Magdeburg l Justus Kluge und Magdeburg, das ist eine Verbindung, die sich nicht so leicht kappen lässt. Beziehungsweise: bislang nur auf Zeit. So auch dieses Jahr, als der Handballer, der die vergangene Saison bei den Profis des SC Magdeburg bestritten hat, mit seiner Familie an die Ostsee gereist ist. „Ich fahre nicht gerne weit weg, das ist mir zu anstrengend“, sagt Kluge und grinst. Viel lieber bleibe er eben in Magdeburg. Dementsprechend hat er sich nach seiner Profi-Saison auch dazu entschlossen, bei den Youngsters, der Reserve des SCM, in der 3. Liga Nord weiterzuspielen. „Ansonsten hätte ich mich auch schon längst um etwas kümmern müssen. Ich will aber vorerst hierbleiben“, betont Kluge.

Bundesliga war tolle Erfahrung

Der 21-Jährige hat die zurückliegende Saison in vollen Zügen genossen. Die Duelle gegen Spitzenclubs wie den THW Kiel, die Reise im EHF-Cup nach Porto sowie das Pokal-Wochenende in Hamburg. „Es war einfach eine tolle Erfahrung für mich. Wenn wir den DHB-Pokal gewonnen hätten, das wäre natürlich der Hammer gewesen. Wenn das jetzt quasi in meinem Lebenslauf stehen würde …“, schmerzt Kluge die verpasste Titel-Chance trotzdem noch ein bisschen. Unterm Strich, hebt er jedoch hervor, „habe ich mich sportlich und charakterlich weiterentwickelt“.

24 Einsätze und zwei Tore

Sein Sprung zu den Profis war von Beginn an zeitlich begrenzt. Durch den Kreuzbandriss von Lukas Mertens fehlte auf Linksaußen der Partner von Matthias Musche. Kluge rückte auf und kam auf 24 Einsätze sowie zwei erzielte Tore.

Mama immer dabei

Als Spieler aus der eigenen Jugend hatte er die volle Rückendeckung des Vereins. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, warum jetzt gerade ich bei den Profis spielen darf. Weder vor dem Trainer noch vor der Mannschaft oder den Fans. Im Gegenteil: Alle waren sehr herzlich zu mir, haben sich gefreut“, berichtet Kluge. Und die Familie stand sowieso voll hinter ihrem Sprössling. In der Getec-Arena verfolgte seine Mutter jedes Heimspiel, sein Vater legte sich ein Sky-Abo zu. „Die Verbundenheit bei uns zu Hause ist sehr groß“, sagt er.

Fünf Kilo zugelegt

Aber Kluge merkte auch schnell, dass in der Bundesliga alles „professioneller und von der Leistung her anspruchsvoller“ abläuft. Die erste Herausforderung für ihn war daher, an Gewicht zuzulegen. „Als Außenspieler triffst du jetzt zwar nicht auf die richtigen Brecher aus dem Innenblock, aber trotzdem musste ich, was Fitness und Kraft betrifft, zulegen“, erzählt er. Fünf Kilogramm hat er über die Saison draufgepackt. „Da musste ich mich tatsächlich zu der einen oder anderen Lachs-Stulle zwingen, von daher war das gar nicht so lustig“, sagt Kluge.

Und er wagte den Spagat zwischen Profis und Youngsters, „was von der Belastung her okay war“, aber andere Herausforderungen mit sich brachte. „Gerade das Torwart-Spiel ist enorm unterschiedlich, wenn man Youngsters und Bundesliga vergleicht“, erzählt er.

Schwierigkeiten bei den Youngsters

Habe er unter SCM-Trainer Bennet Wiegert gelernt, noch mehr in den Wurf zu investieren und aus der Sprunghöhe und -länge alles herauszukitzeln, um den Torhüter zu überlisten, klappte gerade das kurioserweise bei den Youngsters nicht. „Dort hat der Torhüter schneller gezuckt und dann habe ich sofort geworfen“, sagt Kluge und schüttelt den Kopf. „Deshalb war ich mit meiner Leistung bei den Youngsters nicht immer zufrieden. Ich hatte mir erhofft, das Gelernte besser einbringen zu können, und dann ist es mir teilweise schwerer gefallen, dort zu spielen.“

Medizinstudium geplant

Nach dem Sommer kehrt er nun trotzdem wieder zu der Ausbildungsmannschaft zurück. Dass er seinen sportlichen Werdegang somit etwas bremst, hat auch mit einem anderen Vorhaben zu tun. „Mein Plan, Medizin zu studieren, steht ja immer noch. Und das würde ich gerne auch hier in Magdeburg neben dem Handball betreiben“, erklärt er. Ein weiteres Jahr hat er sich erst einmal Zeit gegeben, um zu schauen, wo es ihn letztlich hinverschlägt. Denn die Medizin-Studienplätze sind deutschlandweit heiß begehrt.

„Da kann es auch sein, dass ich letztlich umziehen muss. Perfekt wäre es dann, wenn ich an dem Standort Handball und Studium vereinen könnte“, meint Kluge. Zutrauen würde er sich das: „Ich bin ja auch nicht den Weg über die Sportschule gegangen, sondern habe mein Abitur an einem ‚normalen‘ Gymnasium absolviert. Als diszipliniert würde ich mich deshalb schon bezeichnen.“

Ein Jahr lang wird er seine Handballschuhe aber auf jeden Fall noch in Magdeburg schnüren. „Ich hoffe natürlich, dass alle gesund bleiben. Aber wenn ich oben gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung“, sagt Kluge. Dafür würde er mit Sicherheit auch noch einmal die zusätzlichen Lachs-Stullen in Kauf nehmen.

www.volksstimme.de/scm