Magdeburg l Eigentlich muss Christian O’Sullivan auf die Frage, wie es ihm denn geht, gar nicht antworten. Man sieht es dem Kapitän des SC Magdeburg nämlich an. „Müde“, sagt er dennoch und lächelt. Seit Sonntagabend ist er zurück in Magdeburg, einen Tag zuvor stand er noch mit Norwegen im Spiel um Platz drei bei der Handball-Europameisterschaft in Stockholm auf dem Feld. „Ich hätte gerne noch eine Woche Pause, das ist jetzt aber nun mal nicht drin“, sagt O’Sullivan, der schon in drei Tagen mit dem SCM gegen Flensburg antritt. „Den Flensburger Spielern geht es ja genauso. Jetzt ist es wichtig, sich schnell wieder beim Verein einzufinden.“ Aus Erfahrung mutmaßt er: „Die erste Woche wird die schlimmste.“

Und damit meint der 28-Jährige nicht nur die körperliche Belastung. „So ein Turnier ist auch mental unheimlich anstrengend“, betont er. Das kleine Finale, in dem er sich mit seiner Nationalmannschaft die Bronzemedaille sicherte, war ja nur der Schlusspunkt dreier ereignisreicher Wochen. „Du hast so viel erlebt, viele Eindrücke gesammelt, dann geht es emotional auch hoch und runter“, erzählt O’Sullivan, „hinzu kommen die ganzen Nachrichten und Presseanfragen. Zudem waren wir ja auch die ganze Zeit im Hotel, es gab fast immer Hähnchen oder Pasta. Das hast du irgendwann satt.“

Direkt zurück nach Magdeburg

Auch deshalb sei er nach Turnierende direkt nach Magdeburg zurückgekommen, um etwas Abstand zu gewinnen und Ruhe zu haben.

Zuvor, das ist ja klar, wurde aber gefeiert. „Wir sind unheimlich stolz auf den dritten Platz“, sagt O’Sullivan, fügt aber auch gleich an: „Es war mehr drin.“ Die Norweger waren bis zum Halbfinale ohne Niederlage, trafen dann auf Kroatien um SCM-Kreisläufer Zeljko Musa. „Da verlieren wir ein Spiel nach 80 Minuten mit einem Tor – und der Traum von Gold ist geplatzt“, fasst O’Sullivan die dramatische Partie zusammen. Es sei einfach Wahnsinn gewesen, „der Unterschied war so gering. Kroatien war einfach ein kleines bisschen besser“. Und ausgerechnet Musa entschied mit seinem Treffer zum 29:28 die Begegnung.

Blick richtet sich wieder nach vorn

„Wir haben danach kurz gesprochen. Ich hatte gehofft, dass er mit der Goldmedaille nach Magdeburg zurückkommt“, sagt O’Sullivan. Allerdings hielt sich die Überraschung bei ihm darüber, dass Kroatien letztlich Silber holte, in Grenzen. „Das Halbfinale gegen uns hat sie enorm viel Kraft gekostet. Ich habe es ja selbst in den letzten 20 Minuten gemerkt, wir konnten einfach nicht mehr. Und Kroatien wechselt ja noch weniger als wir.“

Doch so bitter das auch ist: Die EM ist schon wieder Geschichte, der Blick richtet sich sofort nach vorn. Dem SCM steht im Februar ein Programm bevor, das sich gewaschen hat. Acht Spiele haben O’Sullivan und Co. vor der Brust. Daneben gilt es den verletzungsbedingten Ausfall von Spielmacher Marko Bezjak abzufangen. „Für uns wird das unheimlich schwer, denn wir können ihn nicht eins zu eins ersetzen“, stellt O’Sullivan klar. Doch an dem ausgegebenen Ziel Titelgewinn hat sich deshalb nichts verändert. „Es ist einiges drin, wir liegen in der Bundesliga nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter THW Kiel.“

Es bleibt also dabei: Eine Verschnaufpause gibt es nicht. O’Sullivan hat sich damit arrangiert und eigene Lösungen gefunden. „Meine Freundin und meine Eltern haben mich bei der EM begleitet. So denkt man nicht immer nur an Handball.“