Magdeburg l Weite Wege können für Piotr Chrapkowski nicht weit genug sein. Stolz erzählt er immer noch über seine Sechs-Tage-Tour vor einigen Jahren auf den 5895 Meter hoch gelegenen Gipfel des Kilimandscharo. Und wenn sich auf der Handball-Platte bei schnellen Gegenstößen der Raum bietet, dann sprintet „Chrapek“ auch gerne vom eigenen zum gegnerischen Kreis mit. Auf diese Mitlaufgelegenheiten hofft Chrapkowski natürlich auch am Sonntag, wenn er mit dem SCM bei den Füchsen in Berlin (14.05 Uhr, live auf Sky und im MDR) ran muss.

90 Treffer in der Bundesliga

Gegen Leon machte der Pole ein Tor, zuvor gegen Velenje gelangen ihm zwei Treffer. In der Bundesliga hat Chrapkowski bisher 90 Mal über eigene Tore gejubelt. In der aktuellen Saison steht er bei zwölf Treffern. Zuletzt gegen Hannover war er drei Mal erfolgreich.

Spektakulär dabei vor allem sein Tor zum 16:13, als er beim Gegenstoß einen Turbogang einlegte und fast mit der Pausensirene traf. Und als Matthias Musche nach der Pause scheiterte, war Chrapkowski mitgelaufen und netzte den Abpraller ein. „Ich fühle mich richtig gut. Da wir mit Polen bei der EM leider schon in der Vorrunde ausgeschieden sind, war ich früh in Magdeburg zurück und konnte die Bundesligapause auch noch zum intensiven Training nutzen. Da bin ich viel gelaufen und habe an meinem Körper gearbeitet“, erzählt der Abwehrspieler.

Trotz seiner 2,03 Meter Körpergröße muss er am Sonntag an einem Gegenspieler sogar hochschauen. Die Füchse haben nämlich am Mittwoch Dainis Kristopans von Vardar Skopje verpflichtet. Der 2,15 Meter große Lette stellte schon das deutsche Nationalteam bei der EM vor einige Probleme. Da kommt also ein echter Riese auf den SCM zu. Dass Chrapkowski vorrangig dafür verantwortlich ist, am eigenen Kreis die Lücken zu schließen, hat auch mit seiner rechten Schulter zu tun.

Früher ein klassischer Torewerfer

In seiner Heimat war Chrapkowski früher sogar ein klassischer Torewerfer. Doch nach einer Operation und sieben Monaten Pause ist die Schulter eher hypermobil und machte gelegentlich Probleme. Chrapkowski: „Mir macht die Abwehrarbeit viel Spaß. Aber ich freue mich immer noch darüber, wenn ich auch selbst Tore werfen kann.“

Als er vor drei Jahren nach Magdeburg kam, war eines der großen Ziele, auch mit dem SCM in der Champions League zu spielen. Die hatte er 2016 mit Kielce sogar gewonnen. Nach Rang vier und drei müsste es dafür am Ende der laufenden Saison mit dem SCM aber Rang zwei in der Bundesliga werden. Noch ist im Rennen an der Tabellenspitze alles offen. Damit der SCM dabei auch weiterhin in Richtung Königsklasse schauen kann, müssen die Grün-Roten bei den Füchsen aber gewinnen. Doch die Berliner gehören nicht gerade zu den Lieblingsgegnern des SCM. In Serie gingen die letzten vier Spiele, eines davon im DHB-Pokal, verloren.

Offene Rechnung mit den Füchsen

Und Chrapkowski hat in Berlin auch noch eine Rechnung aus dem Hinspiel zu begleichen. Da wurde ihm sieben Minuten vor der Pause nach einem ganz normalen Zweikampf mit Paul Drux die Rote Karte gezeigt. Alle waren sich einig, dass das wohl eher eine Konzessionsentscheidung war, weil kurz zuvor Fabian Wiede ebenfalls höchst umstritten mit Rot von der Platte musste. Chrapkowski: „Das muss man akzeptieren. Und es nützt ja auch nichts, sich darüber aufzuregen.“ Da sich beim SCM auch noch Zeljko Musa verletzte, standen die Magdeburger ohne ihren gewohnten Abwehrblock da und verloren auch deshalb Ende November mit 27:29.

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