Magdeburg l Es war ein Problem, mit dem Albin Lagergren so gar nicht gerechnet hatte. Als der Schwede vor einigen Wochen nach Magdeburg zog und das erste Mal seine Wohnung in Augenschein nahm, stand er vor einer völlig unerwarteten Baustelle. „Ich habe ein sehr schönes Appartment und fühle mich auch sehr wohl dort“, erzählt der Handballer des SC  Magdeburg. „Aber eine der ungewöhnlichsten Sachen, an die ich mich in Deutschland gewöhnen musste, ist, dass in den Wohnungen keine Küchen eingebaut sind. Das kenne ich aus Schweden überhaupt nicht. Vier, fünf Wochen“, schätzt Lagergren, „wird es noch dauern, bis ich eine Küche habe. Bisher steht da nur ein kleiner Kühlschrank.“

Viele Herausforderungen

Wer schon einmal im Ausland gelebt hat, kennt das: Es sind mitunter die ganz unerwarteten Dinge, die einen vor Herausforderungen stellen. Nicht anders ergeht es Albin Lagergren, dem Neuzugang des SCM. Wobei ihm freilich auch die ganz offensichtlichen Hindernisse noch Probleme bereiten: die Sprache etwa. „Ich habe angefangen, Deutsch zu lernen, hatte bisher aber erst vier Stunden“, erzählt er.

Rein sportlich ist der Schwede dagegen schon ein ganzes Stückchen weiter. Wirkte er in der Saisonvorbereitung als damals einziger Neuzugang zum Teil noch als Fremdkörper im rechten Rückraum, hat er sich inzwischen bemerkenswert in die Mannschaft intergriert. Trainer Bennet Wiegert ist zufrieden mit der Entwicklung, sagt aber auch: „Ich glaube, dass wir von Albin sogar noch sehr viel mehr erwarten können. Er ist immer noch sehr introvertiert, auch innerhalb der Mannschaft. Deshalb glaube ich, dass er noch lange nicht das gezeigt hat, was er kann.“

Lagergren ist zurückhaltend

Wer Albin Lagergren kennen lernt, erlebt tatsächlich einen überaus zurückhaltenden Menschen, der Schwede spricht sehr leise – und bisher auch nur englisch. „Auf dem Feld funktioniert es trotzdem“, sagt der 25-Jährige, „weil wir uns da viel mit Gesten verständigen.“ Und im Handball-Kontext, also im Training oder bei Auszeiten im Spiel, verstehe er die Ansagen des Trainers.

Der Charakter des Schweden korrespondiert auf gewisse Weise aber auch mit seiner Spielweise. Lagergren ist 1,86 Meter groß und schon deshalb keiner dieser Scharfschützen aus dem Rückraum, die aus neun oder zehn Metern Tore erzwingen. „Meine Art Handball zu spielen, ist es, den Ball laufen zu lassen, auch selbst den Abschluss zu suchen, wenn es sich ergibt. Aber meine größte Qualität ist es, meine Mitspieler in Szene zu setzen. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, Gegenstöße mit einzuleiten“, betont Lagergren.

Wiegert ist überzeugt

Genau deshalb war Wiegert überzeugt, mit dem Schweden den richtigen Spieler gefunden zu haben. „Wir haben sehr genau gescoutet und sind überzeugt, dass er perfekt in unser Spielsystem passt“, sagt der Trainer. Sprich zur Philosophie des bedingungslosen Tempo- und Mannschaftsspiels, das sich weniger stark über den Positionsangriff und damit die Wucht der Rückraumschützen definiert. Zu diesem System passt Lagergren. Wiegert drückt es so aus: „Wenn Albin zehn Zentimeter größer wäre, hätten wir ihn gar nicht bezahlen können, dann würde er ganz woanders spielen, in Barcelona oder bei einem anderen internationalen Top-Team.“

Doch mit seiner Körpergröße und im Vergleich eher geringeren Physis passt der Nationalspieler eben nicht ins Beuteschema aller. Zwölf Tore hat er in den drei Saisonspielen in der Liga erzielt, das ist gerade einmal Platz 30 in der Torjägerliste. Aber: Lagergren hat auch zwölf direkte Vorbereitungen zu Buche stehen – das ist Rang vier ligaweit. Und wenn man weiß, dass in dieser Statistik Lagergrens Nebenmann Marko Bezjak mit 15 Assists auf Platz eins der Bundesliga steht, ist es Beleg für die mannschaftsdienliche Orientierung, mit der im SCM-Rückraum agiert wird.

Wichtige Rolle im Spielsystem

In diesem Spielsystem nimmt Albin Lagergren schon jetzt eine wichtige Rolle ein. Beruflich läuft es also. Und das hilft, auch privat noch besser in sein neues Leben hineinzufinden.

Seit einigen Tagen, so erzählt Lagergren, ist auch seine Freundin bei ihm in Magdeburg. Nun braucht der Zweier-Haushalt nur noch eine vernünftige Essens-Versorgung. Bis dahin helfen Daniel Pettersson und Christian O‘Sullivan, die beiden Teamkollegen, die Lagergren aus Verein und Nationalmannschaft bereits vorher kannte. Und wenn dann endlich eine eigene Küche da ist, dann wird er sich revanchieren. Er selbst. Denn: „Ich bin definitiv der bessere Koch als meine Freundin.“

Der SC Magdeburg empfängt am Sonntag in der Handball-Bundesliga den Bergischen HC (16 Uhr).

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