Magdeburg l So wie Dario Quenstedt jetzt im Sommer wechselte auch Henning Fritz einst vom SCM nach Kiel. In einem damaligen Hallenheft der Zebras heißt es: „Zu Magdeburger Zeiten war Henning Fritz bereits ein internationaler Top-Torwart. In Kiel reifte er zur absoluten Topklasse.“

Sieht er das auch so? Fritz lacht laut. „Das ist immer Ansichtssache“, sagt er, „ich persönlich will beide Stationen nicht vergleichen und bewerten.“ Denn klar ist: In Magdeburg sei die Grundlage für seine Entwicklung und Karriere gelegt worden. „Durch die Sportschule habe ich hohe Trainingsumfänge bekommen und auch als junger Torwart Einsatzzeiten, so dass ich mich frühzeitig entwickeln konnte.“

Fritz von 2001 bis 2007 in Kiel

Beim THW dagegen stand Fritz von 2001 bis 2007 vor anderen Herausforderungen. „Ich kam in ein fremdes Umfeld, musste mich dort durchsetzen. In Magdeburg war ich Kapitän, hatte gewisse Annehmlichkeiten und lebte quasi in meinem Zuhause. In Kiel bin ich gereift – mit allen Höhen und Tiefen, die dazugehören. Das war ein wichtiger Prozess.“ Auch deshalb kann er die Entscheidung von Quenstedt verstehen, sich in einem anderen Umfeld beweisen zu wollen. „Als Sportler hat man nur einen begrenzten Zeitraum, um zu spielen.“ Geld spiele zwar auch eine Rolle. „Aber finanzielle Dinge sind nicht immer entscheidend. Das Umfeld muss passen, damit man seine Leistung bringen kann.“

Geprägt haben das hiesige Torwart-Spiel nach Fritz‘ Auffassung vor allem Wieland Schmidt, Gunar Schimrock, Johannes Bitter und Silvio Heinevetter. Nicht zuletzt war es aber auch Fritz selbst, der den Standort Magdeburg als Torwart-Mekka bekanntgemacht hat. 1974 in Magdeburg geboren war sein Weg beim SCM quasi vorgezeichnet. Dennoch: „Ich hatte auch Glück“, stellt Fritz klar. Profitiert habe er unter anderem von einer sechsmonatigen gemeinsamen Trainingszeit mit Wieland Schmidt, bevor dieser 1989 beim SCM aufhörte. „Und es waren Hartmut Krüger und Ingolf Wiegert, die mir als Trainer Vertrauen geschenkt haben und mich in der 1. Mannschaft haben spielen lassen“, erzählt Fritz.

Insbesondere Ingolf Wiegert habe damals schon Maßstäbe gesetzt. „Ich erinnere mich, dass er immer mittwochs für eine Stunde ein individuelles Torwart-Training angeboten hat. Das waren – salopp gesagt - zwar einfache Übungen, trotzdem habe ich mich dadurch enorm weiterentwickelt. Da sieht man, was möglich ist, wenn man sich individuell mit der Torwart-Position auseinandersetzt. Und es war eine unheimliche Wertschätzung.“ Heute setze sich das mit der Arbeit von Tomas Svensson am Standort Magdeburg fort.

Quenstedts hohe Qualität

Durch den Abgang von Quenstedt gehört allerdings nächste Saison kein Deutscher zum Torwart-Duo des SCM. „Das ist natürlich immer eine Frage, die vom Verein abhängt. Wie setzen Management und Trainer die Prioritäten, wollen sie einen deutschen Torhüter haben“, sagt Henning Fritz. Mit Jannick Green und Quenstedt bekam der SCM diese Mischung in den letzten Spielzeiten sehr gut hin. Fritz: „Dario Quenstedt spricht ja auch für die Region und für die Nachwuchsarbeit.“

Dass der 29-Jährige trotzdem nicht gehalten werden konnte, ist aber auch ein Indiz für seine Qualität. SCM-Torwart-Trainer Tomas Svensson: „Man muss auch sehen, wie oft wir es geschafft haben, mit Dario zu verlängern. Ich selbst habe in Schweden, Spanien und Deutschland gespielt. Irgendwann braucht es eine Veränderung“.

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