Magdeburg l Die SCM-Handballer verabschieden sich bis zum 10. Juli in die Sommerpause – und hinterlassen einen durchweg positiven Eindruck. Der deutliche 31:24-Sieg über Göppingen besiegelte endgültig Rang drei in der Tabelle – und somit die beste SCM-Platzierung seit 14 Jahren. Dadurch besteht sogar die Minimal-Chance, in der kommenden Saison Champions League zu spielen. Wofür es jedoch eine Wildcard des europäischen Handballverbands EHF braucht, der wohl Ende Juni darüber entscheiden soll. Die Ambition, sich unter den Top-Fünf der Bundesliga-Mannschaften festzusetzen, ist und wird folglich weiterhin gelten.

Sechs Punkte gegen Kiel und Flensburg

„Es ist ein absolut runder Abschluss“, betonte SCM-Trainer Bennet Wiegert dementsprechend, „so kann ich sehr gut und hochzufrieden in die Pause gehen.“ Denn: „Auch wenn wir keinen Titel geholt haben, haben wir 54 Punkte. Das ist schon stark und nicht selbstverständlich. Stolz dürfen wir auch sein, dass Flensburg und Kiel zusammen zehn Punkte abgegeben haben – und davon sechs an uns.“

Frust im EHF-Cup

Kapitän Christian O’Sullivan geht damit konform – „aber zufrieden bin ich nicht“, stellt der Norweger klar. Zu weh tut ihm die verpasste Titelchance, „vor allem im Pokalfinale, denn da waren wir so nah dran“. Während er vor Saisonbeginn noch den EHF-Pokal als „einfachsten Weg zum Titel“ ausgemacht hatte, musste O’Sullivan das nach dem frühen Aus gegen Porto revidieren. „Der Zeitpunkt der Spiele war schlecht, weil wir – einschließlich mir selbst – einige angeschlagene Spieler hatten. Und im Hinspiel haben wir mit sieben Toren geführt, gewinnen aber nur mit drei. Das darf eigentlich nicht passieren.“

Ist aber so passiert. Allerdings hat es den SCM kaum aus der Bahn geworfen. Zwar verlor die Mannschaft danach gleich dreimal in der Liga, blieb aber im DHB-Pokal und startete beginnend mit dem Sieg gegen Leipzig im Dezember eine Serie von acht Liga-Erfolgen.

„Das ist für mich einer der größten Fortschritte in dieser Saison, dass wir nach Niederlagen schnell zurück in die Spur finden. Unsere durchschnittliche Leistung hat sich also verbessert. Wir gewinnen jetzt auch, obwohl wir nicht unsere Top-Form abrufen. So gesehen, haben wir unser niedrigstes Leistungs-Niveau angehoben“, analysiert O’Sullivan.

Nur sieben Niederlagen

Nur sieben Niederlagen hat sich der SCM insgesamt geleistet, mit EHF-Cup und Pokalfinale sind es neun. „Aber Flensburg hat nur zwei Spiele verloren und trotzdem am letzten Spieltag noch um die Meisterschaft gezittert. Das ist schon Wahnsinn. Wenn du Meister werden willst, darfst du also kaum verlieren“, sagt Wiegert.

Vor allem nicht gegen die Mannschaften, „die direkt hinter uns stehen. Also die Rhein-Neckar Löwen, Berlin, Göppingen und Erlangen“, meint der Kapitän, „und vor allem dürfen wir unsere Heimspiele gegen diese Teams nicht verlieren.“

Allzu sehr wird sich O’Sullivan darüber in der Sommerpause aber nicht grämen. „Letztlich reden wir nur über wenige Punkte. Generell scheinen wir also eine gute Formel gefunden zu haben.“ Für ihn steht auch fest, worin diese Formel begründet ist: „Wir hassen es, zu verlieren. Das ist eine Eigenschaft, die wir alle hier beim SCM teilen. Und das ist gut so.“

Titelziel mit sechs Neuzugängen

Für die kommende Saison hat er vor allem eine Herausforderung ausgemacht: Die Integration von gleich sechs Neuzugängen. „Wir müssen schnell zusammenfinden und dafür bleibt uns nur wenig Zeit“, sagt O’Sullivan. Er ist aber trotzdem zuversichtlich, dass der Bruch ohne größere Komplikationen vollzogen werden kann. „Denn vom Talent her sollte die Mannschaft besser sein. Wir verlieren zwar einen Robert Weber, gewinnen aber mit Tim Hornke einen gleichwertigen Spieler hinzu.“

Wird der Kapitän also in der kommenden Saison wieder einen Titelgewinn als Ziel ausgeben? Die Antwort ist eindeutig: „Klar. Wir haben ja nicht weniger Ziele als vorher“, sagt O’Sullivan.