Magdeburg l Kallnik hat in seinen knapp 15 Jahren FCM schon viel erlebt. Sein erstes Regionalliga-Spiel (3. Liga) absolvierte er als damals 26-jähriger Neuzugang vom BFC Dynamo am 29. Juli 2001 bei Werder Bremen II (0:0). Im Jahr da- rauf musste der Club Insolvenz anmelden. Kallnik war einer von nur zwei Spielern, die blieben und trug von August 2002 an die Kapitänsbinde. Am 31. Mai 2008 erfolgte das Karriereende nach einem 2:1 in Wuppertal, was als Tabellenelfter aber nicht zur Qualifikation für die neu geschaffene 3. Liga reichte. Diesen Sprung schaffte der Club erst 2015 – mit dem für Sport und Finanzen verantwortlichen Präsidiumsmitglied Kallnik, der 2012, als der Verein (wieder einmal) am Boden lag, einstieg und ihn mit neuer Bescheidenheit, aber auch dem nötigen Selbstvertrauen kontinuierlich nach oben führte.

Nun folgt der nächste Schritt  – vom Regionalleiter einer großen Krankenkasse und gleichzeitigem Ehrenamt beim Club zum Geschäftsführer der SSG. Eine Etappe, die nach dem Aufstieg unverzichtbar geworden war. Sein Schreibtisch steht nun in der Friedrich-Ebert-Straße, der neuen „Heimat“ des FCM direkt neben der MDCC-Arena.

„Ich habe vorher zweigleisig gearbeitet und jetzt natürlich mehr Kraft und Zeit, um den Verein auf eine gesunde Basis zu stellen“, blickt der gebürtige Spremberger voraus, der 2012 mit einem „Drei- bis Fünf-Jahres-Plan“ angetreten war, den Verein in den Profifußball zu führen. Was dabei herauskam, ist hinlänglich bekannt. Das Ziel wurde schon nach drei Jahren erreicht. „Und“, so Kallnik, „ganz wichtig, dass wir in dieser Zeit auch Titel geholt haben – zwei Landespokalsiege und eben Regionalliga-Meisterschaft und Aufstieg.“

Da drängt sich die Frage auf, ob es denn ein neues befristetes Projekt für die nächsten Jahre gibt? Seine spontane und etwas überraschende Antwort: Nein! Begründung: „Einen vergleichbaren Plan wie 2012 aufzustellen, funktioniert jetzt nicht mehr, weil wir der Spitze nähergekommen und die Schritte im Profifußball kleiner geworden sind. Das heißt, wir können nur von Jahr zu Jahr planen und brauchen Zeit, um uns zu entwickeln. Vor allem finanziell. In diesem Bereich sind wir (noch) zu schwach aufgestellt, stehen im Vergleich zu anderen Drittligisten nur im unteren Drittel.“

Was wiederum nicht heißen soll, dass es auch sportlich stagniert. Ganz im Gegenteil. Kallnik: „Stillstand werde ich nicht dulden, sondern darauf achten, die Spieler auch weiterhin zu fordern und zu fördern.“

Der neue Geschäftsführer macht keinen Hehl daraus, dass der FCM momentan „finanziell, sportlich und fanbezogen gut aufgestellt ist“, ja deutschlandweit sogar beneidet wird. „So mancher Konkurrent ist besorgt darüber, wie positiv es bei uns läuft“, weiß Kallnik, der aber zugleich betont: „Neid muss man sich erarbeiten. Und wir schwimmen nicht im Geld.“

Wohl aber sind genügend Rücklagen vorhanden, um sich in der Winterpause zu verstärken. Kallnik hofft, in Kürze Vollzug melden zu können. Gleiches gilt in den nächsten Monaten auch für die Ausgliederung der Profi-Abteilung. „Wir wollen die Mannschaft weiterentwickeln, können aber derzeit die Gelder, die wir einnehmen, nicht verwenden“, bekräftigt Kallnik, der natürlich die Bedenken einiger Fans kennt, diese aber vor allem auf emotionaler Ebene sieht. Und der nochmals verspricht, dass keine Investoren ins Boot geholt werden sollen, die – siehe 1860 München – ein Mitspracherecht fordern und für permanente Unruhe sorgen: „Ein solches Modell wird es beim FCM nicht geben. Wir suchen Wirtschaftspartner, keine Investoren.“