), Lucas Hernández (FC Bayern), Rodrigo (vermutlich zu Manchester City) und Diego Godín (Inter Mailand) baut Simeone sein Team um. Das Ziel: Nach dem Liga-Titel 2014 wieder in die Phalanx von Real und Barça einzubrechen.

Mitteilung von Atlético

Aussagen von Futre

Titelseite von Marca