Magdeburg l Der Anlass war ein besonderer. Und natürlich war das Haus entsprechend geschmückt. Jannick Greens Ehefrau hatte Ende September 2018 in der ganzen Wohnung dänische Landesflaggen aufgehängt. So gehört sich das nun einmal, wenn Geburtstag gefeiert wird. „Ich kenne das gar nicht anders“, erzählt der Torhüter des SC Magdeburg.

Jannick Green ist am 29. September 30 Jahre alt geworden. Und die Tradition in seinem Heimatland will es so, dass zum Jahrestag das ganze Haus mit Flaggen verziert wird. „Wir sind halt sehr, sehr dänisch“, sagt er schmunzelnd. Daran haben auch vier Jahre in Magdeburg nichts geändert.

Seit 2014 hütet Jannick Green das Tor des SCM in der Handball-Bundesliga. Und noch nie war der Däne so wertvoll wie heute. Die Liga führt den 30-Jährigen aktuell als Nummer eins im Torwart-Ranking. 93 Paraden werden dort für Green ausgewiesen, das ist mit klarem Abstand der Bestwert vor Nikolas Katsigiannis vom HC Erlangen.

Green selbst hat mit der Auswertung allerdings so seine Probleme. „Die Statistiken der Liga sind ganz oft nicht richtig“, sagt er. Deshalb schaut er sich jedes Spiel im Nachhinein noch einmal an, wertet daraus seine eigenen Statistiken aus. Und so kommt er nach zehn Bundesliga-Partien zu einem durchaus überraschenden Resümee: „Ein paar Spiele waren gut, ein paar nicht. Es ist okay bisher. Aber ich war insgesamt zu unkonstant.“

Das klingt freilich ein bisschen nach Understatement. Green ist beim Tabellenzweiten einer der unumstrittenen Leistungsträger, glänzte in dieser Saison immer wieder und wird auch am Mittwoch beim Pokalgastspiel beim Liga-Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt eine zentrale Figur sein.

Enormer Ehrgeiz

Doch Greens Ehrgeiz, sich weiter zu verbessern, ist enorm. Und der Unterschied zwischen einem guten Torhüter und einem sehr guten, davon ist Jannick Green überzeugt, ist eben genau diese Konstanz. „Es gibt Torhüter, bei denen du weißt, dass sie, wenn es eng wird im Spiel, einfach da sind.“ Der spanische Nationaltorwart Arpad Sterbik sei so ein Beispiel. Oder Thierry Omeyer, der französische Schlussmann. Aber er selbst? „Da waren einige gute Sachen dabei. Aber wenn die Frage ist, ob ich zufrieden bin, dann bin ich es nicht.“

Vielleicht ist genau das die Einstellung, die es braucht, um die absolute Weltspitze zu erreichen. Dort ist Jannick Green schon lange angekommen, er ist Olympiasieger mit Dänemark, Vize-Weltmeister, Vize-Europameister.

Und seine Erfahrung gibt er inzwischen auch an die Jugend weiter. Seit 2014 veranstaltet er gemeinsam mit Niklas Landin, dem Torhüter des THW Kiel und der Nummer eins im dänischen Tor, ein Nachwuchs-Camp. Junge Keeper zwischen 14 und 18 Jahren lernen während der Sommerferien von den beiden Nationaltorhütern. „Es gab in Dänemark vorher überhaupt kein Torwart-Camp“, erzählt Green. „Wir trainieren dort von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends zusammen. Ob die Jungs gut oder schlecht sind, ist egal, Hauptsache, sie sind mit Spaß dabei.“

Dieser Spaß treibt auch Jannick Green an. In Magdeburg ist er aktuell unumstritten. In der Nationalmannschaft aber steht er immer ein wenig im Schatten von Landin. Eine Rivalität, die allerdings nicht in eine menschliche umschlägt. „Niklas und ich können unglaublich gut miteinander“, erzählt Green. „Wir haben im Verein zusammen gespielt, wir feiern jedes Jahr Silvester zusammen. Und wir veranstalten das Camp.“

Doch mit Blick auf die WM in Januar ist Landin dann eben doch ein Konkurrent. Das Turnier wird in Deutschland und Dänemark ausgetragen – Heim-WM also im doppelten Sinn. „Da will jeder spielen“, sagt Jannick Green. Und mit jedem guten Spiel im SCM-Tor steigen die Chancen darauf, dann die Nummer eins zu sein.