Herr Schmedt, Sie sagten, es sei der Wunsch des ganzen Vereins gewesen, die EHF-Finalspiele nach Magdeburg zu holen. Was ist an der Ausrichtung des Turniers besonders?
Marc-Henrik Schmedt:
Dass der Heimvorteil natürlich Rückenwind gibt, steht ja außer Frage. Wir haben mittlerweile an die 5900 Karten verkauft. Es ist für Magdeburg einfach eine tolle Geschichte, dass wir das zweitgrößte Vereinsevent Europas ausrichten dürfen. Das hat ja auch eine Wirkung für die Stadt, und es ist eine Wertschätzung der EHF (Anm. d. Red.: Europäische Handballföderation) für den Handballstandort Magdeburg.

Rund 5900 Tickets sind also verkauft. Ist es für eine Sportstadt und für Sie ein Misserfolg, wenn die Halle nicht voll wird?
Wirtschaftlich ist es definitiv kein Misserfolg, selbst wenn heute mit dem Kartenverkauf Schluss wäre. Aber es ist ja auch abhängig davon, was nicht verkauft wird. Wir wissen, dass es immer schwierig ist, 1200 Stehplätze zu verkaufen. Ein Großteil der Handball-Zuschauer möchte eben einen ordentlichen Sitzplatz und ist bereit, dafür Geld auszugeben.

Wie schätzen Sie als Ausrichter das Verhältnis zwischen Kosten und Gewinn ein?
Das große Risiko war mit Sicherheit die Nicht-Qualifikation des SCM. Das ist jetzt ausgeschaltet. Und so, wie ich es heute einschätzen kann, werden wir mit der Veranstaltung auf jeden Fall keinen Verlust einfahren. Wir erwarten eine schwarze Null.

Bleiben wir kurz bei Zahlen. Die DHB-Pokalfinalteilnehmer haben je 90.000 Euro erhalten. Wissen Sie schon, wofür das Geld verwendet wird?
Naja, so eine Veranstaltung hat ja nicht nur Einnahmen, sondern auch Ausgaben zur Folge. Ich sehe den Pokalwettbewerb in toto, und da gehen wir nicht mit einem Defizit raus. Insofern liegt der Betrag jetzt aber auch nicht auf der hohen Kante, dem stehen Kosten gegenüber wie für Anreise und Hotel für alle Pokalrunden.

Fließt ein Teil davon eventuell in die Ablöse von Moritz Preuss vom VfL Gummersbach?
Da kann ruhig weiter spekuliert werden. Aber am Status quo hat sich nichts verändert, sein Vertrag läuft bis 2019, und das wird von uns akzeptiert. Und ich sehe jetzt auch in Kürze keine Änderung der Situation.

Der Halbfinal-Gegner des SCM im EHF-Pokal ist die französische Mannschaft Saint-Raphaël Var Handball. Ihre Einschätzung dazu?
Das ist ein sehr starker Gegner, zumal er hier als Außenseiter – also auf dem Papier, nicht sportlich gesehen – antritt. Er geht als der Verein ins Rennen, der gegen den Gastgeber antreten muss. Ich glaube, dass sich die Franzosen in der Rolle sehr wohlfühlen. Wenn ich mir angucke, dass drei französische Mannschaften zudem im Final Four um die Champions League sind, dann spricht das auch für die Qualität der französischen Liga. Also das Team ist definitiv sportlich auf Augenhöhe. Unser Ziel ist natürlich trotzdem, über das Halbfinale ins Endspiel zu kommen und das dann auch zu gewinnen.

Einen Titel hat ja bereits Ihr Nachbar, der 1. FC Magdeburg, gewonnen. Zudem steigt der Club in die zweite Liga auf. Wächst bei Ihnen die Sorge, dass zum Beispiel Sponsoren abtrünnig werden könnten?
Ich habe das schon mehrmals gesagt: Wir freuen uns für Magdeburg, dass wir zwei erfolgreiche Sportvereine haben. Fest steht: Unser Budget fürs kommende Jahr ist gesichert, und es wird wieder steigen. Der FCM hat eine super Entwicklung genommen, und ich glaube einfach, dass gute Leistung in Magdeburg honoriert wird. Ich sehe da keine gegenseitige Kannibalisierung. Denn obwohl beides Sportveranstaltungen sind, sind sie inhaltlich trotzdem unterschiedlich. Wir haben ja zum Beispiel ein etwas älteres Publikum. Wir sollten einfach nur froh sein, dass wir mit dem SCM und FCM zwei tolle Vereine haben. Beide sind für die Stadt wichtige Aushängeschilder.

⦁ Aufgrund der Verletzungen von Matthias Musche und Lukas Mertens soll Co-Trainer und Ex-Linksaußen Yves Grafenhorst beim SCM vor seinem Comeback stehen.

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