Magdeburg l „Trinkpause!“ Mit diesem Kommando unterbricht Trainer Bennet Wiegert die Einheiten in der Getec-Arena regelmäßig, damit seine Spieler ihren Durst stillen können. Bei Michael Damgaard ist der Hunger auf den Ball aber größer. Als die Teamkollegen beim Auftakttraining die Trinkflaschen ansteuerten, schnappte sich der Däne das Sportgerät und nutzte die Pause für Würfe aufs Tor. Im Blick von Wiegert war deutlich zu erkennen, dass das nach so langer Pause vielleicht etwas übertrieben war.

Aber allein diese Aktion zeigt, dass Damgaard immer noch Damgaard ist. Weil der Rückraumspieler auch gerne mal Dinge macht, mit denen keiner rechnet, lieben ihn ja auch die Fans ganz besonders. „Wir haben so lange allein trainiert. Da freut man sich einfach wieder auf richtiges Handball-Training. Und da juckt es natürlich auch wieder im Arm. Aber ich passe da schon auf und gehe kein Risko ein“, erklärt Damgaard.

Rang drei der Torschützen

Weil er in der letzten Saison mit seinen Würfen die Fans auch regelmäßig in den Spielen von den Sitzen gerissen hat, wurde er während der Corona-Pause in einer Online-Abstimmung zum „Spieler der Saison“ gewählt. Damgaard: „Das hat mich riesig gefreut, weil das immer eine Bestätigung der eigenen Leistung ist.“ Der Rückraum-Shooter hatte sich in den Fanherzen vor Torhüter Jannick Green und Kapitän Christian O‘Sullivan durchgesetzt.

Wenn Damgaard den Ball in seiner rechten Hand hat, zieht ihn das gegnerische Tor magisch an. Da bringt er gerade seinen Trainer auch öfter mal zum Verzweifeln. Aber wer nichts riskiert, der gewinnt auch selten. So war Damgaard in der vergangenen Saison der wurffreudigste Spieler der Bundesliga. Insgesamt 316 Bälle hat Damgaard in seiner unnachahmlichen Art aufs Tor des Gegners geballert. 166 davon waren drin. Damit schaffte es Damgaard in der Torschützenliste auf Rang drei und war damit auch mit Abstand der beste Rückraumschütze. Und die beiden Top-Torjäger Bjarki Elisson (215 Tore) und Hans Lindberg (202 Tore) haben in ihren Clubs ja auch noch die Siebenmeter geworfen.

Damgaard bedauert Abbruch

Unvergessen dürften bei den Fans vor allem Damgaards Tore beim Heimspiel gegen Flensburg sein. Da lag der SCM zur Halbzeit mit vier Toren zurück. Bis dahin hatte Damgaard zwei Tore erzielt. Aber nach dem Seitenwechsel warf er sich förmlich in einen Rausch und war am Ende mit insgesamt elf Toren einer der Matchwinner. Da wurde der bei seinen Toren in der Getec-Arena gespielte Song „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer zur Dauerschleife.

Dass die Saison sieben Spieltage vor Schluss abgebrochen wurde, gefiel Damgaard aber gar nicht. „Ich will mit dem SCM am liebsten Champions League spielen. Und da war in sieben Spielen in der Tabelle nach oben hin noch vieles möglich. Deshalb fand ich den Abbruch sehr schade.“

SCM-Schütze hat Zeit für Familie

Viel wichtiger als Tore ist dem 30-Jährigen natürlich sein Töchterchen Clara Noelle. Mit der Vierjährigen konnte Damgaard durch die Corona-Pause viel Zeit verbringen, die er sonst gar nicht hat. „Diese Stunden habe ich sehr genossen“, sagt Damgaard, der sein Glück darüber auch regelmäßig auf seinem Instagram-Account mitgeteilt hat.