Magdeburg l Als Bodmar Reichert 1978 die Handballer des SC Magdeburg im Viertelfinale des Landesmeistercups bei Dukla Prag erstmals zu einem Auswärtsspiel begleitete und am Ende dieser Saison den ersten Triumph der Grün-Roten im Landesmeistercup bejubeln konnte, hätte er nie gedacht, eines Tages mal Aufsichtsratsvorsitzender des SCM zu sein. Und Corona war ihm damals nicht mal als Biersorte ein Begriff, weil das im legendären Prager Bierkeller „U Fleku“ nicht ausgeschenkt wurde.

Aber jetzt stellt Corona als Virus auch den SCM vor große Probleme. „Wir hätten das gerne bis zum Ende sportlich gelöst. Aber zum einen geht die Gesundheit vor. Und wenn ich mir die Eierei beim Basketball und auch den unteren Fußballligen anschaue, sollten wir im Handball eigentlich froh sein, dass wir frühzeitig einen Strich gezogen haben“, sagt Reichert, der seinen Verein seit vielen Jahren auch als Sponsor mit der Firma „Wiedemann“ unterstützt.

Regressforderungen nicht diskutiert

Regressforderungen, weil die Saison vorzeitig abgebrochen wurde und für einige Spiele damit die entsprechende Werbung und Tickets verfallen, sind aber nicht nur für Reichert keinerlei Diskussion wert. Reichert: „In unserem Verein zählt Nachhaltigkeit mehr als das schnelle Geschäft. Deshalb müssen wir uns bei unserer Fankultur und unseren Sponsoren keine großen Sorgen machen. Wenn man zu seinem Verein steht, hält man die Fahne auch in schlechten Zeiten hoch. Das muss sportlich so sein und jetzt wirtschaftlich auch.“

Reichert verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Dauerkartenbesitzer zwar in der aktuellen Saison durch den Abbruch drei Spiele weniger sehen können, aber in der nächsten Saison durch die Aufstockung der Bundesliga dafür zwei Spiele mehr im Paket haben. „Wir reden da also von einem Spiel. Außerdem gibt es dafür auch noch eine kleine Aufmerksamkeit vom Verein obendrauf“, sagt der 70-Jährige.

Reise nach Velenje schon geplant

Dass es für seinen Verein wahrscheinlich auch per Wildcard nicht für die Champions League reicht, nimmt er gelassen und hofft: „Durch die Reformation der Champions League wird sich auch die Attraktivität der neuen European League, wie der EHF-Cup ja zukünftig heißt, ändern. Da sind jetzt viel mehr Top-Gegner dabei, was auch das Interesse der Fans erhöht und die Halle voller macht. Vorausgesetzt natürlich, wir dürfen irgendwann wieder vor Zuschauern spielen.“

Stolz berichtet Reichert, dass er selbst seit 1996 bei jeder Reise im Europacup dabei war. „Da habe ich große Spiele mit der Krönung des Champions-League-Sieges 2002, aber auch Enttäuschungen wie 1999 das Aus im Achtelfinale gegen Braga erlebt“, erinnert sich der Unternehmer. Die Reise zum ursprünglich für den 18. März vorgesehenen Spiel in Velenje war auch schon fest eingeplant. Reichert: „Obwohl wir im EHF-Cup noch eine realistische Titelchance hatten, wäre es nicht gut gewesen, mittels Geisterspielen im Juni weiterzumachen.“

SCM hat personelle Weichen gestellt

Weil bei den Spielern dann die Kurzarbeit entfallen und Kosten rund um die Spiele anfallen würden, während es andererseits keine Zuschauereinnahmen gibt, hätte das pro Spiel wohl eine sechsstellige Summe an Verlust bedeutet. Reichert: „Das können wir mit den paar Euros an TV-Geldern nicht kompensieren.“

Angesichts der Corona-Krise ist Reichert froh, dass beim SCM die personellen Weichen für die neue Saison schon gestellt sind. „Aktuell müssen ja alle rechnen. Da sind Transfers wohl in der gesamten Bundesliga eher zweitrangig. Aber wir haben eine gute Mannschaft zusammen, die uns als Fans und Sponsoren in der neuen Saison viel Spaß machen kann und wird“, sagt Reichert.

 

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