Magdeburg l Ganz sicher war Carlos Molina am Sonntag ein sehr beliebter Spieler bei den Fans. Ganz sicher hat er mehr Autogramme gegeben als bei allen Heimspielen zuvor. Und ganz sicher hat er nicht nur einen ersten, sondern auch bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn der Name Molina steht nun im Geschichtsbuch des Bundesliga-Ostderbys zwischen dem SC Magdeburg und DHfK Leipzig. Und Molina, der Debütant bei den Grün-Roten, wurde nach dem 37:31 (18:13)-Erfolg für seine Leistung von Mitspielern und seinem Trainer gelobt. Marko Bezjak, der Regisseur, sagte: „In einem Team war Carlos der Spieler des Tages.“

Tomas Svensson wird dem 26-jährigen Molina womöglich alles übersetzt haben, was an Huldigungen über ihn gekommen war. Svensson ist der Co-Trainer und Torwarttrainer des SCM, der bekanntlich mit seiner Familie in Barcelona lebt und Spanisch beherrscht. Zudem ist er derzeit wohl der Einzige, der mit Molina ein Gespräch führen kann.

„Man darf nicht unterschätzen, wie schwierig es für einen Spieler ist, sich in einem fremden Land und in der neuen Sprache zurechtzufinden“, sagte Bennet Wiegert, Molinas Coach. „Ich habe damit keine Erfahrung, weder als Spieler noch als Trainer.“ Von den drei Neuzugängen Piotr Chrapkowski (Polen), Gleb Kalarash (Russland) und Molina hat der Spanier offenbar die größten Schwierigkeiten, sich die deutsche Sprache anzueignen. Das hat er noch nicht, „und mit Englisch hat er auch Probleme“, so Wiegert.

Deshalb klang die Geschichte von der Vorbereitung auf das Ostderby, die Robert Weber nach der Schlusssirene erzählte, im ersten Moment witzig. Im zweiten allerdings offenbarte sie das Problem. Da niemand so genau wusste, ob der am Knie verletzte Zeljko Musa überhaupt gegen Leipzig spielen konnte, suchte Wiegert im Training nach der optimalen Formation im Mittelblock. „,Benno‘ hat es mit Händen und Füßen erklärt und uns hin- und hergeschoben wie Schachfiguren“, berichtete der 31-jährige Österreicher, der mit nunmehr 66 Treffern wieder die Spitze der Torjägerliste übernommen hat. Und trotzdem: „Carlos ist sensationell in die Bresche gesprungen.“ Für Chrapkowski nämlich, der wegen einer Entzündung im linken Ellenbogen kurzfristig passen musste und wohl drei Wochen fehlt.

Die Sprache heißt: Handball

Die Sprache, mit der Molina und die Teamgefährten kommunizieren, heißt also: Handball. Und: „Ich war angenehm überrascht von seiner Körpersprache“, bestätigte Wiegert den couragierten und fokussierten Auftritt Molinas. Dabei „hatte er wirklich keine einfachen Wochen“. Molinas Schulterverletzung ist noch nicht vollständig ausgeheilt, deshalb kam er gegen DHfK für den Angriff nicht infrage, deshalb muss er weiter auf sein erstes Bundesliga-Tor warten. „Trotzdem war das Spiel Balsam für seine Seele“, betonte Wiegert. „Und genauso wie bei Gleb Kalarash werden wir auch bei Carlos Konstanz reinbekommen.“

An der kann der SCM am morgigen Mittwoch im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligiten HG Saarlouis (19.30 Uhr) weiter feilen, denn sie ist nötig, um zum Beispiel die Zahl von 31 Gegentreffern wie am Sonntag künftig zu reduzieren. 37 erzielte Tore indes „haben mich nicht mal überrascht“, sagte Wiegert. Auf viele Tore ist das extreme Tempospiel ja ausgerichtet. Aber wer schnelle Treffer erzielt, muss auch mehr Gegenangriffe verteidigen, erklärte es Abwehrchef Musa. Und in der Bundesliga gibt es ausreichend Kontrahenten mit der entsprechenden Qualität, dieses Mehr an Möglichkeiten zumindest teilweise zu nutzen. Solch ein Gegner kann auch die MT Melsungen sein. Dort tritt der SCM am kommenden Sonntag an (12.30 Uhr, Rothenbach-Halle in Kassel).

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