Magdeburg l Als die Spieler des SC Magdeburg am Dienstagabend aus der Berliner Schmelinghalle kamen, war der eigene Mannschaftsbus schwerer zu finden, als zuvor das Tor der Füchse. Das schwarze Gefährt konnte man im Dunkeln und beim einsetzenden Regen erst im zweiten Blick ausmachen. Das Füchse-Gehäuse stand dagegen so weit offen wie noch in den Duellen mit den Berlinern. 32:22 hieß es am Ende für den SCM. Das geht in die Geschichte ein. Denn einen Sieg mit zehn Toren Unterschied gab es zwischen diesen beiden Teams in der Bundesliga noch nie. Der höchste gelang dem SCM mit einem 31:23 bisher im September 2007.

Balsam für die SCM-Seele

Nach der Auftaktniederlage gegen den Bergischen HC tat das den Magdeburgern besonders gut. „Auch in dieser Höhe zu gewinnen, ist schon sehr viel Balsam für unsere Seele. Groß feiern können wir aber leider nicht. Denn am Donnerstag geht es gegen Göppingen ja schon wieder weiter“, sagte Christian O‘Sullivan. Mit einer fast schon unglaublichen Angriffseffektivität von 78 Prozent zogen die Grün-Roten ihrem Gegner den Nerv. „Mit so einer Quote kann man ja eigentlich auch kein Spiel verlieren. Normal sind sonst 60 bis 65 Prozent. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit in eine Art Flow gespielt. Und selbst in Unterzahl konnten wir die Berliner vor große Probleme stellen. Das war die Reaktion, die ich von der Mannschaft nach der Auftaktniederlage sehen wollte“, lobte Trainer Bennet Wiegert.

Von Wiedergutmachung oder Revanche bezüglich der Niederlage gegen den Bergischen HC (27:31) will der Coach aber nichts wissen. Wiegert: „Die zwei Punkte sind leider weg. Die bekommen wir auch durch diesen klaren Sieg nicht zurück. Da können wir also nichts wiedergutmachen. Und keiner weiß, ob uns diese zwei Punkte am Ende irgendwie fehlen.“

Füchse-Sieg bestätigt den Kader

Für die SCM-Seele ist dieser Sieg natürlich mehr als nur zwei Punkte wert. Wiegert: „Nach unserer Niederlage gegen den Bergischen HC wurde ja leider auch schon wieder einiges in Frage gestellt. Aber jetzt hat jeder gesehen, dass der Wiegert nicht nur quatscht, sondern wir wirklich einen Kader mit einer großen Perspektive haben.“ Während die Spieler auf der Rückfahrt nach Magdeburg den Sieg schon ordentlich genießen konnten, war der Trainer mit seinen Gedanken schon wieder beim nächsten Spiel. Wiegert: „Göppingen wird nicht einfach. Da müssen wir auch wieder alles abrufen.“ Und erneut rotieren. Der Trainer hatte ja in Berlin kräftig durchgewechselt und allen Spielern viele Einsatzminuten gegeben. „Wir haben eine harte Woche. Da müssen wir mit den Kräften haushalten. Denn in dieser Saison ist es wichtig, dass die Mannschaft von großen Ausfällen verschont bleibt“, erklärt Wiegert.

Musche siegt als Papa

Matthias Musche sollte eigentlich gar nicht spielen. Der Linksaußen war in der Nacht zuvor stolzer Vater eines Jungen geworden und war erst wenige Stunden vor dem Spiel nachgereist. Mit vier Toren konnte sich Musche dann aber auch noch am Sieg beteiligen. „Für mich als gebürtigen Magdeburger ist so ein Sieg natürlich besonders schön. Denn wir sind hier oft genug mit viel Frust im Bus zurückgefahren“, so Musche.

Starke Leistung von Green

Auch Jannick Green war selbst hinter dem vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz das erlösende Lächeln anzusehen. Green: „Irgendwann musste die Negativserie gegen die Füchse doch mal reißen. Und das tut nach der ärgerlichen Auftaktniederlage jetzt besonders gut.“ Green und Tobias Thulin gewannen dieses Mal auch das Torwartduell ganz klar. Nach der Pause war Green kaum noch zu überwinden, hielt kurz vor Schluss sogar einen Siebenmeter von Hans Lindberg und kam am Ende auf eine Quote von 40 Prozent an gehaltenen Bällen. Und vorne war Michael Damgaard mit acht Toren bester Werfer. Damgaard: „Wir haben richtig gut gespielt. Das ist einfach schön, dann auch so zu gewinnen. Aber eines ist auch klar – gegen Göppingen müssen wir jetzt nachlegen. Sonst ist der Sieg gegen die Füchse kaum was wert.“

Ein historischer Sieg, über den man sich auch gerne ein paar Tage länger freuen würde. Doch dass nur 48 Stunden später schon das nächste Spiel ansteht, nehmen die SCM-Spieler locker. Tim Hornke: „So können wir die gute Stimmung und den Rückenwind gleich mitnehmen. Denn das wird gegen Göppingen ein ganz anderes Spiel. Aber wir wollen unsere Fans nun auch zu Hause erfreuen.“