Magdeburg l Moritz Preuss wollte am vergangenen Sonnabend eigentlich mal richtig ausschlafen. Aber das Klingeln seines Handys holte den Kreisläufer des SC Magdeburg aus dem Schlaf. Doch die Störung am frühen Morgen nahm er gerne hin. Denn der Anrufer war Alfred Gislason. Und der wollte Preuss nicht nur ein schönes Wochenende wünschen, sondern ihn für die EM-Qualifikationsspiele gegen Bosnien-Herzegowina am 5. November in Düsseldorf und 8. November gegen Estland in Tallin einladen. Preuss: „So überrascht ich war, so sehr habe ich mich darüber auch gefreut. Ich kann auf der einen Seite natürlich schon einordnen, dass da einige wichtige Spieler verletzt ausfallen. Andererseits ist das aber auch eine Bestätigung der gezeigten Leistungen.“

Bisher fünf Länderspiele

Gislason hatte schon die Testspiele des SCM aufmerksam verfolgt und war gegen Eisenach sogar in der Getec-Arena vor Ort. Auch beim starken Bundesliga-Auftritt des SCM vor drei Wochen in Berlin bei den Füchsen saß der frühere Erfolgscoach des SCM und vom THW Kiel auf der Tribüne. Da muss ihn Preuss also überzeugt haben. „In die Nominierung sind Eindrücke und Ereignisse der vergangenen Wochen eingeflossen“, begründete Gislason seine Entscheidung. Preuss: „Bevor er mir die Nachricht überbrachte, hat er sich auch noch bei Bennet Wiegert über mich informiert. Danke also auch an unseren Coach, dass er mich da empfohlen hat.“

Gänzlich neu ist das Nationaltrikot für Preuss allerdings nicht. „Meine Einsätze sind aber ziemlich übersichtlich“, meint Preuss, der in der offiziellen Statistik mit fünf Spielen und vier Toren geführt wird. Im Juni 2018 war er bei der Japan-Reise dabei und zuvor gegen Norwegen im Einsatz. Und im März 2017 durfte der 25-Jährige beim „Tag des Handballs“ in den zwei Länderspielen gegen Schweden ran.

„Da könnte ich jetzt also das halbe Dutzend voll machen“, sagt Preuss, der wohl im Angriff das gestandene Kieler Duo Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek entlasten soll. Mit Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) und Johannes Golla (Flensburg-Handewitt) fallen zwei andere Kreisläufer ja verletzungsbedingt aus.

Ausgerechnet vor den Augen Gislasons war an eine Rückkehr ins Nationalteam vor sieben Wochen aber nicht unbedingt zu denken. Der Bundestrainer hatte sich Anfang September das Testspiel gegen Eisenach angeschaut, bei dem sich Preuss kurz vor der Pause unglücklich das linke Knie verdreht hatte.

Manschette als Sicherheit

Glücklicherweise bestätigten sich die Befürchtungen eines Kreuzbandrisses nicht. Preuss musste mit einer Verstauchung nur einige Wochen im Training kürzertreten und war zu Saisonbeginn wie erhofft wieder am Ball.

„Als ich beim Spiel gegen Eisenach damals nach der Pause von draußen zuschauen musste, gingen mir schon einige nicht so schöne Gedanken durch den Kopf. Aber die waren zum Glück umsonst. Ich spüre im Knie nichts mehr und fühle mich gut“, erzählt Preuss, der sicherheitshalber jetzt eine Manschette trägt.

Bevor er am Montag nach Düsseldorf zum DHB-Team reist, ist er mit den SCM-Kollegen aber noch mal richtig in der Pflicht. Preuss: „Die Niederlage gegen Stuttgart hat die Nominierung leider ein bisschen getrübt. In Coburg muss jetzt unbedingt ein Sieg her. Dann lässt es sich auch viel besser zum Nationalteam reisen.“