Magdeburg l Als Daniel Pettersson die Nachricht von der Quarantäne beim 1. FC Magdeburg erfuhr, fühlte er sich an die ersten Juli-Wochen erinnert. Weil der Schwede aus privaten Gründen erst verspätet aus seiner Heimat nach Magdeburg zurückkehrte, musste er zunächst einmal 14 Tage in der eigenen Wohnung bleiben. So fanden die Leistungstests und die ersten Trainingseinheiten ohne den Rechtsaußen statt.

Geschwitzt hat Pettersson trotzdem. „Ich habe damals ein Fahrradergometer und Seile für das Krafttraining nach Hause bekommen und mich damit dann individuell fit gehalten“, erinnert er sich. Heimlich die Wohnung zu verlassen, kam für ihn nicht infrage. Pettersson: „Wahrscheinlich hätte das keiner gemerkt. Dabei geht es doch aber in erster Linie um die Sicherheit der anderen. Deshalb habe ich mich strikt an die Quarantäne gehalten und war wirklich zwei Wochen lang nicht draußen.“

Pettersson mit Quarantäne-Erfahrung

Auch zur Freude seiner Freundin Michelle. „Ich habe in dieser Zeit auch den Haushalt geschmissen“, verrät er schmunzelnd. Und die Langeweile hat er mit Büchern und dem Fernseher vertrieben. Pettersson: „Ich habe zwei Bücher gelesen. Eines in schwedischer Sprache, das andere auf Englisch. Und im Fernsehen konnte ich einige Golfturniere verfolgen.“

Golf-Handicap verbessert

Schließlich ist Pettersson selbst leidenschaftlicher Golfer. „In der Pause habe ich viel gespielt und mein Handicap verbessert. Spaß habe ich am Padel gefunden. Das ist so ähnlich wie Tennis“, berichtet Pettersson, der in seiner Heimatstadt Eskilstuna wie in jedem Urlaub auch Angeln war. Dabei zog er auch einen acht Kilo schweren Hecht aus dem See in sein Boot. Die Tage in Schweden wurden ja nicht nur durch die Corona-Pandemie immer länger. Mitte Juni sind auch die Nächte im Norden fast taghell. Selbst das traditionelle Mittsommerfest fand nur im kleinen Kreis statt. Denn Pettersson hat sich auch in Schweden an die deutsche Ordnung gehalten. „In meiner Heimat waren die Beschränkungen ja viel lockerer als in Deutschland. Da waren sogar die Restaurants lange Zeit noch offen. Aber wir haben uns trotzdem an das deutsche System mit den Abstandsregelungen gehalten und haben auf Gruppenansammlungen verzichtet.“

Starke skandinavische Fraktion

Inzwischen ist der 28-Jährige beim SCM aber wieder mittendrin. Die Leistungstests sind längst nachgeholt. Und beim Mannschaftstraining genießt „Dani“ jede Sekunde. Pettersson: „Die lange Pause hat meinem Körper richtig gut getan. Aber was mir gefehlt hat, war die Mannschaft in dieser Zeit. Denn ich bin ein Teamplayer und kein Einzelsportler. Deshalb macht das Training in der Gruppe viel mehr Spaß.“ Dass mit Magnus Gullerud und Omar Ingi Magnusson die skandinavische Fraktion im Team weiter angewachsen ist, freut ihn natürlich besonders. Pettersson: „Aber auch sportlich haben wir uns dadurch gut verstärkt. Und wir wollen in der Tabelle auch nächste Saison ganz oben mitspielen. Den Kader dafür haben wir auf jeden Fall.“

Bundesliga-Auftakt gegen Bergischen HC

Bis Ende der Woche will die Bundesliga den Spielplan bekannt geben. Angeblich startet der SCM am 1. Oktober mit einem Heimspiel gegen den Bergischen HC. Weil bis dahin noch viel Zeit ist, dürfen die 250 zugelassenen Fans von Pettersson und Co. im Testspieldoppelpack gegen Svendborg keine Wunderdinge erwarten. Für die Magdeburger stand in den letzten Wochen eher Kondition und Krafttraining im Mittelpunkt. Am handballerischen Feinschliff will Trainer Bennet Wiegert erst im September richtig arbeiten.

Trotzdem freuen sich seine Jungs auf die Spiele am Freitag (19 Uhr) und Sonnabend (12.30 Uhr) in der Getec-Arena. Pettersson: „Endlich wieder das Spielgefühl zu bekommen, ist ganz wichtig. Schön, dass wenigstens einige wenige Zuschauer dabei sein können. Sonst wäre das schon total komisch. Ohne Zuschauer haben wir ja selbst als Kinder nie gespielt. Denn da waren zumindest immer unsere Eltern da.“

Traum vom Olympia-Ticket

Für den Linkshänder, der seit 2016 das Trikot des SCM trägt, soll dieses Testspiel der Auftakt einer ganz langen Saison mit Bundesliga, European League, WM und Olympia werden. Schließlich ist Pettersson inzwischen auch im schwedischen Nationalteam eine feste Größe und kann auf ein Ticket für Olympia in Tokio hoffen.