Volksstimme: In der Bundesliga wird inzwischen wieder trainiert. Wie sieht das denn speziell in Düsseldorf aus?

Uwe Rösler: "Da wir nur in Zweiergruppen trainieren dürfen und alle zu unterschiedlichen Zeiten kommen, dauert so eine Einheit rund vier Stunden. Außerdem brauchen wir 14 Kabinen. Das ist allein organisatorisch natürlich schon ein ganz anderer Aufwand."

Wie fit haben sich Ihre Spieler nach dem Homeoffice präsentiert?

Uwe Rösler: "Die Jungs waren in den drei Wochen fleißig und haben sich in einem guten Zustand präsentiert. Das sieht man durch die Zweiergruppen natürlich ganz genau. Ich denke, wir sind im Soll. Ein bisschen ärgere ich mich aber darüber, dass nicht überall die gleichen Trainingsumfänge erlaubt sind. Andere Clubs können wesentlich mehr machen. Da würde ich mir mehr Solidarität wünschen, damit alle die gleichen Voraussetzungen haben, wenn es wieder los geht."

Wie realistisch ist es, dass der Ball in der Bundesliga wirklich noch einmal rollt?

Uwe Rösler: "So wie es derzeit aussieht, denke ich schon, dass wir im Mai wieder spielen werden. Da hängen auch im Profi-Fußball zu viele Existenzen dran. Eines ist dabei aber auch klar: Vor Zuschauern werden die Spiele in der noch laufenden Saison nicht mehr stattfinden."

Im Abstiegskampf ist aber die Unterstützung der Fans besonders wichtig.

Uwe Rösler: "Auf jeden Fall. Doch Selbstmitleid wäre in der derzeitigen Situation völlig falsch. Wir können uns jetzt lange genug auf diese Verhältnisse vorbereiten und werden uns dann auch nicht hinstellen und sagen, dass es mit Zuschauern anders gelaufen wäre."

In Belgien wurde die Liga abgebrochen und auf Absteiger verzichtet. Wäre es da nicht aus Düsseldorfer Sicht ganz gut, wenn die Bundesliga nicht mehr spielt?

Uwe Rösler: "Ein klares Nein. Ich bin generell für sportliche Lösungen. Und wir haben im Kampf um den Klassenerhalt ja immer noch alles in der eigenen Hand. Und nur darauf fokussieren wir uns. Alles andere würde nur ablenken."

Glauben Sie auch daran, dass über den 30. Juni hinaus gespielt werden kann, weil dann ja auch Verträge enden?

Uwe Rösler: "Ich bin mir sicher, dass es da weltweit eine Regelung geben wird. Zum Wohle des Fußballs wird. Es muss möglich sein, dass Transferfenster zu verschieben. Und ich denke, dass sich auch die Spieler bereit erklären, trotz Vertragsende zwei Wochen oder einen Monat länger für ihren Verein zu spielen."

Fortuna hat beim 3:3 gegen Hertha eine 3:0-Führung verspielt. Dann kam das Pokalaus in Saarbrücken. Tut da die Pause auch ganz gut, um diese Enttäuschungen aus dem Kopf zu bekommen?

Uwe Rösler: "Das mag auf den ersten Blick so scheinen. Aber der Corona-Break kam für uns eigentlich eher zum ungünstigen Zeitpunkt. Wir waren gut drauf und haben beim 1:1 in Mainz klar gezeigt, dass die beiden Spiele zuvor nicht mehr in unseren Köpfen steckten."

Können Sie eigentlich verstehen, dass sich unterhalb der Bundesliga die anderen Spielklassen alle noch gedulden müssen?

Uwe Rösler: "Weil die 3. Liga eine Profiliga ist, hätte man die eigentlich mit einbeziehen müssen. Aber vielleicht wurde auch erst einmal so entschieden. In erster Linie geht es ja um die Gesundheit der Menschen. Deshalb hat die von der DFL gebildete Medical Task Force eine Riesenverantwortung. Denn wir sind bei dieser Erkrankung alle unbedarft. Da gibt es keine Fakten und Daten aus der Vergangenheit, auf die man bauen kann. So weiß keiner, was für mögliche Spiele am besten ist. Vielleicht müssen wir ja auch alle kaserniert werden."

Sie selbst haben durch eine Krebserkrankung schon einmal am eigenen Leibe erfahren müssen, dass Fußball plötzlich total unwichtig sein kann. Wie gehen Sie da persönlich mit der aktuellen Situation um?

Uwe Rösler: "Ich habe auch den Spielern gesagt, dass es ganz wichtig ist, die aufgestellten Regeln einzuhalten und man sich ablenken muss. Nur so vergisst man seine Ängste. Ich habe Kontakt auch so gut es ging vermieden, war nur ganz früh am Morgen joggen oder mit dem Hund spazieren. Den restlichen Tag habe ich im Homeoffice verbracht."

Wie stark sind eigentlich noch die Gefühle für den FCM?

Uwe Rösler: "Ich habe in den ganzen Jahren immer aufmerksam verfolgt, was beim Club lost ist. Deshalb fühle ich auch jetzt stark mit, dass da keiner so richtig weiß, wie es überhaupt weitergeht. Dass auf Kurzarbeit umgestellt wurde, ist auch nicht gerade schön und eine gefährliche Situation."

Und der FCM steht ja sportlich auch noch mit dem Rücken zur Wand ...

Uwe Rösler: "Aber auch noch über dem Strich. Trotzdem kann bei einer möglichen Fortsetzung der Saison nur der Klassenerhalt als Ziel gelten. Mit dem Enthusiasmus, der rund um den FCM herrscht, ist das auch auf jeden Fall zu schaffen."