Köln/Magdeburg (rl/SID) l Die Uhr tickt unerbittlich, die prominenten Zweifler werden immer lauter. Doch noch ist Aufgeben keine Option für die Handball-Bundesliga. Das Präsidium setzte nun eine letzte Frist. „Wir fangen spätestens am 16. Mai wieder an“, sagte HBL-Chef Frank Bohmann nach einer Abstimmung mit den Vereinschefs und ergänzte, dass über den 30. Juni hinaus die Saison „auf keinen Fall“ fortgesetzt werden könne.

In einer Videokonferenz hatten gestern Clubs und Ligaverband das Vorgehen in der Corona-Krise diskutiert. Nach den nächsten Entscheidungen der Bundesregierung, die bislang ein Kontaktverbot bis zum 20. April beschlossen hatte, wird die HBL „kurzfristig“ beschließen, wie es endgültig weitergeht, sagte Bohmann.

Gensheimer gegen Geisterspiele

Ein Funke Hoffnung besteht also noch, doch Teile der Handball-Szene hegen immer größere Zweifel an einer Fortsetzung der Saison. „So wie es momentan der Fall ist, sieht es eher nicht danach aus“, sagte Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer bei Sport1. Wenn, wären wohl nur Geisterspiele eine Option – „und da hat keiner Lust drauf“, sagte Gensheimer.

Kretzschmar ist skeptisch

Auch bei den Berliner Füchsen ist man skeptisch. „Die Hoffnung ist nach wie vor da, wie hoch sie ist, können wir alle an einer Hand abzählen, sie ist relativ gering“, sagte Sportvorstand Stefan Kretzschmar und ergänzt: „Wir werden noch bis zum 20. April abwarten, danach muss eine Entscheidung fallen.“ Offiziell ist die Spielzeit vorläufig bis zum 23. April ausgesetzt.

Sollte der Betrieb allerdings doch weitergehen, dann müsste spätestens ab dem 16. Mai gespielt werden. „Dann allerdings nur mit sogenannten Geisterspielen. Das ist natürlich alles andere als schön“, sagte Kretzschmar bei einem Fantalk auf der Facebookseite der Füchse. Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt vom TVB Stuttgart äußerte sich ähnlich. Balingens Coach Jens Bürkle betonte dagegen, dass er aus sportlicher Sicht für einen Abbruch plädieren würde.

Wiegert will noch abwarten

Kretzschmar hält dagegen einen sofortigen Saisonabbruch für verfrüht. So denkt man auch beim SCM. Trainer Bennet Wiegert: „Ich halte es für besser, wenn wir noch abwarten. Denn es macht ja keinen Sinn, jetzt schon etwas zu entscheiden, obwohl keiner genau weiß, wie sich alles entwickelt. Die allgemeinen Ausgangsbeschränkungen sind derzeit bis 20. April angeordnet. Das sollte für uns der Stichtag sein, dann auch eine endgültige Entscheidung zu treffen.“

Verlust von rund 25 Millionen

In diese Entscheidung spielt mit großer Priorität dann natürlich auch die wirtschaftliche Betrachtung rein. Bohmann bezifferte den Schaden durch die Corona-Krise für die erste und zweite Liga zuletzt auf rund 25 Millionen Euro. „Das ist für Handball ein dickes Brett“, sagte er den Zeitungen der Funke-Medien-Gruppe. Insolvenzen halte er „in dieser Saison zwar nicht mehr für wahrscheinlich, aber auch die nächste Spielzeit wird ein Kraftakt".

Dass die HBL allen Clubs der 1. und 2. Bundesliga die Lizenz für die kommende Saison erteilt hat, sollte „ein positives, motivierendes und absolut notwendiges Zeichen" sein. Trotzdem dürften die wirtschaftlichen Folgen langfristig sein.

Bei Abbruch keine Absteiger

Ursprünglich war der 14. Mai als letzter Spieltag geplant. Jetzt muss es spätestens zwei Tage später wieder losgehen. Sollte dieser Termin nicht gehalten werden können, würde Kretzschmar die noch laufende Spielzeit nicht werten lassen. „Für einige Vereine wäre das hart, aber das wäre das Allerfairste“, meinte der frühere Magdeburger.

Bezüglich eines Saisonabbruchs gibt es auch schon erste Pläne. Dann soll es keine Absteiger, sondern lediglich Aufsteiger geben. Darauf verständigte sich die HBL mit dem Deutschen Handballbund und der Handball Bundesliga Frauen. Ob es einen Meister gibt und wer sich für den Europacup qualifiziert, ist noch offen.