Magdeburg l Als die Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt gestern in die Getec-Arena einlief, waren die Ränge nur spärlich besetzt. Etliche Staus in der Innenstadt hatten dafür gesorgt, dass die Zuschauer erst peu à peu eintrudelten. Passend dazu wirkten auch beide Teams, als wären sie nach einer stundenlangen Busfahrt gerade ausgestiegen, um sich die Beine zu vertreten. Müde, unkonzentriert - wer ein torreiches Spitzenspiel erwartet hatte, bekam das Gegenteil zu sehen. Nach 17 Minuten stand es gerade einmal 4:4.

Das und zahlreiche technische Fehler drückten auf die Stimmung. Zeitweise herrschte Totenstille in der Halle. Weder die Fans noch die Spieler wussten so richtig, was sie davon halten sollten. “Reingeschrieen wurde ein Ball schon öfter, gepfiffen nicht”, forderte Hallensprecher Stephan Michme in der Halbzeitpause Unterstützung für die Grün-Roten ein.

SCM mit vielen Fehlern

Und wenn das auch erst in der Schlussphase zum Tragen kam: Der SCM konnte die kuriosen Bedingungen ausblenden und gewann das Spitzenspiel mit 26:25 (8:12).

Die Unterschiedsspieler waren auf beiden Seiten schnell gefunden. Die Torhüter Jannick Green und Benjamin Buric trugen auch aufgrund der katastrophalen Wurfausbeute ihrer Vorderleute einen Zweikampf aus. Buric hatte nach 30 Minuten mit neun Paraden - davon ein Siebenmeter - knapp die Nase vor Green, der fünf Würfe und ebenfalls einen Siebenmeter parierte.

Das Geschehen zwischen den Toren ließ sich hingegen schnell zusammenfassen. Während die SG nach 20 Minuten an Fahrt aufnahm und sich einen Vier-Tore-Vorsprung erarbeitete (10:6), leistete sich der SCM weiter viele Fehler. Marko Bezjak vertändelte ungewohnt oft den Ball, Erik Schmidt wackelte mit zwei Zwei-Minuten-Strafen schon heftig. Und als Christian O’Sullivan beim Wurf den eingelaufenen Matthias Musche traf, konnte man nur auf Besserung hoffen. Den Schlusspunkt der ersten 30 Minuten setzte dann, wie konnte es anders sein, wieder ein Torwart. Green vereitelte den Siebenmeter von Jim Gottfridsson.

Fester Siebenmeter-Punkt

Erwähnenswert bis dahin: SCM-Trainer Bennet Wiegert hat sich tatsächlich auf einen festen Siebenmeter-Schützen festgelegt. Tim Hornke hat das Vertrauen des Coachs bekommen, durfte nach seinem ersten Fehlwurf also weitermachen und zahlte es mit vier verwandelten Strafwürfen zurück.

Zunächst schien sich nur Michael Damgaard von der Situation persönlich herausgefordert zu fühlen, hatte bis zur 50. Minute schon neun Tore erzielt und brachte den SCM mit ebenjenem neunten Treffer auf 20:21 heran. Und das Gäste-Team von Maik Machulla zeigte Nerven. Nach einem kapitalen Fehlpass von Gottfridsson war es Damgaard, der zum 22:22-Ausgleich (52.) traf. Jetzt erst war die Getec-Arena auf Betriebstemperatur.

Der SCM aber blieb cool und ging fünf Minuten vor Schluss erstmals in Führung (24:23). Ausgerechnet ein Siebenmeter musste dann beim 25:25 in der 59:31 Minute zur Entscheidung herhalten. Hornke verwandelte, die SG hatte noch einen Angriff. Goran Sogard setzte den Wurf übers Tor - der SCM feierte einen Heimsieg. Und was für einen!

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