Berlin (dpa) - Bruno Labbadia schritt über den Rasen des leeren Berliner Olympiastadions und klatschte jeden seiner Spieler ab. Dritter Sieg im vierten Spiel nach der Corona-Zwangspause, weiter ungeschlagen, nur noch vier Punkte von einem internationalen Rang entfernt.

Mit Können, aber diesmal auch viel, viel Glück: Nach einer souveränen ersten Halbzeit brach Labbadias Mannschaft am Ende der englischen Woche mächtig ein, rettete aber letztlich einen 2:0 (1:0)-Sieg gegen den FC Augsburg.

"Alles in allem sind wir unfassbar glücklich", sagte Labbadia, aber "wir mussten echt leiden". Die Halbzeit habe ihnen nicht gut getan, "was ich vermutet hatte. Der Tank war komplett leer", betonte Labbadia, der seit seinem Amtsantritt aber eine stolze Bilanz beim selbst ernannten Big-City-Club vorweisen kann.

3:0 in Hoffenheim, 4:0 im Stadtderby gegen Union, 2:2 in Leipzig und nun das 2:0 gegen Augsburg. Platz neun in der Tabelle der Fußball-Bundesliga für die Mannschaft, die in Labbadia bereits den vierten Trainer in dieser Saison hat. Nach dem Chaoswochen und dem Kampf gegen den Abstieg können sich die Berliner wohl neue Ziele setzen. Nur noch vier Punkte sind es auf Rang sechs, der eine Teilnahme an der Europa League bedeuten würde. "Vier Punkte - da ist noch einiges möglich", betonte Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt.

Labbadia hat der Mannschaft neue Zuversicht eingeimpft. Den kurzfristigen Ausfall des zuletzt stark aufgelegten Matheus Cunha wegen einer leichten Gehirnerschütterung steckte das Team weg. Das Führungstor erzielte der für Cunha von Labbadia erstmals in die Startformation berufene Javairô Dilrosun in der 24. Minute.

Für die Entscheidung sorgte Krzysztof Piatek in der Nachspielzeit, Labbadia hatte ihn Mitte der zweiten Hälfte eingewechselt, als Gegner Augsburg mächtig Druck machte und dem Ausgleich deutlich näher war als Hertha einem zweiten Treffer. Letztlich muss Trainer-Kollege Heiko Herrlich mit seinem Team den Blick nun gehörig nach hinten richten, mit weiter 31 Zählern steht der FCA auf Platz 13.

Dass seine Mannschaft nach den sechs Wechseln in der Startformation im Vergleich zum 0:0 gegen den SC Paderborn keine Akzente setzen konnte, nach dem Seitenwechsel aber wie komplett ausgewechselt wirkte, gehörte zu dem bemerkenswerten Spielverlauf.

Hertha dominierte und kontrollierte zunächst, ließ Ball und Gegner laufen. Und durfte - den Corona-Gepflogenheiten folgend - auch jubeln. Nach einem Abpraller von Augsburgs Torwart Andreas Luthe schnappte sich Dilrosun den Ball, spitzelte ihn mit links über einen Gegenspieler und vollendete mit demselben Fuß souverän zum 1:0. Das vierte Saisontor des Niederländers, der zuletzt Ende Februar von Anfang an ran gedurft hatte. Einziges Manko der Berliner in dieser Phase: Sie legten nach Toren nicht nach, obwohl die Chancen da waren. Allein Vedad Ibisevic konnte keiner seiner vier Möglichkeiten nutzen.

Das drohte sich zu rächen. Die Augsburger gewannen nach der Pause die Zweikämpfe, waren wacher, aggressiver und gefährlicher. In den Schlussminuten bettelten die Berliner förmlich um das Gegentor, der eingewechselte Georg Teigl verpasste nur knapp, der ebenfalls eingewechselte Marco Richter traf nur die Latte, ehe Piatek auf der Gegenseite zur Stelle war. "Das war ärgerlich, dass wir den Ausgleich nicht geschafft haben. So stehen wir mit leeren Händen da", kommentierte Herrlich.

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