Magdeburg l Um zu verstehen, was es mit dieser Karte konkret auf sich hat, ist ein Blick zurück ins Jahr 2001 nötig. Der FCM war Anfang Juni gerade in die Regionalliga (damals dritthöchste Spielklasse) aufgestiegen (0:0, 5:2 gegen den BFC Dynamo, der seinerzeit FC Berlin hieß und in dessen Reihen noch der heutige Geschäftsführer Mario Kallnik kickte), die Euphorie groß. Dann der Schock: Geldgeber Kinowelt, der damals bis zu zwölf (!) Vereine in Deutschland unterstützte, hatte sich übernommen und drehte kurzerhand den Hahn zu. Das Präsidium um Vereinsboss und heutigen Oberbürgermeister Lutz Trümper, den „Vizes“ Andreas Müller, Matthias Schering und Wolfgang Abraham sowie Schatzmeister Jörg Buchwitz wollte aber die Lizenz retten und „erfand“ die Future Card. Der Slogan lautete: „3 Superspiele ... Sie sind dabei“.

„Die Karte beinhaltete den Besuch von drei Heimspielen – das erste in der 3. Liga, das erste im neuen Stadion und das erste in der 2. Bundesliga, und kostete 250 Mark“, blickte Müller zurück, der sich nur ungerne an das ganze Drama erinnert: „Damit, dass uns die Kinowelt hängen lässt, hatte ja niemand gerechnet. Und uns saß die Zeit im Nacken, es blieb nur eine knappe Woche.“

Kraftakt für die Lizenz

Doch mit einem Kraftakt gelang es, die Lizenz zu erhalten. Laut Buchwitz kamen über Spenden, private Kredite und das Geld für die Future Card rund eine Million Mark zusammen. Ferner hinterlegten zwei Banken eine Bürgschaft in Höhe von rund fünf Millionen Mark.

Nochmals Müller: „All unsere Spender bekamen damals als virtuelles Dankeschön eine Future Card geschenkt. Ferner bestand eben die Möglichkeit, sie käuflich zu erwerben.“ Wie viele Future Cards genau an den Mann gebracht wurden, lässt sich heute nicht mehr verbindlich feststellen. Müller dazu: „Wir haben uns damals pro Präsidiumsmitglied verpflichtet, für jeweils 10.000 Mark Karten zu kaufen. Ich weiß aber nicht mehr, was daraus geworden ist, denn ich habe z. B. meinen Satz komplett verschenkt.“ Und: „Es soll auch FCM-Fans geben, die haben die Karte nicht abknipsen lassen, sondern sie unversehrt in ihre Vitrine gelegt.“ FCM-Pressesprecher Norman Seidler erklärte dazu: „Rund 2500 dieser Karten befinden sich noch im Umlauf. Fürs erste Zweitliga-Heimspiel werden wir diese Zahl entsprechend berücksichtigen.“

Versprechen eingelöst

Müller, der schon viele Hochs und Tiefs beim Club miterlebt hat und seit November 2011, als der Club noch ganz unten war, den mittlerweile florierenden FCM-Fanshop betreibt, zog ein positives Fazit in Bezug auf die Future Card: „Man kann heute sagen, dass wir unser Versprechen eingelöst haben. Auch wenn es lange gedauert hat, nämlich 17 Jahre.“

Doch die Freude währte bekanntlich nur eine Saison. Der FCM schaffte zwar mit einem energischen Endspurt den Klassenerhalt, gewann das letzte Heimpiel 7:1 gegen Fortuna Köln und zum Abschluss 6:1 in Paderborn, doch die Schulden – am Ende mehr als acht Millionen Mark – häuften sich und führten letztlich zur Insolvenz und zum dunkelsten Kapitel in der Club-Geschichte. Doch der FCM überstand auch diese Megakrise, rappelte sich wieder hoch, geht seit 2012, als Mario Kallnik das Ruder übernahm, kontinuierlich seinen Weg. Und nun dürfen sich rund 2500 Future-Card-Besitzer auf das erste Zweitliga-Heimspiel freuen.

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