Magdeburg l Stefan Krämer hatte sich vor dem DFB-Pokalspiel am Sonnabend gegen den SC Freiburg etwas Besonderes ausgedacht – für seine Mannschaft und für sich selbst. Zunächst pflegte er vor der Partie einen persönlichen Aberglauben.

Der Trainer des 1. FC Magdeburg ging zur Statue von Heinz Krügel, die auf dem Platz vor der MDCC-Arena steht –und „klatschte“ mit der FCM-Trainerlegende ab. „Das habe ich bereits vor der Abfahrt nach Meppen gemacht. Da es uns Glück gebracht hat und ich ein bisschen abergläubisch bin, bin ich wieder zur Statue gegangen“, erklärte Krämer.

Für seine Mannschaft hatte er unterdessen ein Video vorbereitet, das direkt vor der Partie gezeigt wurde: Der 52-Jährige spielte zur Motivation Szenen aus dem American Football ab. „Dort ist das Ziel, in die Endzone zu kommen. Und ich finde, dass wir es gegen Freiburg auch in die Endzone geschafft haben – mit allem, was wir uns vorgenommen haben“, betonte er.

Trotz der 0:1-Niederlage gegen den Erstligisten Freiburg zeigte der FCM nämlich eine richtig gute Leistung, von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen. Im Gegenteil: Der Club brachte viel von dem auf den Platz, was sich Trainer Krämer wünscht. Das Team störte den Gegner früh, verteidigte hoch und mutig, hatte aber auch längere Ballbesitzphasen und schaltete schnell in die Offensive um. „Ich kann meinen Jungs über 120 Minuten überhaupt keinen Vorwurf machen“, sagte der Coach.

Einzig die Chancenverwertung brachte den FCM um einen Erfolg, sprich den Einzug in die nächste Runde: Allein Christian Beck (5./38./39./53.) hatte gleich vier gute Chancen, traf dabei einmal den Pfosten. Aber auch Mario Kvesic (25./90.+1) und der starke Dominik Ernst (44./75.) hätten den Gastgeber in der regulären Spielzeit in Führung schießen können.

Mehr Ballbesitz für die Breisgauer

Freiburg hatte zwar mehr Ballbesitz (56 Prozent) und auch vereinzelte Gelegenheiten durch Nicolas Höfler (25.) und Luca Waldschmidt (57.) – über weite Strecken hatte der FCM den Gegner aber im Griff. „Wir haben ein tolles Spiel gemacht“, sagte deshalb auch Dominik Ernst. Aber: „Wir müssen uns jetzt einfach mal für den Aufwand belohnen, den wir betreiben.“

Denn in der Verlängerung zeigte Freiburg eben dann doch, über welche Klasse das Team verfügt. Luca Waldschmidt hatte in der Mitte etwas zu viel Platz – und der zuletzt gefeierte U-21-Nationalspieler ließ sich die Chance nicht nehmen, erzielte per Weitschuss den entscheidenden Führungstreffer (93.). „Diese Szene zeigt, wie viel Qualität ein Erstligist hat. Wir haben einmal das Zentrum offen gelassen“, ärgerte sich Krämer. Und: „Mir tut es leid für die Jungs, für die Zuschauer, die uns wieder eine unglaubliche Energie gegeben haben. Es hat Spaß gemacht, an der Linie zu arbeiten.“

Der Trainer sprach damit genau das an, was als Gefühl auch nach dem Spiel vorherrschte – selbst beim Gegner. „Es war ein vollkommen ausgeglichenes Spiel. Wir haben am Ende eben das Tor geschossen. Magdeburg war sehr gut organisiert, sie haben sehr mutig nach vorne gespielt, sind körperlich top fit. Der FCM hat uns alles abverlangt“, betonte Freiburgs Trainer Christian Streich, der von der lauten Atmosphäre geradezu umgehauen wurde. „Wenn ich gewusst hätte, dass es so laut ist, dann hätte ich Ohrenstöpsel mitgenommen.“

Trotz der Niederlage kann der FCM die Gewissheit mit in den Drittliga-Alltag nehmen, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt. „Darauf müssen wir jetzt aufbauen“, betonte Kvesic. Das sah auch Krämer so: „Anfangs haben wir kleine Schritte gemacht, jetzt werden die Schritte deutlich größer. Ich war mir sicher, dass wir körperlich mithalten können. Was mich wirklich gefreut hat, ist aber, dass wir auch spielerisch mitgehalten haben.“

Bleibt nur die Frage, ob der Trainer nach der Niederlage trotzdem auch in Zukunft noch zur Statue von Heinz Krügel gehen wird, um „abzuklatschen“. Krämer: „Da habe ich keine Bedenken, er bleibt mein Freund.“

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