Volksstimme: Herr Bugar, wie oft haben Sie es schon bereut, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) zu sein?

Erwin Bugar: Bereut habe ich es bisher noch nicht. Ich muss mich allen Themen stellen, und dazu gehören auch die etwas unangenehmeren.

Die Liste der Themen scheint fast endlos, obwohl Sie erst seit Dezember 2018 im Amt sind.

Was ich in rund 100 Tagen erlebt habe, erleben manche Amtskollegen wahrscheinlich nicht in 30 Jahren.

Zuletzt gab es beim Chemnitzer FC im Stadion eine sehr umstrittene Trauerbekundung für einen kürzlich gestorbenen mutmaßlichen Neonazi. Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir haben die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Man kann nicht oft genug betonen, dass der Fußball, der NOFV und seine Vereine rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen sowie menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegentreten. Der NOFV spricht sich vehement gegen den Missbrauch von Fußballspielen für parteipolitische und andere Zwecke aus und tritt für die Einhaltung von Integrität, Loyalität und Fairness ein.

Der Chemnitzer Daniel Frahn, der mit einem Hooligan-T-Shirt jubelte, wurde bereits gesperrt. Wird der NOFV nach den Vorfällen auch den Verein bestrafen?

Der NOFV hat ein Verfahren eingeleitet. Wir sind an einer zügigen Klärung interessiert.

Anderes Thema: Am Dienstag treffen sich Vertreter der Drittligavereine sowie der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern. Es geht um die geplante Regionalliga-Reform. Lässt sich die Zerschlagung der Nordost-Staffel noch verhindern?

Ich bin nicht angetreten, um der Liquidator der Regionalliga Nordost zu sein. Wenn die Nordost-Staffel aufgelöst werden sollte, dann ist auch die Existenz des NOFV infrage gestellt. Das wäre ein Horror-Szenario. Fest steht: Der NOFV steht auf der Kippe. Es ist nämlich sehr fraglich, ob wir die Strukturen noch aufrechterhalten könnten, wenn es die Regionalliga Nordost nicht mehr geben würde.

Was spricht denn für den Erhalt der Nordost-Staffel?

Es gibt mehrere Argumente. In den vergangenen Jahren haben sich die Nordost-Vertreter in den Relegationsspielen fast immer durchgesetzt. Außerdem gibt es reizvolle Derbys mit Tradition und zahlreichen Zuschauern.

Wenn man den Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Rainer Koch, hört, scheint der Plan der Zerschlagung fast durch zu sein. Was können Sie dagegen tun?

Am Dienstag werden wir erst mal ein Meinungsbild erfragen. Aus der Regionalliga Nordost sind 14 von 18 Vereinen bereit, diese Liga zu erhalten. Den Berliner Vereinen ist es relativ egal, sie würden notfalls auch in den Norden fahren. Mit den ostdeutschen Drittligisten hatten wir zwei Gespräche. Zunächst hatten sich ja alle bis auf Cottbus für eine mögliche Zerschlagung der Nordost-Staffel ausgesprochen. Mittlerweile gab es aber weitere Gespräche. Es gilt, die Interessen unserer Regionalligisten und Drittligisten zu einen.

Welche Modelle gibt es, durch die eine Zerschlagung verhindert werden könnte?

Es gibt zahlreiche Modelle, die momentan diskutiert werden. Einen klaren Favoriten gibt es bisher noch nicht.

Welche Variante bevorzugen Sie?

Ehrlich gesagt bin ich für einen kompletten Neustart der Diskussionen. Wir sollten die anstehenden Treffen als befristeten Aufschub sehen. Wir sind an einer guten und vor allem für alle tragbaren Lösung interessiert – mit einer Regionalliga Nordost.

Für Aufsehen hat der Prozess gegen Andreas Petersen gesorgt. Der ehemalige Sportdirektor von Germania Halberstadt soll versucht haben, Spieler des SV Babelsberg zu bestechen. Er wurde vom NOFV für ein Jahr gesperrt und zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro verurteilt. Das schriftliche Urteil liegt mittlerweile vor. Sie sind Jurist. Was denken Sie, wenn Sie sich das Urteil durchlesen?

Das Sportgericht des NOFV hat nach langen Ermittlungen und zwei Verhandlungstagen ein Urteil gefällt. Da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist und eine Berufung angekündigt wurde, bitte ich um Verständnis, dass ich mich nicht weitergehend äußere. Ich vertraue unseren unabhängigen Rechtsorganen, die eine gute Arbeit leisten.

Sind Sie von Petersen enttäuscht?

Ich bin vom Handeln von Andreas Petersen enttäuscht. So etwas ist nicht tolerierbar.

Auch in der Oberliga gibt es einen möglichen Bestechungsskandal. Dem Malchower Torwart sollen 1000 Euro geboten worden sein, damit der Verein in der Partie am 8. März gegen die TSG Neustrelitz zwei Tore in der ersten Halbzeit kassiert. Der Torhüter meldete den Vorfall aber umgehend. Wie ist der aktuelle Stand?

Zunächst möchte ich dem Torwart und dem Malchower SV für deren sofortige Reaktion danken. Dies ist auch ein Zeichen einer sehr guten Zusammenarbeit der Vereine mit unserem Verband. Für einen sauberen und fairen Wettkampf einzutreten, ist unser aller Anliegen. Neben der Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens haben wir Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg gestellt.