Magdeburg l Beim TV-Sender Sky sind heute noch einmal die Highlights der Spiele des SC Magdeburg in der inzwischen abgebrochenen Handball-Bundesligasaison zu sehen. Die Heimsiege gegen Kiel und Flensburg waren natürlich spektakulär. Aber mit den zwei Siegen gegen Nantes im EHF-Cup haben die Grün-Roten echte internationale Klasse bewiesen und ernsthafte Ansprüche angemeldet, dass in diesem Wettbewerb in dieser Saison was gehen kann. Diese Hoffnungen sind bekanntlich am vorigen Freitag durch den Abbruch geplatzt. Der Frust darüber ist aber immer noch riesengroß.

EHF-Cup verdient mehr Wertschätzung

„Ich respektiere natürlich diese Entscheidung, aber ich hätte mir mehr Wertschätzung für den EHF-Cup gewünscht. Dass in der Champions League ein Final-Four-Turnier stattfindet und dafür vier Teams gesetzt wurden, unser Wettbewerb aber abgebrochen wurde, ist so richtig nicht nachzuvollziehen“, sagt SCM-Trainer Bennet Wiegert mit einer gehörigen Portion Enttäuschung in der Stimme. Verständlich. Im Vorjahr sind die Magdeburger schon vor der Gruppenphase am FC Porto gescheitert und somit frühzeitig ausgeschieden. Jetzt der Abbruch. Wiegert: „Eine Saison lang haben wir um das Ticket für den EHF-Cup gekämpft und waren mit vier Siegen aus vier Spielen in unserer Gruppe gut dabei.“

Zu strenge Auflagen in Berlin

Aufgrund der klaren Tabellenführungen von Benfica Lissabon (Gruppe A), den Rhein-Neckar Löwen (B), dem SCM (C) und einem Gastgeber-Bonus für die Füchse (D) hätte man eigentlich auch ein gerechtfertigtes Teilnehmerfeld für ein Final Four im EHF-Cup gehabt. Doch in Absprache mit den Füchsen wurde auf eine erneute Verlegung verzichtet. „Die EHF hat sich gemeinsam mit den Füchsen Berlin sehr um einen weiteren Termin bemüht. Das Land Berlin untersagt allerdings Veranstaltungen mit vielen Zuschauern bis Ende Oktober. Das hat letztendlich eine Organisation, auch angesichts des absehbar dichten Kalenders in der Saison 2020/21, unmöglich gemacht“, erklärt die EHF auf Nachfrage der Volksstimme.

Ob die neugeschaffene European Handball League wie erhofft über die Bühne gehen kann, ist aufgrund der Corona-Krise derzeit auch schwer abzuschätzen. Dort soll künftig in vier Gruppen mit jeweils sechs Teams gespielt werden und die ersten vier jeder Gruppe ziehen ins Achtelfinale ein. SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt: „Dieser Modus garantiert in der Gruppe zehn Spiele, was den Clubs natürlich schon ein bessere Planungssicherheit gibt.“

Champions League vergibt Wildcards

Oder gibt es sogar die Möglichkeit, durch die Hintertür in die Champions League zu kommen? Wiegert: „Auf die Champions League habe ich immer Bock und würde mich nicht dagegen wehren.“ Und im Vorjahr haben sich Magdeburgs Handballer ja auch um eine Wildcard für die Königsklasse bemüht. Schmedt: „Um uns damit ernsthaft zu befassen, ist es noch zu früh. Da müssen wir erst einmal die weiteren Entwicklungen abwarten. Denn noch gibt es im Handball viel zu viele Unwägbarkeiten.“

Durch den Abbruch der laufenden EHF-Cup-Saison könnten die Magdeburger aber schon ein bisschen Druck auf den europäischen Verband ausüben. Der hat aber bekanntlich auch für die Champions League einen neuen Modus geschaffen. Dort sind künftig nur noch 16 Mannschaften in zwei Ach-tergruppen dabei.

EHF tagt Ende Juni

Deutschland hat bisher zwei feste Tickets (Kiel und Flensburg). Da dürfte eine zusätzliche Wildcard derzeit eher unrealistisch sein. „Wir warten etwaige Anträge des jeweiligen Nationalverbandes ab, und dann wird die EHF-Exekutive eine entsprechende Entscheidung treffen. Aber es ist grundsätzlich nicht vorgesehen, dass mehr als zwei Clubs eines Landes an der neuen Champions League teilnehmen“, erklärte die EHF auf Nachfrage und verwies auf die entsprechende Sitzung der EHF-Exekutive am 26. Juni.

Offen ist natürlich, ob nach der Corona-Krise auch wirklich alle infrage kommenden Länder noch Interesse an einer Wildcard haben und die betreffenden Clubs auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen mitbringen.