Magdeburg (SID) l Ein wurfgewaltiger Rückraum-"Kran" war Hartmut Krüger als Handballer nie, heute handelt der einstige Linksaußen in der Nähe seiner sportlichen Heimat Magdeburg als Geschäftsmann allerdings erfolgreich mit den schwergewichtigen Baumaschinen. Am heutigen Mittwoch feiert der 157-malige DDR-Auswahlspieler und Olympiasieger von 1980 mit einer großen Party seinen 60. Geburtstag.

"Was macht man zu seinem runden Geburtstag? Ausreißen mit Frau und Familie oder eine Feier mit Freunden? Ich habe mich für die Feier-Variante entschieden", erzählt Hartmut Krüger. So werden sich also am 8. Mai im Landgasthof Lostau wenige Kilometer nördlich von Magdeburg "80 bis 100 Leute" einfinden und mit dem Jubilar natürlich vornehmlich über Handball reden.

Ehemalige DDR-Auswahlspieler und Mitspieler von Hartmut Krüger in der großen Magdeburger Zeit der 70er und 80er Jahre wie Ernst Gerlach, Günter Dreibrodt oder Ingolf Wiegert werden ebenso erwartet wie der Berliner Rainer Höft, der auch in jenem DDR-Team stand, das 1980 in Moskau im Olympia-Finale die damals scheinbar unschlagbare UdSSR-Mannschaft in der Verlängerung mit 23:22 in die Knie zwang. "Das war ganz klar der Höhepunkt in meiner Karriere", sagt Hartmut Krüger. Die Goldmedaille von Moskau ist einer seiner größten Schätze und liegt sicher verwahrt daheim im Privatsafe.

Krüger war beim SC Magdeburg in seiner aktiven Zeit zwischen 1975 und 1986 auf der linken Angriffsseite ebenso alternativlos wie in der DDR-Auswahl, mit der er 1978 und 1986 WM-Dritter wurde. 1978 übrigens nach einem 14:14 gegen den späteren bundesdeutschen Weltmeister um Heiner Brand, Jo Deckarm, Erhard Wunderlich und Kurt Klühspies. "Damals haben wir wegen des 14:14 das Endspiel gegen die UdSSR denkbar knapp verpasst. Aber wir waren in diesem Moment einfach noch nicht reif für den Titel. Die BRD hatte mit Deckarm und Klühspies genau jene Power wie wir zwei Jahre später", erzählt Krüger.

Mit ihm blieb die DDR nach 1980 zwei Jahre unbesiegt, und der Magdeburger denkt noch heute besonders gern an die Weltmeisterschaften 1986 zurück. Damals war der 33-Jährige quasi schon ausgemustert, wurde aber nach einem Testspiel-Sieg mit seinen Magdeburgern in der WM-Vorbereitung gegen die DDR-Nationalmannschaft ("Ich warf in dem Spiel 12 Tore") als Ersatzmann zurückgeholt. "Ich kam im ersten Spiel rein und spielte dann alle sechs WM-Spiele praktisch durch", erinnert er sich. Beim Sieg gegen Schweden im Spiel um Bronze traf Krüger achtmal: "Das war der perfekte Abschluss meiner Karriere."

Mit "seinem" SC Magdeburg holte Hartmut Krüger sieben DDR-Meistertitel und zweimal den damaligen Europacup der Landesmeister. Besonders gern erinnert er sich an das Endspiel der Europacup-Gewinner um den sogenannten Goldpokal, das er mit dem SCM 1981 in der Dortmunder Westfalenhalle gegen TuS Nettelstedt 21:16 gewann: "Die haben wir damals regelrecht aus der Halle geschossen. Das war ein großes Erlebnis vor den vielen Zuschauern."

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete Krüger beim SC Magdeburg zwischen 1989 und 1993 als verantwortlicher Trainer und wurde mit den Grün-Roten 1991 zum ersten Mal Meister im wiedervereinigten Deutschland. "Eine turbulente Zeit, sehr anstrengend und meiner Gesundheit nicht förderlich", erzählt er.

Nach seiner Entlassung zog sich SCM-Ehrenmitglied Krüger aus dem Spektakel Handball-Bundesliga weitgehend zurück, engagiert sich aber aktuell mit seiner Kranhandelsgesellschaft Biederitz als Sponsor des Vereins und ist auch regelmäßig zu Gast bei den Punktspielen.

Krüger ist froh, dass der SC Magdeburg die Jahre der großen finanziellen Sorgen scheinbar überstanden hat und es auch sportlich wieder leicht nach oben geht. Die aktuelle Spielzeit nimmt er von diesem Trend aus: "Spielerisch ist die Saison leider nicht so gelaufen wie erhofft. Da sind die Fortschritte ausgeblieben."