Magdeburg l Kaum war das Spiel in der Handball-Bundesliga beim HC Erlangen vorbei, ging es auf der Facebook-Seite des SC Magdeburg ordentlich in die Verlängerung. Die Fans diskutierten da fleißig über das 25:26 am Ostersonntag in der Nürnberg-Arena. Teilweise fundiert, teilweise überzogen. Deshalb hoffte Trainer Bennet Wiegert, dass seine Spieler nicht zu lange auf ihre Handys schauen und sich die Einträge zu sehr zu Herzen nehmen. Wiegert: „Manche Kritik geht mir einfach zu weit. Deshalb tut mir das leid für die Jungs, weil jeder von ihnen gewinnen wollte.“

Schlechte Wurfquote

Aber gegen Erlangen nicht ihr eigentliches Potenzial abrufen konnten. Dass Marko Bezjak lediglich zwei Treffer bei acht Wurfversuchen (eine Quote von 25 Prozent) gelingen, Michael Damgaard auf vier Tore bei neun Versuchen (44 Prozent) kommt und Matthias Musche nur fünf Tore bei neun Würfen (56 Prozent) wirft, ist natürlich angesichts ihrer Qualität ganz klar zu wenig.

Dass Damgaard auch selten das Risiko scheut, ist bekannt. Die Quote von Bezjak spricht dafür, dass er mehr als sonst selbst werfen musste, weil die Anspielstationen fehlten. Und Musche steckt eine lange Saison mit vielen Spielminuten schon zu sehr in den Knochen. Der Nationalspieler machte gegen Erlangen schon sein 55. Spiel seit dem Beginn der Vorbereitung.

Wiegert will Mertens schützen

„Er spielt eine Riesensaison. Da macht es mich traurig, dass dann alles so schnell nur negativ gesehen wird“, ärgerte sich Wiegert. Dass die Fans einen früheren Wechsel auf der Position des Linksaußen fordern, ist allerdings legitim. Auch wenn Wiegert hier in der Zwickmühle ist. Einen früheren Wechsel auf Lukas Mertens scheut er nämlich deshalb, weil er den 23-Jährigen nach seinem Kreuzbandriss nicht zu früh unter Druck setzen will.

Heiß diskutiert wurde auch darüber, ob Michael Damgaard dem Tempospiel des SCM immer guttut. Wird dem Dänen allerdings nicht gerecht. Schließlich wurde Damgaard zuletzt auch regelmäßig als Torschütze vom Dienst gefeiert. Wenn nichts mehr ging, dann traf der Däne. Und oft sogar entscheidend. In Erlangen blieb der mögliche Wurf zum Ausgleich allerdings in den Schlusssekunden in der gegnerischen Abwehr hängen.

Chrapkowski mit Handicap

Das mangelnde Tempo liegt eher daran, dass mit Albin Lagergren ein Schlüsselspieler durch seine Operation am rechten Fuß ausfällt. Und mit Piotr Chrapkowski ist ein wichtiger Mann für die Gegenstöße gehandicapt. Der Pole konnte mit seinen Problemen an der rechten Schulter nach der Pause gar nicht mehr spielen (siehe nebenstehender Artikel).

Auch überzogene Kritik

Einträge wie „Versager“ gehen deshalb in den sozialen Netzwerken eindeutig zu weit. Das frühe Aus im EHF-Cup gegen Porto bleibt eine absolute Enttäuschung. Und das verlorene Pokalfinale gegen Kiel ist ärgerlich, weil wie letzte Saison im entscheidenden Moment etwas fehlte. Aber viele Fans weisen bei der Diskussion auch darauf hin, dass der SCM immer noch auf Rang drei steht. Vor den Rhein-Neckar Löwen und den Füchsen, die beim Etat mit einigen Euros mehr planen können. Und Flensburg kassierte die bisher einzige Niederlage gegen den SCM.

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