Göppingen l Die obligatorische Pizza als Abendmahl kam Samstagnacht pünktlich. Doch schmecken wollte sie den Handballern des SCM nicht so richtig. Das lag beileibe nicht am Lieferanten. Sondern einfach daran, dass das Punktspiel in Göppingen, anders als im Vorjahr, diesmal im Ordner „Außer Spesen nichts gewesen“ abgeheftet werden musste. Ein nüchterner Beigeschmack, den keiner mag...

„Letztes Jahr war es schöner, hier in der Pressekonferenz zu sitzen“, hatte auch SCM-Sportchef Steffen Stiebler keinen Hehl aus seiner Enttäuschung gemacht. Wohl wahr, bekamen van Olphen & Co. doch diesmal deutlich die Grenzen aufgezeigt.

Die Gastgeber, die wie gewohnt durch ein Spalier von Fackel-Trägern aufs Feld gelaufen waren, erwischten einen Start nach Maß. Vor allem Lars Kaufmann brannte lichterloh. Mit vier Toren am Stück stellte der Ex-Nationalspieler gleich mal die Verhältnisse klar (4. Minute/4:1). „Die erste Viertelstunde war überragend. Lars war unglaublich heiß. Ich glaube, er hätte heute sogar von der Kabine aus getroffen“, zollte Göppingens Coach Mag-nus Andersson der Leistung des Matchwinners Respekt, der nach seiner Rückkehr zum Altmeister noch nicht so recht in Schwung gekommen war.

Indes dazu mussten die wenigen mitgereisten Fans entsetzt mit ansehen, dass die Mannschaft von Trainer Geir Sveinsson mit einer katastrophalen Chancenverwertung da weitermachte, wo sie beim Sieg gegen Eisenach aufgehört hatten. Und das lag nicht nur am sehr gut aufgelegten Torhüter der Gastgeber, Primosz Probst (19 Paraden).

Dem mit seiner Leistung im Kasten dagegen haltenden SCM-Torhüter Dario Quenstedt (15 Paraden) war es gar zu verdanken, dass man nicht schon in der ersten Halbzeit völlig überrollt wurde. Dennoch betrug der Rückstand nach 20 Minuten sieben Tore. Kaufmann hatte mit seinem siebten Treffer (!) zum 13:6 eingehämmert. Beim SCM standen zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Fehlwürfe und zwei technische Fehler zu Buche. Nach 60 Minuten waren es 21/7.

„Wir sind nicht gut ins Spiel reingekommen. Danach wurde es schwer, und es hat viel Kraft gekostet, uns heranzukämpfen. Aber fast hätte es noch geklappt“, konstatierte Trainer Geir Sveinsson angesichts einer Steigerung in der zweiten Hälfte, als der SCM auf 19:22 herankam (41.). Doch statt am Drücker zu bleiben, brachen die verpassten Torchancen infolge von „Undiszipliniertheit“ sowie „drei unnötige Zeitstrafen“ (O-Ton Stiebler) dem SCM in der entscheidenden Schlussphase das Genick.

Spätestens als beim Stand von 26:21 der überragende Kaufmann neun Minuten vor dem Abpfiff rausgenommen wurde, um ihn für das Pokalspiel in vier Tagen zu schonen, war klar: Diesen Sieg lässt sich der Gastgeber nie und nimmer mehr aus der Hand nehmen. Sveinssons Resümee ließ im Grunde tief blicken und für das Pokal-Viertelfinale in der Getec-Arena (19 Uhr) nichts Gutes ahnen: „Ich kann meiner Mannschaft nicht den Vorwurf machen, nicht gekämpft zu haben. Aber Göppingen hat verdient gewonnen und wir waren einfach nicht gut genug.“ Während sich beide Trainer auf die darauf tatsächlich folgenden Fragen hin, was das Ergebnis für das Pokalspiel bedeutet, bedeckt hielten (Sveins- son: „Das weiß ich nicht, das werden wir sehen.“ Andersson: „Das weiß ich dann auch nicht.“) wurde Stiebler deutlicher: „Das wird sehr schwer am Mittwoch. Dann müssen wir auf jeden Fall aktiver auftreten und ein bisschen mehr Herz zeigen.“

Göppingen: Prost, Rutschmann - Kraus, Kneule 4, Späth, Lobedank, Barud, Sesum 5, Fontaine 2, Kaufmann 10, Kristensen, Schiller 6/4, Halén, Rebmann, Gehke

Magdeburg: Quenstet, Green – van Olphen, Bagersted 4, Grafenhorst, Haaß, Bezjak 5, Gebala 2, Weber 4/2, Saul, Sohann, Damgaard 5, Zelenovic 3, Lemke 1

Schiedsrichter: Immel/Klein. Zuschauer: 5000. Siebenmeter: Göppingen 5/4; SCM 3/2. Zeitstrafen: - /5