Magdeburg l Marko Bezjak wollte vor lauter Frust gar nicht mehr aus der Kabine kommen. Albin Lagergren hockte mit traurigem Gesicht im Kabinengang und ließ sich von seinen Landsleuten im Trikot des Gegners trösten. Und den Spielern im grün-roten Trikot, die sich doch irgendwie vor eine Kamera und an ein Mikrofon quälten, fiel es ziemlich schwer, das 28:32 (13:14) gegen die Rhein-Neckar Löwen in der mit 6600 Zuschauern ausverkauften Getec-Arena richtig in Worte zu fassen.

„Die Spieler sitzen total enttäuscht in der Kabine. Denn wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen und die Jungs haben auch alles gegeben. Aber so bitter das jetzt für uns alle ist, wir müssen die Enttäuschung so schnell wie möglich abschütteln“, erzählte Trainer Bennet Wiegert mit ungewohnt leiser Stimme nach der nun schon 30. Niederlage im 40. Duell mit den Löwen.

Schiedsrichter mit umstrittenen Entscheidunge

Seine Mannschaft kam schwer ins Spiel und lag nach 13 Minuten mit 5:9 zurück. Einige höchst umstrittene Entscheidungen des Schiedsrichter-Duos Fabian Baumgart (Altenheim)/Sascha Wild (Elgersweiher) brachten die Getec-Arena zum Kochen und sorgten auch bei den Unterbrechungen immer wieder für Diskussionen. Löwen-Rückraumspieler Andy Schmid kritisierte: „Ich habe großen Respekt vor dem SCM, aber das waren heute ein bisschen zu viele Diskussionen.“ 

Was Wiegert nach dem Spiel mit einem Kopfnicken auch akzeptierte. „Das Spiel war natürlich sehr emotional. Aber vielleicht haben wir durch die Diskussionen hier und da wirklich ein bisschen den Fokus verloren und uns dadurch ablenken lassen“, meinte der SCM-Trainer.

SCM verschenkt Pausenführung

Entscheidend für die Niederlage war aber viel mehr, dass die Magdeburger immer wieder einen großen Aufwand betreiben mussten, um sich nach den Rückständen wieder heranzukämpfen. Und dann aber doch wieder in Rückstand gerieten. Wiegert: „Wir hatten eindeutig zu viele solcher Phasen im Spiel.“ Eine wurde beim 5:9-Rückstand durch eine Auszeit gestoppt. Danach standen die Grün-Roten sicherer in der Abwehr und glichen mit einem 4:0-Lauf durch Lagergren zum 9:9 (19.) aus. Fünf Minuten später verwandelte Uwe Gensheimer eiskalt einen seiner insgesamt drei Siebenmeter zum 9:12. Obwohl die Schiedsrichter danach eine strafwürdige Aktion gegen Christian O’Sullivan nicht ahndeten, hatten die Magdeburger eine Minute vor der Pause zum 13:13 ausgeglichen. Bei eigenem Ballbesitz war danach sogar die Halbzeitführung drin. Doch das erledigte nach einem technischen Fehler des SCM der überragende Jannick Kohlbacher für die Löwen.

Kohlbacher und Schmid überragend

Der Kreisläufer war im Zusammenspiel mit Schmid am Ende mit neun Toren bester Werfer des Spiels. SCM-Abwehrspezialist Piotr Chrapkowski haderte: „Das sind dann die Situationen, wo man eigentlich weiß, was jetzt kommen könnte, und dann bekommst du den Ball doch irgendwie durch die Beine oder am Körper vorbei gespielt.“ 
Nach der Pause lief es am eigenen Kreis dann besser und als Matthias Musche, der am Ende mit sechs Toren bester SCM-Werfer war, nach 44 Minuten den Löwen einen Ball klaute und zum 21:19 traf, schien das Spiel eine endgültige Wende zu nehmen. „Aber wir haben da zu viele Fehler gemacht und den Löwen einfache Tore geschenkt. Das sind die Kleinigkeiten, die solche Spiele entscheiden“, analysierte O’Sullivan. Aus dem Vorsprung wurde innerhalb von fünf Minuten ein 21:23. Fünf Minuten vor Schluss vergab der SCM dann noch einen Siebenmeter, während die Löwen bis Abpfiff die Nerven behielten.