Magdeburg l Ein spätes Siegtor und eine Fast-Schlägerei auf der Platte – das 26:25 (10:10) des SC Magdeburg gegen Melsungen war nichts für schwache Nerven. Als die Gastgeber in der mit 6600 Zuschauern ausverkauften Getec-Arena gestern Nachmittag mit 19:16 (44.) in Führung gingen, schienen die Grün-Roten eigentlich auf der Siegerstraße zu sein. Doch die Gäste kämpften sich zurück, ließen sich auch durch eine 25:23-Führung des SCM drei Minuten vor Schluss nicht verunsichern und glichen eine gute Minute vor Schluss aus.

Und was danach passierte, war absoluter Handball-Wahnsinn. Als die Uhr noch 41 Sekunden Spielzeit anzeigte, nahm SCM-Trainer Bennet Wiegert die letzte Auszeit. Während er seine Jungs einstellte, erhoben sich die Zuschauer und machten aus ihrer Halle den gefürchteten Hexenkessel. Und es ging Schlag auf Schlag. Kaum war der Ball wieder im Spiel, gab es eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Marino Maric für ein Foul an Albin Lagergren.

Wiegert setzte auf Damgaard und Bezjak

Während auf der Platte darüber heiß diskutiert wurde, holte Wiegert schnell Michael Damgaard und Marko Bezjak zur Seite. „Das war noch mal eine gute Möglichkeit, ein paar Dinge abzusprechen. Denn auf wen sich die Melsungener konzentrieren, war ja klar“, verriet Wiegert nach dem Spiel. Aber Damgaard legte den Ball clever auf Bezjak ab, der sich direkt am Kreis die Chance nicht entgehen ließ. Damgaard: „Als ich den Ball auf Bezo spielen konnte, war ich mir sicher, dass wir jetzt das Spiel gewonnen haben.“

Musche und Reichmann kurz vor der Prügelei

Danach blieben den Gästen noch drei Sekunden für ihren letzten Wurfversuch, der von den Magdeburgern geblockt wurde. Doch selbst damit war das Spiel emotional noch nicht am Ende. Matthias Musche und Tobias Reichmann gerieten heftig aneinander, nachdem beide im Laufduell zu Boden gegangen waren. Die herbeieilenden Teamkollegen konnten gerade noch verhindern, dass es zu einer Tätlichkeit kommt. Musche: „Wir waren da beide sehr emotional, haben uns dann aber – so wie es sich im Handball gehört – auch gleich wieder ausgesprochen und werden über diese Szene wohl noch lange lachen, wenn wir uns treffen.“

Toller Kempa-Trick

Phasenweise mussten Musche und Co. zuvor aber auch befürchten, dass das Weihnachtsfest und die gestrige Weihnachtsfeier von den Melsungern verdorben wird. Wiegert: „Wir sind schwer ins Spiel gekommen und konnten froh sein, dass es zur Pause 10:10 stand.“ Nur einmal waren die Gastgeber da in Führung. Allerdings durch ein wunderschönes Tor nach Kempa-Trick. Zwei Minuten vor dem Gang in die Kabinen hatte Rechtsaußen Tim Hornke beim Sprung in den Kreis toll auf seinen Gegenüber Musche abgelegt, der zum 9:8 traf.

Nach der Pause lief es im Spiel der Magdeburger zunächst besser. Wiegert hatte taktisch umgestellt und ließ Damgaard nach einigen Fehlwürfen auf der Bank. „Melsungens Torwart hat gut gehalten, ich hatte auch ein bisschen Pech im Abschluss“, sagte der Däne, dessen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2 sein 100.  Tor in der laufenden Saison war.

Pettersson und Hornke beste Werfer

Richtig gut ins Spiel kam Daniel Pettersson, der auch für das eigentlich beruhigende 19:16 sorgte. Am Ende war der Schwede genau wie Tim Hornke mit fünf Toren bester Werfer bei den Grün-Roten.

Green mit vielen Paraden

Bedanken konnten sich die Magdeburger auch bei Torwart Jannick Green. Acht seiner ingesamt zwölf Paraden legte der Däne in der ersten Halbzeit hin und hielt sein Team damit im Spiel. Dass das bis zum Ende eng blieb, gehört aber mittlerweile auch zum Spiel des SCM. Wiegert: „Ich dachte, mit unserem 4:0-Lauf vom 15:16 zum 19:16 können wir schon Mitte der zweiten Halbzeit das Spiel in unsere Bahnen lenken. Aber anscheinend können wir derzeit nicht anders, als es spannend zu machen.“