Magdeburg l „Wenn die so weiter spielen, dann ...!“ Mit diesen Worten schaute SCM-Fan Georg Schwirblat den auf der Platte feiernden Spielern zu. Sein Gesicht war hoffend und fragend zugleich. Der Sieg gegen Kiel hat die Ansprüche an die Magdeburger Handballer schließlich noch weiter gesteigert. Und es ist ja nicht nur das nackte Endergebnis. Es ist die Art und Weise, wie der SCM über die Platte fegt. Gegen Kiel wurde zwischenzeitlich sogar mit acht Toren geführt. Das war S(chnell)C(ool)M(agisch)!

Die Lobeshymnen will der Trainer auch nicht eindämpfen. Bennet Wiegert: „Das hat sich die Mannschaft erarbeitet und deshalb auch verdient. Diese Wertschätzung sollen die Spieler schon spüren. Denn wir werden auch wieder Spiele verlieren. Das gehört im Sport dazu. Aber wir wollen viel lieber weiter auf dieser Erfolgswelle schwimmen.“

SCM-Spieler behalten Bodenhaftung

In der letzten Saison strandeten die SCM-Werfer ja leider auf den letzten Metern und verspielten im DHB-Pokal und EHF-Cup mögliche Titel. Deshalb fragt sich nicht nur Fan Georg, der seit sieben Jahren den SCM verfolgt, ob sein Team bis Saisonende auf diesem hohen Level spielen kann. Aus Erfahrung behalten die Spieler deshalb auch bei den größten Freudensprüngen die Plattenhaftung. Marko Bezjak: „Fünf Siege nach fünf Spielen sind wunderschön. Das werden wir auch genießen. Aber es gibt nun einmal 34 Spieltage.“ Teamkollege Jannick Green stapelt ebenfalls tief: „Der Sieg gegen Kiel zeigt einfach nur, dass wir sehr, sehr gut Handball spielen können.“

Dass Bezjak trotz eines ausgekugelten Mittelfingers spielte und mit eingetaptem Finger sogar acht Tore warf, ist fast schon unglaublich. Der Slowene konnte die Woche über ja nicht einmal mit der Mannschaft voll trainieren. Und trotzdem legte er so eine Klasse-Leistung hin. Bezjak schmunzelnd: „Vielleicht ist es ja besser, wenn ich künftig weniger trainiere. Das ist natürlich ein Spaß. Denn es ist mein Job, gut zu spielen. Das gilt auch für die gesamte Mannschaft. Und unsere tollen Fans haben es auch verdient, dass wir noch viele solcher Spiele abliefern.“

Bezjak mit in Gummersbach

Weil der Finger von „Bezo“ wieder angeschwollen ist, würde dem 32-Jährigen eigentlich eine Pause mal ganz gut tun. Aber auf Bezjaks Ideen können die Magdeburger schwer verzichten. Deshalb will der Rückraumspieler auch am Sonntag auf die Zähne beißen. Wiegert: „Er fährt auf jeden Fall mit. Ob und wie lange er spielen wird, entscheiden wir dann vor Ort.“

Nach dem THW Kiel wartet mit dem VfL Gummersbach zwar ein Gegner von kleinerem Kaliber. Aber unterschätzt wird auch der VfL nicht. „Wir müssen jetzt erst einmal regenerieren“, sagt Green, um dann den Fokus möglichst schnell auf Gummersbach zu legen. „Ich habe es schon erlebt, dort zu verlieren“, fügt der Torhüter an, „auch wenn man denkt, man ist der Favorit. Dort muss man erst einmal gewinnen.“

Weber wird nicht thematisiert

Auch der Trainer weiß, dass seine Mannschaft selbst in Gummersbach nichts geschenkt bekommt. „Hannover ist dafür ein warnendes Beispiel. Die haben zwar gewonnen, hatten vom Spielverlauf her aber die zwei Punkte gar nicht verdient. Ich habe mir das Spiel im Video angeschaut. Gummersbach war besser. Und die Zeiten sind vorbei, dass man es in der Bundesliga irgendwo locker angehen kann“, sagt Wieger. Also ist auch da die volle Kapelle gefragt. „Ich werde keinen schonen, den ich nicht schonen muss.“

Dass in der großen Euphorie auch nach Robert Weber gefragt wird, weil der gegen Kiel 60 Minuten lang auf der Bank saß, kann der SCM-Trainer verstehen, will es aber nicht thematisieren. Wiegert: „Das hatte nichts mit irgendwelchen Strafmaßnahmen zu tun. Daniel Pettersson hat auch defensiv richtig gut gespielt. Deshalb wollte ich nicht wechseln. Aber das war keine Entscheidung gegen Robert. Denn wir werden ihn schon in Gummersbach wieder richtig brauchen.“

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