Magdeburg l Nein, das Handballspielen verlernt man nicht innerhalb von zwei, drei Wochen. Und trotzdem war der 30:21 (16:14)-Sieg gegen Frisch Auf Göppingen am Sonnabend auch ein bisschen der persönliche Befreiungsschlag für SCM-Torhüter Jannick Green. „Ich wusste, dass ich es kann. Aber klar hing der Kopf nach den letzten Enttäuschungen erst einmal unten“, sagte Green.

Ein starker Rückhalt im Tor hatte den Magdeburgern seit der Liga-Partie gegen den THW Kiel Anfang September gefehlt. Nimmt man die Statistiken der HBL als Grundlage, lag Green bei der Fangquote, außer in Wetzlar, immer unter 30 Prozent. Im Pokal-Achtelfinale blieb er in knapp 30 Minuten sogar ohne Parade.

Green mit 14 Paraden

Umso größer war daher die Freude bei den Zuschauern, als Green die Göppinger mit insgesamt 14 Paraden – davon zwei Siebenmeter – zum Verzweifeln brachte. „Das ist gut für seinen Kopf“, war man sich auf den Rängen sicher. Und auch SCM-Trainer Bennet Wiegert war erleichtert. „Wie wichtig die Torhüter-Leistung ist, muss ich nach unseren vergangenen vier Spielen wohl niemandem mehr erklären“, sagte der Trainer, der aber auch klarstellte: „Ich spreche lieber von einer Symbiose aus Abwehr und Torwart.“

Denn dass es in deren Zusammenspiel zuletzt gehapert hat, ist auch klar. Green probierte deshalb, das Problem nicht nur auf sich selbst zu reduzieren: „Ich habe versucht, gar nicht so viel darüber nachzudenken. Denn ich kann nicht alles alleine schaffen, das ist einfach so“, betonte er, „manchmal lag es an der Abwehr, dann wieder an mir.“

Göppinger scheitern am Torwart

Während bei den vier Niederlagen in Folge oft die gegnerischen Torhüter über sich hinauswuchsen – beispielsweise Till Klimpke in Wetzlar oder Nebojsa Simic in Melsungen – blieben Green und Tobias Thulin dagegen blass. Da Letzterer aber erst seit dieser Saison in der Bundesliga spielt, erhoffte man sich wiederum von Green deutlich mehr.

Eigentlich genau das, was er jetzt gegen Göppingen gezeigt hat. Denn da richtete es der Däne selbst dann, wenn die Gegner frei vor ihm auftauchten. „Wir kommen auf 15 Fehlwürfe, zehnmal stehen wir dabei frei vorm Tor“, klagte Hartmut Mayerhoffer, Trainer der Schwaben.

Verunsicherung bei SCM spürbar

Für sein Gegenüber Bennet Wiegert durchaus zu erklären: „Selbst wenn wir komplett ohne Abwehr spielen, müssten Jannick Green und Tobias Thulin trotzdem zehn Bälle halten. Das ist einfach ihre Klasse.“ Der Trainer hofft daher auch, dass „Jannick jetzt wieder mehr an sich glaubt und unser Gespann im Tor insgesamt stabiler wird“.

Doch nicht nur im Tor fehlt bislang die Stabilität. Denn auch wenn der SCM letztlich einen deutlichen Heimsieg feierte, war die Vorstellung nicht komplett überzeugend. Gerade in der ersten Halbzeit, als die Magdeburger schon 10:4 (15. Minute) vorn lagen, agierten sie auf einmal fahrig. Nach Fehlwürfen und einer Zeitstrafe war Göppingen prompt wieder bis auf ein Tor ran (12:11/23.). Diesmal jedoch behielt der SCM die Oberhand.

SCM holt Selbstbewusstsein zurück

„Der Erfolg war erarbeitet. In dieser Phase hat uns die Leichtigkeit gefehlt, man hat uns die Verunsicherung angemerkt“, berichtete Wiegert. Der in der Folge aber eine souveräne Leistung seines Teams sah. „So konnten wir uns hoffentlich ein Stück Selbstbewusstsein zurückholen.“

Vor dem Auswärtsspiel in Hannover wäre das von Vorteil. Denn auch wenn Green sagt: „Da muss ich schon noch länger schlecht spielen, bis ich den Glauben an mich selbst verliere.“ Balsam für die Seele dürften seine 14 Paraden trotzdem gewesen sein.

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