Magdeburg l Katja Hermann geht schon seit vielen Jahren zu ihrem SCM, ist bei den Fans ein echtes Unikum und hat viel erlebt. Aber so ein Spiel wie das gegen GOG Svendborg war auch für sie eine völlig neue Erfahrung. Mit Maske vor Mund und Nase, striktem Abstand zu den anderen wenigen Fans ging es in die Getec-Arena. Dort zeigten Pfeile auf dem Boden an, in welche Richtung man laufen muss und rot-weiße Flatterbänder sperrten bestimmte Zonen ab. Und auf den beiden Tribünen mussten die Fans einzeln sitzen und dazwischen immer Sitzreihen oder mehrere Plätze frei halten. „Es ist schön, die Mannschaft nach fünf Monaten endlich wieder spielen zu sehen. Aber so richtiges Handball-Feeling kommt dabei nicht auf. Vor allem für mich ist der Mundschutz eine echte Qual. Ich fühle mich wie geknebelt, wenn ich nicht rufen darf“, berichtet Hermann, die zu normalen Zeiten ihren Emotionen beim Handball richtig freien Lauf lässt.

Zwei Siege gegen Svendborg

Trotz der erschwerten Bedingungen unterstützten die jeweils rund 200 Fans ihre Mannschaft aber so gut es ging, feierten jedes Tor und jede Parade als würde es um Punkte gehen. Dass ein „Der SCM ist wieder da“ durch die leere Halle schallte, passte auch perfekt zum Spiel. Denn nach fünfmonatiger Pause präsentierten sich die Grün-Roten auf der Platte in erstaunlich guter Verfassung und gewannen die beiden Spiele gegen GOG mit 33:28 und 31:29.

„Wir sind froh, dass wir uns nach fünf Monaten Pause wieder mal zeigen konnten. Es sind zwar nur Testspiele. Aber die haben ja schon Wettkampfcharakter. Dass dabei natürlich noch nicht alles wieder optimal lief, ist völlig normal“, erklärte Trainer Bennet Wiegert. Am Sonnabend ließen seine Jungs viele Chancen aus und entschieden erst in den letzten Minuten das Spiel. Wiegert: „Mit 22 Fehlwürfen gewinnt man eigentlich selten. Da haben wir also noch viel Potenzial. Aber solche Spiele sind wichtig, um wieder in den Rhythmus zu kommen.“ Auch Christian O‘Sullivan war zufrieden: „Für die ersten zwei Spiele nach so langer Pause sah das schon ganz gut aus.“

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Magnusson macht viel Hoffnung

Mit einem spektakulären Kempa-Trick hatte Matthias Musche nach Zuspiel von Tim Hornke am Freitagabend das erste Tor des Abends erzielt. „GOG ist eine gute Mannschaft. Da zählen die zwei Siege schon. Wichtig war für uns, wieder mal einen Gegner zu haben und gegen gegnerische Torhüter zu werfen. Denn wir standen ja eineinhalb Monate nur Jannick Green und Tobias Thulin gegenüber“, so Musche, der im ersten Spiel zusammen mit Moritz Preuss (beide jeweils fünf Tore) bester SCM-Werfer war. Am Sonnabend war Neuzugang Omar Ingi Magnusson mit neun Toren kaum zu stoppen. Der Isländer macht nach den ersten zwei Spielen große Hoffnung, den Abgang von Albin Lagergren gut zu kompensieren. Auch Kreisläufer Magnus Gullerud passte sich schon gut ins SCM-Spiel ein. O‘Sullivan: „Unsere neuen Jungs haben sich schon sehr gut integriert. Dafür sind solche Spiele ja auch da.“

Schmedt lobt Disziplin der SCM-Fans

Während die Spieler auf der Platte wieder richtig Spaß am Handball hatten, war Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt höchstpersönlich in der Halle unterwegs, um zu schauen, ob sich alle an die Vorgaben hielten. Wenn der Mundschutz nur noch das Kinn bedeckte, gab es mit einer freundlichen Geste die Bitte, doch die Maske wieder richtig aufzusetzen. „Riesenkompliment an unsere Zuschauer. Die haben sich bei allem Enthusiasmus absolut vorbildlich verhalten und diszipliniert mitgemacht. Das ist ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf die Saison, um da auch wieder vor mehr Zuschauern spielen zu können“, sagt Schmedt.

Auch die Spieler mussten mit Maske vom Eingang zur Kabine laufen und durften keinerlei Kontakt zu Dritten haben. Dass auf dem Parkplatz vor der Halle sogar Autos auf Abstand geparkt wurden, soll Schmedt aber nicht angeordnet haben.

Hornke verletzt in den Urlaub

Mit speziellen Fitnessplänen dürfen die Spieler jetzt zwei Wochen ausspannen, bevor die direkte Saisonvorbereitung beginnt. Für Tim Hornke kommt die Pause wohl genau richtig. Der Rechtsaußen hatte sich am Freitag am Sprunggelenk verletzt und schaute Sonnabend nur zu.