Der Handball-Gott muss seit Neuestem ein Berliner sein. Ansonsten wären die Magdeburger Dienstagnacht zumindest mit einem Punkt im Gepäck aus Berlin heimgekehrt. Den hätten sich van Olphen & Co. schon allein mit der Vorstellung in der ersten Halbzeit, die so klasse war, dass selbst Füchse-Chef Bob Hanning "keinen Pfifferling mehr auf uns gewettet hätte". Und doch bejubelten am Ende die Gastgeber nach dem glücklichen 27:26 (10:15) den unverhofften Punktesegen: Halleluja!

Magdeburg/Berlin. Auf der Sonnenseite des Lebens stand der SCM an diesem Dienstag wirklich nicht. Das Unglück nahm schon früh seinen Lauf, nämlich als dem Mannschaftsbus die Einfahrt auf den Sonderparkplatz hinter der Max-Schmeling-Halle verwehrt wurde. Der dienstbeflissene Security-Mann musste sich erst einmal per Anruf rückversichern, ob es der "Firma SCM" erlaubt sei, hinter der Halle zu parken ...

Vom Glück verlassen waren die Magdeburger auch bei der Auslosung zum Pokal-Viertelfinale, die vor dem Anpfiff der Partie stattfand und der Carstens-Sieben das schwere Los eines Auswärtsspiels bei FrischAuf Göppingen bescherte. Begeisterung sieht anders aus, offenbarte der Blick in die Gesichter der SCM-Spieler, die sich gerade auf dem Feld aufwärmten.

In der mitreißenden Partie dann schienen sich die Magdeburger allein auf ihr Können verlassen zu wollen, begannen konzentriert und diktierten früh das Geschehen (6:2/10. Minute). So konnten diesmal die Füchse von Glück sagen, dass drei 1000-prozentige der Magdeburger nicht verwandelt wurden und der Rückstand zur Pause nicht noch größer war.

Doch nachdem die ersten sieben Minuten nach Wiederanpfiff kein Tor fallen wollte, sich im Angriff Fehler einschlichen, Eijlers im Tor nachließ und die Füchse ihre Chance zur Aufholjagd witterten (erste Führung beim 23:22 in der 53. Minute), schien sich Fortuna auf die Seite der bislang unbezwungenen Hausherren geschlagen zu haben. Anders ist der Glückstreffer von Jaszka, der sechs Sekunden vor Schluss unvermittelt aus zehn Metern abzog, nicht zu erklären.

"Es ist sicher nachzuvollziehen, dass wir mit dem Ausgang nicht zufrieden sind", machte SCM-Coach Frank Carstens klar, dass nicht nur er ("Das ist nicht einfach, so etwas zu verkraften, aber so ist nun mal der Sport"), sondern vor allem auch seine Mannschaft mit gebrochenem Handball-Herzen in der Kabine saß. "Ich war kurz drin, die Jungs sind alle stinksauer."

Wohl auch, weil sie wussten, dass sie eine Kopie des Kiel-Spiels geboten haben und sich den Sieg aus den Händen haben reißen lassen. Carstens: "In der zweiten Halbzeit hatten wir nicht mehr die Qualität im Angriff. Das ist der Grund, warum wir hier nicht gewonnen haben. Dass uns der Schwung und die Lockerheit fehlten, dazu haben wohl auch ein paar streitbare Schiedsrichterentscheidungen beigetragen."

Letzteres wird Bob Hanning natürlich vehement bestreiten wollen, dennoch sprach der Füchse-Manager im Nachhinein vom "Quäntchen Glück mehr", das man gehabt habe: "Ich hatte nach der ersten Halbzeit nicht mehr mit einem Sieg gerechnet, aber unser Trainer hat in der Kabine die richtigen Worte gefunden." Mitentscheidend sei an diesem Abend, an dem man so nah wie nie in dieser Saison am Rande der Niederlage gestanden habe, gewesen, "dass die zweite Reihe Verantwortung übernommen hat". Das sah auch Füchse-Coach Sigurdsson so, der die Leistung von Mark Bult (7/3) besonders hervorhob: "In der zweiten Halbzeit hat uns das gerettet, was uns schon die ganze Saison stark macht: Wir haben Charakter und Kampfkraft gezeigt und uns nie aufgegeben."