Magdeburg l Wenn in der Kabine die Musik aufgedreht wird und der Torwart davor ein Interview nach dem anderen gibt, dann muss man über den Ausgang eines Spiels nicht lange rätseln. 28:23 (16:14) hieß es am Donnerstag für den SC Magdeburg bei der MT Melsungen zum Saisonauftakt der Handball-Bundesliga. Auch, weil Jannick Green einen Sahnetag zwischen den Pfosten hatte.

„Das erste Spiel einer Saison ist immer besonders speziell. Keiner weiß genau, wo er steht“, sagte der Torhüter. „Und wenn du dann auch noch nach Melsungen musst, sind das zwei richtig schöne Punkte. Melsungen gehört schließlich zu den stärksten Mannschaften in der Liga. Für uns absolute big points.“

Verantwortung lag auf Green

Es lastete eine Menge Verantwortung auf dem Dänen. Durch den Hexenschuss von Dario Quenstedt gingen die Magdeburger mit einem Handicap ins Spiel. Eine Formschwäche konnte sich Green nicht leisten. Er musste 60 Minuten lang funktionieren – und er funktionierte, kassierte gegen das Top-Team aus Melsungen in der zweiten Halbzeit lediglich neun Tore. Green: „Da waren wir in der Abwehr überragend. Und über die Situation im Tor habe ich mir auch gar nicht so viele Gedanken gemacht.“ Nachwuchs-Mann Phil Döhler „hatte schließlich im Training gezeigt, dass er seine Sache im Tor gut machen kann, wenn es darauf ankommt“.

Dazu kam es aber nicht. Dass Green nach dem Seitenwechsel im Tor genau vor dem Melsungener Fanblock stand, motivierte ihn. Von Parade zu Parade wurde es hinter seinem Tor immer ruhiger und auf der Magdeburger Bank vor Freude immer frenetischer. Nach der Schlusssirene wurde daraus ein großes Freudenknäuel.

Taktischer Plan

Die absolut überzeugende Vorstellung des SCM resultierte auch aus einem perfekten taktischen Plan des Trainers. Mit Tempo in den Angriff. Und so kompakt in der Abwehr, dass Melsungens Rückraum-Kanonier Julius Kühn gerade mal ein Törchen gelang. Da bekam Bennet Wiegert sogar von Melsunger Fans anerkennendes Schulterklopfen. Den Fotowunsch mit dem Pokal für die Auszeichnung als „Kretzsche des Jahres“, mit der TV-Experte Stefan Kretzschmar den SCM-Coach für die vergangene Saison ehrte, erfüllte Wiegert natürlich auch. „Obwohl mich dieser Pokal derzeit am wenigsten interessiert. Andere Pokale aus der letzten Saison wären mir wichtiger gewesen.“

Im Hier und Jetzt hatte Wiegert auch ein Lob für seinen Torhüter parat: „Unglaublich, was er nach der Pause alles gehalten hat. Wir hatten einige Phasen drin, in denen wir länger kein Tor geworfen haben und das Spiel hätte kippen können. Aber hinten haben wir kaum etwas zugelassen.“

Gut gelaunt ins Wochenende

Selbst eine Vollsperrung auf der Autobahn und die dadurch verlängerte Rückfahrt konnte den Magdeburgern die Laune nicht verderben. Green: „Nach einem Sieg hält man im Bus auch länger aus. Da wird Musik gehört und werden sich lustige Sachen erzählt. Da kommt man nach einem anstrengenden Spiel schnell runter.“

Erst gegen 1.30 Uhr war Green wieder zu Hause – und konnte auch nicht lange schlafen. „Meine Kinder sind vier und sieben Jahre alt. Da muss man als Papa früh aus dem Bett.“ Und weil erst Montag wieder trainiert wird, ist ein gut gelaunter Papa Green das ganze Wochenende für die Familie da.

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