Berlin l Während die Füchse sich in der Berliner Schmelinghalle noch von den Zuschauern feiern ließen, krachte in den Katakomben ordentlich die Tür der Gäste-Kabine. Die SCM-Handballer haben erstmals in dieser Saison verloren. Niederlagen gehören im Sport natürlich dazu. Und diese Niederlage können die Magdeburger nach ihrem Super-Saisonstart auch irgendwie verkraften. Doch die SCM-Jungs waren viel mehr darüber frustriert, weil das 24:27 (10:14) in Normalform vermeidbar gewesen wäre. Trainer Bennet Wiegert: „Die Füchse haben es gut gemacht und verdient gewonnen. Aber sie waren heute sicher keine Übermannschaft. Deshalb ärgert uns diese Niederlage umso mehr.“

Während die gut 1000 mitgereisten SCM-Fans eine 3:0-Führung (8.) ihres Teams bejubelten, hatte der Trainer da schon die ersten Probleme ausgemacht. Wiegert: „Auch da hatte ich nicht das Gefühl, dass wir heute ein gutes Spiel machen werden.“ Zu gut hatten sich die Gastgeber auf das Tempo- und Kombinationsspiel der Magdeburger eingestellt und boten ein nahezu fast perfektes Rückzugsverhalten. Und im Tor verlor der bisher starke Jannick Green ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag erstmals das direkte Duell gegen seinem Gegenüber. Füchse-Manager Bob Hanning: „Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass man nur die Gegenstoßtore und die Paraden addieren muss. Und welche Mannschaft da im Vorteil ist, die gewinnt auch das Spiel.“

Mit zwölf Paraden hatte Füchse-Torwart Silvio Heinevetter am Ende doppelt so viele wie Jannick Green auf dem Konto. Die Gegenstöße wurden mit 3:1 für die Füchse gezählt. Und dass die Magdeburger ein Drittel ihrer Tore mit Siebenmetern erzielten, ist auch ein Beleg dafür, dass es nicht so rund wie in den Spielen zuvor lief.

Fünf Tore von Weber

Dass Robert Weber fünf dieser Siebenmeter verwandelte, war allerdings ein positiver Fakt des Spiels. Wiegert: „Wir hoffen, dass ihm das jetzt auch neuen Mut gibt.“ Auf die Überraschung mit dem 32-Jährigen in der Anfangssieben hatte Wiegert zwar verzichtet – doch in der 14. Minute stand der Rechtsaußen plötzlich doch auf der Platte. Weil sich Matthias Musche bei einem Foul am gegnerischen Kreis leicht verletzt hatte, durfte Weber zum fälligen Siebenmeter ran und verwandelte den gegen Heinevetter zum 5:4 für den SCM (die letzte Führung der Gäste in dieser Partie) auch eiskalt. Am Ende gewann der Österreicher sogar fünfmal das Nervenduell mit dem überragend haltenden Ex-Magdeburger im Füchse-Tor.

Mut sollte trotz der Niederlage auch Michael Damgaard aus diesem Spiel schöpfen. Der Däne kam auf mehr Einsatzminuten als zuletzt und warf zwei Tore. Ein weiterer Schritt, um nach seiner Knieverletzung endlich wieder in alte Form zu kommen.

Unterm Strich war es aber zu wenig. Die Füchse wollten diesen Sieg irgendwie mehr und haben die ganzen Emotionen vor dem Spiel auch besser auf die Platte bringen können. Wiegert: „Gewollt haben wir auch, aber irgendwie hat das letzte Quäntchen gefehlt. Entscheidend war der Fünf-Tore-Rückstand kurz vor der Pause. Den holst du in Berlin ganz schwer wieder auf. Aber Niederlagen sind auch dafür da, um daraus zu lernen.“

Füchse Berlin: Heinevetter/Semisch – Drux 5, Zachrisson 5, Elisson 4, Holm 4, Wiede 4, Simak 2/2, Koch 1, Reissky 1, E. Schmidt 1, Struck, Gojun, Lindberg, Jallouz

SC Magdeburg: Green/Quenstedt – Musche 6/3, Weber 5/5, Pettersson 4, Bezjak 3, Damgaard 2, O‘Sullivan 2, Lagergren 1, Christiansen 1, Musa, Chrapkowski, Kluge, Molina, de la Pena

Schiedsrichter: Peter Behrens (Wuppertal)/Marc Fasthoff (Neuss). Zuschauer: 9000. Siebenmeter: Füchse 2/5, SCM 8/10. Strafminuten: 10 / 6