Magdeburg l Nach dem Spielende brachen alle Dämme. Die Mannschaft tanzte wild und freudetrunken um Robert Weber herum, der kleine Österreicher reckte immer wieder die Hände gen Dach der Max-Schmeling-Halle. Die mitgereisten SCM-Fans hatten da längst das Kommando auf den Rängen übernommen und skandierten Webers Name. Bennet Wiegert, der nur zu gern betont, wie wichtig die Mannschaft ist, tätschelte seinem Rechtsaußen immer wieder den Kopf. Auch der SCM-Trainer wusste, dass der SCM diesen 30:29 (17:16)-Sieg im DHB-Pokal-Viertelfinale bei den Füchsen Berlin ganz maßgeblich Weber zu verdanken hatte. Im Tempogegenstoß, von außen mit Wucht oder per Trickwurf und sicher wie lange nicht mehr vom Siebenmeterpunkt war das SCM-Urgestein zur Stelle, erzielte 14 Tore und glänzte mit einer 100-prozentigen (!) Wurfquote.

„Ich habe zwar mal auf die Tafel geschaut, es ist aber egal, wer für uns die Tore wirft. Wichtig war, dass wir das Ticket nach Hamburg lösen“, sagte Weber betont bescheiden nach den nervenaufreibenden 60 Minuten. Zum dritten Mal seit 2015 löste der SCM mit dem Sieg in Berlin das Ticket zum Final Four am 5./6. Mai in Hamburg. Im Halbfinale trifft der SCM auf die Rhein-Neckar Löwen, im zweiten Semifinale stehen sich zuvor der TSV Hannover-Burgdorf und die HSG Wetzlar gegenüber.

Oft wurde im Vorfeld des Pokalspieles an die Bundesliga-Partie des SCM am zweiten Weihnachts-Feiertag erinnert. Da scheiterte Weber mit einem Siebenmeter an Füchse-Keeper Silvio Heinevetter, vergab den möglichen Sieg und musste sich obendrein einige Provokationen gefallen lassen. Nach dem Kampfsieg am Mittwochabend waren beide Spieler bemüht, diese Szene auszublenden. „Pokal ist Pokal, Liga ist Liga. Robert hat oft genug bewiesen, dass er ein Top-Spieler ist“, lobte Heinevetter den Magdeburger Angreifer.

Schon während der Partie klatschte der Füchse-Torwart Weber angesichts seiner Wurf-Varianten anerkennend Applaus. Auch Weber war am Ende eines erneut emotionalen Spiels um Sachlichkeit bemüht: „Na klar, ich hatte eine etwas unglückliche Erinnerung an das Spiel im Dezember. Das gehört aber im Handball dazu. Umso mehr freut mich, dass diesmal im Fuchsbau mein Name gerufen wird“, sagte Weber.

Nach dem Fehlwurf im Dezember und einer ernüchternden EM im Januar war Weber nur schwer in Tritt gekommen, ließ sich auch vom „Flow“ des SCM (jetzt 13 Spiele ungeschlagen) nicht anstecken. „Robert hatte in den letzten Wochen keine leichte Phase und auch nicht immer gute Spiele. Aber das ist so egal. Im wichtigsten Spiel war er voll da: Er ist der absolute Matchwinner, gewinnt fast im Alleingang“, freute sich Linksaußen Matthias Musche. Der Ex-Nationalspieler erwischte im Gegensatz zu Weber nicht seinen besten Tag und war deshalb doppelt froh, am Ende als Gewinner die Heimfahrt anzutreten. „Wir wollten unbedingt nach Hamburg. Ich bin sehr erleichtert, denn ich habe hier nach allen Regeln der Kunst verkackt und bin wirklich froh, dass meine Mannschaft mir den Arsch gerettet hat“, sagte Musche.

Aufgefangen hat Robert Weber neben Trainer und Mannschaft in der schweren Startphase 2018 seine Familie. „Mit ihr habe ich viel über die Situation geplaudert. Das tat gut“, sagte Weber, der sich am freien Donnerstag seinem Sohnemann Lio widmete und stolz ein Bild bei Instagram postete. Trotzdem ging der Blick auch schon voraus. „Ich freue mich mega, kann es kaum erwarten, dass wir wieder in Hamburg dabei sind. Den Einzug in die EHF-Cup-Finalspiele lassen wir uns auch nicht mehr nehmen. Dafür trainieren und spielen wir das ganze Jahr.“ Und schon am Sonntag (12.30 Uhr, Getec-Arena, live auf Sky) wartet in der Bundesliga mit dem THW Kiel das nächste Top-Spiel. „Wir werden uns weiter auch genauso auf die Liga konzentrieren und gucken nach oben“, verspricht „Mr. 100 Prozent“ Robert Weber.

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