HANDBALL

SC Magdeburg: Mit rauchenden Köpfen nach Düsseldorf

Diese Busfahrt wird kein Vergnügen gewesen sein: Die Handballer des SC Magdeburg hatten bei der Anreise zur nächsten Aufgabe viel zu analysieren. Heute werden sie vom Bergischen HC empfangen.

08.05.2021, 12:46 • Aktualisiert: 8.5.2021, 12:57
Schwacher Trost: Omar Ingi Magnusson (im Wurf/gegen Oddur Gretarsson) bleibt mit nunmehr 180 Toren weiter im Rennen um die Torjäger-Krone.
Schwacher Trost: Omar Ingi Magnusson (im Wurf/gegen Oddur Gretarsson) bleibt mit nunmehr 180 Toren weiter im Rennen um die Torjäger-Krone. Foto: Eroll Popova

Magdeburg. Auch Handballer schauen vor dem Antritt ihrer Heimreise zunächst auf das Handy. Sie schauen dort auf die Ergebnisse der Konkurrenten, sie schauen auf die Tabelle. Und bei jenem Blick huschte am Donnerstagabend bei den Spielern der HBW Balingen-Weilstetten erneut ein Lächeln über die Lippen. Mit dem 28:26 (12:13)-Erfolg beim SCM haben sie sich ein wenig Luft verschafft im Kampf um den Klassenerhalt der Bundesliga, in deren Tabelle sie den ersten Nichtabstiegsplatz belegen. „Die Punkte sind für uns Gold wert“, erklärte Jens Bürkle, der Trainer. Und sein überragender Torhüter Mario Ruminsky betonte: „Wir sind personell dezimiert in Magdeburg angereist, wir haben einen Sieg nicht für möglich gehalten.“

Deshalb ist dieser letztlich eine Sensation. Oder aus Sicht der Grün-Roten eine Blamage, eine Katastrophe, eine herbe Pleite nach einer unterirdischen Leistung. Es haben sich einige Synonyme gefunden, um in einem Wort zusammenzufassen, was nicht nur Trainer Bennet Wiegert, sondern auch die Spieler ziemlich geschockt haben dürfte. Piotr Chrapkowski, der Abwehrhüne, sagte: „Unsere zweite Halbzeit war eine Katastrophe. Wir müssen das analysieren und beim Bergischen HC besser machen.“ Heute bereits. Die Partie wird um 18.30 Uhr im ISS Dome in Düsseldorf angeworfen.

Der Vulkan in Wiegert wird bis zur gestrigen Abreise in Richtung Westen nicht erloschen sein. Um 10 Uhr stiegen die Magdeburger in den Bus. Ab 10 Uhr wurde jeder persönlich an den Auftritt gegen Balingen erinnert. „Wir haben genug Zeit, das Spiel aufzuarbeiten“, blickte der 39-Jährige auf die lange Anreise, auf der die Köpfe entsprechend geraucht haben dürften. Thematisiert hat Wiegert ganz sicher grundsätzlich alles, denn grundsätzlich alles war gegen Balingen schlecht.

Gespräche im Bus

 „Balingen war in allen Bereichen besser“, sagte Chrapkowski entsprechend. Seine Mannschaft spielte ganz weit entfernt von dem Niveau, mit dem sie zwischenzeitlich 22?Spiele in Folge nicht verloren hatte. Oder wie der polnische Nationalspieler erklärte: „Das war nicht der SCM, wie wir ihn sehen wollen.“ Wie er war? „Zu individuell“, sagte der 33-Jährige diplomatisch.

Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr funktionierte Magdeburg nicht als Mannschaft – im Gegensatz zum starken Konkurrenten, der in jeglicher Hinsicht als kompakte Einheit aufgetreten war. So kurz nach der Schlusssirene wollte Chrapkowski, der mit Wiegert schon während der Partie dauerhaft in Kommunikation getreten war, diese Leistung auch nicht auf den Stress der vergangenen Wochen mit Liga, European League und Länderspiele schieben. Und erst recht wollte er keine Endzeitstimmung für den Rest der Saison prognostizieren. Immerhin spielen die Magdeburger am 22./23. Mai noch um einen internationalen Titel in Mannheim. Chrapkowski: „Wir haben noch 13 Spiele. Wir können nicht bis zum Ende schauen, sondern müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren.“

Und da wartet nun der Bergische HC, der dem SCM gleich im ersten Saisonspiel eine Niederlage zugefügt hatte (27:31). Sebastian Hinze, der Coach der Bergischen, erinnert sich gerne an diesen Tag. Sebastian Hinze hat zudem die vergangenen Partien der Magdeburger aufmerksam verfolgt. Erst die Niederlage in Erlangen (28:30), nun die Niederlage gegen Balingen. Beeindrucken lässt er sich von den schwachen Auftritten nicht. „Wir bereiten uns auf einen starken SC Magdeburg vor“, betonte der 42-Jährige. „Sie waren zuvor sehr stabil und grundsätzlich gut in Form.“

Grundsätzlich wirkt derzeit alles anders. Nur beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle nicht. Als Vierter hat der SCM nach der Niederlage der Rhein-Neckar Löwen gegen die Füchse Berlin (24:24) keinen Boden auf die drittplatzierten Mannheimer verloren und durch das Remis der Göppinger gegen Flensburg (28:28) auch nur einen Punkt zum Fünften eingebüßt. Das interessierte allerdings schon gestern auf der Busfahrt allenfalls die Theoretiker und Statistiker, das interessiert heute Abend ganz sicher niemanden auf der Platte.

Trotzdem möchte jeder vor Antritt der Heimreise nach dem Spiel mal wieder lächelnd aufs Handy schauen.