Magdeburg l Montagabend, Business-Lounge im Stadion. 200 FCM-Fans sitzen dicht gedrängt im Sponsorenraum. Die Luft ist blau-weiß geschwängert. Die Stimmung aufgeheizt. Die Argumente fliegen hin und her. Mal brandet Beifall auf wie nach einer gelungenen Kombination. Manchmal ist es totenstill, als hätte es ein Gegentor gegeben. Es ist Fanabend beim 1. FC Magdeburg. Der erste in der neuen Saison.

Doch trotz der Vorfreude auf den Liga-Start - Feierstimmung kommt an diesem Abend nicht auf. Woran es liegt, ist schnell erklärt. Es ist ein Abend klarer Worte und klarer Kante. Eingefordert von den Fans. Angenommen von der Vereinsführung. Vorn steht Sportdirektor Mario Kallnik und müht sich zwei Stunden lang, Missverständisse zwischen Fans und Vereinsführung auszuräumen und eigene Fehler zuzugeben. Vor ihm sitzen die treuesten der treuen Fans. Mitglieder des Fanrates, Mitglieder des Stimmungsmacher-Blocks U, Tribünen-Fans. Auf den Tisch kommt alles, was diese Fans derzeit ärgert. Die Volksstimme hat Auszüge aus Fan-Fragen und Antworten von Sportchef Mario Kallnik zusammengestellt.

Mario Kallnik über ...

... Personenkult: In diesem Klub gibt es keinen Präsidenten Fechner, keinen Trainer Härtel und keinen Manager Kallnik oder irgendeine andere Person, die über allem steht und sich selbst feiert. Alles, was wir tun, dient ausschließlich dazu, den 1. FC Magdeburg voranzubringen.

.... Ruhm: Wenn wir den 1.FC Magdeburg als ruhmreich bezeichnen, dann muss man auch klar erkennen, dass man sich dafür nichts kaufen kann. Der Europapokalsieg war schön und wichtig, aber er ist sehr lange her. Wer nur darauf setzt, der lebt in der Vergangenheit, die uns nicht weiter bringt. Es geht deshalb nicht um ruhmreich, sondern um erfolgreiche Arbeit. Erst wenn wir wieder erfolgreich sind, werden wir auch wieder ruhmreich sein.

... Gewalt: Die hat hier nichts zu suchen. Ein oder zweimal solche Gewaltbilder bei Spielen des 1. FC Magdeburg im Fernsehen - und schon haben wir unser mühsam aufgebautes positives Image kaputt gemacht. So was würde uns zehn Jahre zurückwerfen. Darauf habe ich keine Lust. Darauf hat der Vorstand keine Lust. Und darauf haben auch die Fans keine Lust.

... freiwilliges Abgeben von Punkten bei Gewalt eigener Fans: Sollte es trotz aller Warnungen zu Gewalt von unseren Fans kommen, schließen wir nicht aus, die Punkte freiwillig abzugeben. Sollte Gewalt von eigenen Fans im eigenen Stadion ausgehen, werden wir die Vorfälle danach in Ruhe auswerten und uns vorbehalten, den zu DFB bitten, uns die Punkte abzuerkennen. Gewalt und FCM passen und gehören nicht zueinander.

... Fans:
Wir wollen uns alle gemeinsam von anderen Klubs abheben, wollen anders sein. Das heißt für mich friedlicher, hochemotionaler, ehrlicher Fußball mit der Bereitschaft, den nächsten Schritt zu machen.

... Pyrotechnik: Wir haben immer gesagt, dass wir uns als Verein dafür einsetzen werden, dass Pyrotechnik legal abgebrannt werden darf. Was wir nicht dulden, ist Gewalt.

... Magdeburg: Ich bin stolz auf Magdeburg, obwohl ich hier nicht geboren wurde und erst seit 15 Jahren hier bin. Deswegen appelliere ich auch an alle Fans: Es geht um unseren Verein, aber es geht auch um unsere Stadt und unsere Region, die wir hier über den Fußball repräsentieren.

... Geld und einen Vergleich mit Dynamo Dresden: Natürlich hat Dresden nicht das beste Image, aber trotzdem gute Spieler. Aber für Geld kommt jeder Spieler zu jedem Verein. Und wenn wir mehr Geld hätten, würden solche teureren Spieler auch zu uns kommen, egal in welcher Liga wir sind. Spieler spielen auch vor 500 vermummten Fans, wenn das Geld stimmt. Die Frage ist für uns aber: Wollen wir so ein Verein sein? Oder wollen wir uns nicht abheben von anderen durch ehrliche, geradlinige, vertrauensvolle Arbeit?

... zur die Frage, wo Stimmung aufhört und Randale beginnt: Übergriffe auf andere Fans sind für uns ganz klar Gewalt. Wir werden das nicht dulden und haben unsere Sicherheitsbedingungen in unserem Stadion noch weiter verbessert, auch mit dem Einsatz von szenekundigen Mitarbeitern. Wenn es hier rappeln sollte, werden wir sehr genau wissen, woher es kommt.

... die Jubiläumstrikot-Aktion zum 50. Vereinsgeburtstag:
Bei der Aktion haben wir einen Fehler gemacht. Wir hätten mit den Fans besser darüber reden müssen. Für die Zukunft haben wir daraus gelernt. (Anmerkung der Redaktion: In die Jubiläumstrikots werden gegen einen wenig fanfreundlichen Preis von 199 Euro Fan-Namen eingearbeitet. Allerdings darf das Trikot von der 1. Mannschaft in Liga-Spielen laut DFB nur einmal getragen werden.)

... das geplante umstrittene Weihnachtssingen am 22. Dezember im Stadion: Die Kommunikation hätte hier besser laufen können. Noch mal zur Klarstellung: Es geht um ein Weihnachtssingen Magdeburg, nicht um ein Weihnachtsingen des 1. FC Magdeburg, und zwar mit Hilfe und der Idee eines Magdeburger Großsponsors. Wenn sich die Fans dazu mit einbringen, wäre das wunderbar. Ich lade alle dazu ein, die Aktion zu unterstützen und Ideen vorzuschlagen. (Anm. d. Redaktion. Teile der Fans, insbesondere der Block U, lehnen das Weihnachtssingen nach wie vor als Kopie anderer Vereine ab.)